Bahnhof wurde wieder zur Bühne

“Kultur am Bahnhof” sorgte für Stimmung auf dem Dornbirner Bahnhofsvorplatz.
Dornbirn Drei Artisten wirbeln Keulen, Bälle und Reifen durch die Luft, immer wieder ist Gelächter zu hören: Bei “Kultur am Bahnhof” wurde der Dornbirner Bahnhofsvorplatz am Freitag einmal mehr zum Schauplatz unerwarteter Begegnungen. Zwischen ankommenden Zügen und Bussen, wartenden Fahrgästen und vorbeieilenden Passanten sorgte die französische Compagnie LPM “Los Putos Makinas” mit ihrer “Piti Peta Hofen Show” für überraschende Momente.

Die Künstler verbanden zeitgenössischen Zirkus und Jonglage mit Slapstick und satirischen Elementen. Dabei spielte sich die Vorstellung mitten im Alltag ab. “Es war für uns eine besondere Situation, weil die Menschen unsere Show vor allem im Vorbeigehen erlebt haben. Einige blieben aber stehen und sorgten mit ihren Reaktionen für Stimmung”, erzählt Johannes Bauhofer, Mitglied des Ensembles. Auch das Saxophonensemble “I Sax Blos” der Musikschule Dornbirn machte den Bahnhofsvorplatz zur Bühne. Mit seinen musikalischen Beiträgen sorgte es für eine entspannte Atmosphäre und lud dazu ein, für einen Moment innezuhalten.


Ins Gespräch kommen
Ein besonderer Anziehungspunkt war das “Büro für Arbajteri” des Stadtmuseums Dornbirn und der städtischen Stelle “Zusammenleben in Vielfalt”. 60 Jahre nach dem Anwerbeabkommen zwischen Österreich und Jugoslawien standen die Lebensgeschichten jener Menschen im Mittelpunkt, die damals nach Vorarlberg kamen, um hier zu arbeiten.

Ausgewählte Fotografien aus dem Nachlass des jugoslawischen Fotografen Jovan Ritopečki dienten als Ausgangspunkt für Gespräche. Von den 1960er- bis in die 1980er-Jahre hielt Ritopečki in ganz Österreich das Leben von Gastarbeitern aus dem ehemaligen Jugoslawien fest. Einige seiner Aufnahmen entstanden auch bei der Firma Hämmerle in Dornbirn. Wer auf den Bildern zu sehen ist, ist allerdings nicht dokumentiert. Deshalb waren die Erinnerungen der Passanten gefragt: Erkennen sie jemanden wieder? Kennen sie die Geschichten hinter den Aufnahmen? “Wir hatten viele spannende Gespräche. Tatsächlich konnte auch mindestens eine Person auf den Fotos mit großer Wahrscheinlichkeit identifiziert werden”, berichtete Barbara Motter vom Stadtmuseum Dornbirn.

Austausch und Begegnungen
Auch die OJAD, Kaplan Bonetti und weitere Partnerorganisationen waren mit verschiedenen Angeboten vor Ort. Beim Glücksrad des aha konnten Jugendliche Fragen zu Themen wie Reisen, Musik, Liebe oder Respekt beantworten und ihre Gedanken auf einem Plakat festhalten. Das Stadtarchiv lud mit seiner kleinen Ausstellung zur Geschichte des Bahnhofs und der Bahnhofstraße dazu ein, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen.

Für regen Austausch sorgte außerdem die Bundespolizei mit ihrem Angebot “Coffee with Cops”. Der Kaffee fand großen Anklang: “Wir mussten schon dreimal Milch nachkaufen, und auch der Zucker ist uns ausgegangen”, erzählte Gert Gröchenig von der Bundespolizei.
Die nächste Ausgabe von “Kultur am Bahnhof” findet am Freitag, 9. Oktober 2026, von zwölf bis 17 Uhr am Bahnhof Dornbirn statt. LCF







