Alpsommer war “nicht so schlimm, wie befürchtet”

VN / 28.09.2026 • 09:50 Uhr
Erich Schwärzler und Josef Türtscher (re.) fachsimpelten am Rande der Schwarzenberger Käseprämierung über die Auswirkungen von Hitze und Wassermangel – und auch die Möglichkeiten, Speicherseen für die Beschneiung alpwirtschaftlich zu nützen. PETER STRAUSS
Erich Schwärzler und Josef Türtscher (re.) fachsimpelten am Rande der Schwarzenberger Käseprämierung über die Auswirkungen von Hitze und Wassermangel. Peter Strauss

Josef Türtscher, Obmann des Alpwirtschaftsvereins, zieht vorläufige Bilanz des Alpsommers.

Schwarzenberg Noch fehlen endgültige Zahlen, aber in einer vorläufigen Bilanz des Alpsommers 2026 sieht es “nicht so schlimm wie befürchtet aus”, stellt Josef Türtscher, Obmann des Alpwirtschaftsvereins, im Gespräch mit der VN-Heimat erleichtert fest. Der langjährige Agrarlandesrat Erich Schwärzler, der sich zwar vor einigen Jahren von allen offiziellen Funktionen zurückgezogen hat, das Thema aber auch in der Pension nach wie vor aufmerksam verfolgt, pflichtet seinem Kollegen bei.

Alpsommer war "nicht so schlimm, wie befürchtet"
“Nach dem viel zu trockenen Sommer sollte man prüfen, ob Speicherseen für die Alpwirtschaft nutzbar sind”, sagt Josef Türtscher. Peter Strauss

Herausforderung gut gemeistert

Einig sind sich die beiden Fachleute in ihrem Resümee, dass die Älpler die außergewöhnliche Herausforderung gut gemeistert haben. “Die Schäden, die durch langandauernde Hitze und Regendefizit entstanden sind, sind zwar schmerzhaft, sind im Vergleich mit der Lage im Osten Österreichs aber weit geringer ausgefallen”, zieht Türtscher einen Vergleich. Dass die Qualität der 2026-er Alpkäse in Schwarzenberg gegenüber dem Vorjahr schwächer bewertet wurde, war zu erwarten, schmälert die Leistung der Alpsennen keineswegs. Die Jury-Beurteilung schwankte nur um Nuancen – “und unser Alpbergkäse ist auch heuer von allerbester Qualität”.

Alpen, die genügend Wasserreserven in der Nähe hatten – wie die Alpe Körb am Kalbelesee auf Hochkrumbach – hatten weit weniger Probleme mit der extremen Trockenheit in diesem Sommer.
Alpen, die genügend Wasserreserven in der Nähe hatten – wie die Alpe Körb am Kalbelesee auf Hochkrumbach –, hatten weit weniger Probleme mit der extremen Trockenheit in diesem Sommer. Peter Strauss

Überrascht sind Schwärzler und Türtscher, dass nach vorläufiger Erhebung kaum weniger Alpbergkäse produziert wurde. “Man hätte erwarten können, dass sich das Extremwetter stärker auf das Futterangebot und damit die Milchleistung ausgewirkt hätte”, so die beiden Experten. “Unter dem Strich wurden gegenüber dem Vorjahr nur etwa 20 Tonnen weniger Käse gesennt, das ist lediglich ein Minus von etwa vier Prozent und liegt im langjährigen Vergleich im Rahmen üblicher Schwankungsbreite”, rechnet Türtscher vor. Er führt das darauf zurück, dass es den Älplern offenbar gelungen sei, das Futterangebot bis zum letzten Grasbüschel zu nützen. Es dürfe auch nicht außer Acht gelassen werden, dass der zu heiße und zu trockene Alpsommer – so paradox dies auch klingen mag – auch einen Vorteil hatte: “Es gab heuer keine echten Schlechtwetterphasen und keinen Schnee. Solche Wettereinflüsse hätten sich ebenfalls nachteilig ausgewirkt”, merken sie an.

Dass das Vieh von vielen Melkalpen früher abgetrieben werden musste, konnte dank der Niederschläge im August (Türtscher: “diese haben in den letzten Wochen noch einmal einen Wachstumsschub gebracht.”) zumindest teilweise durch eine längere Vorsäßzeit kompensiert werden.

Trockenheit und Hitze hatten jedoch nicht nur auf den Alpen negative Auswirkungen, auch im Tal fiel die Heuernte weit unter Durchschnitt aus. “Da muss man erst abwarten, wie viel Heu zugekauft werden muss – so dieses überhaupt zu bekommen ist, denn nicht nur bei uns fiel die Heuernte schwach aus – oder ob deswegen viel Vieh verkauft oder geschlachtet werden muss.”

Man sollte die Möglichkeit, Speicherseen wie auf der Uga in Damüls (Bild) in Extremsituationen wie in diesem Sommer für die Alpwirtschaft „anzuzapfen“ auf alle Fälle prüfen.
Speicherseen wie auf der Uga in Damüls (Bild) könnten in Extremsituationen wie in diesem Sommer für die Alpwirtschaft “angezapft” werden. Peter Strauss

Für die Zukunft wappnen

Dass sich Extremsituationen künftig häufen werden, ist nach Einschätzung der Klimafachleute so sicher wie das Amen in der Kirche, man müsse deshalb Vorkehrungen treffen, damit umzugehen. Eine Möglichkeit zur Wasserversorgung könnten die Speicherseen für die Schneeerzeugung in den Skigebieten sein. “Bei uns im Großwalsertal gibt es 47 Alpen, von denen nur zwei von solchen Speicherseen profitieren könnten”, merkt Türtscher an, ergänzt jedoch, dass die Talschaft nicht gerade von Skigebieten überhäuft ist. In anderen Regionen sei dies sicher anders, und man sollte die Möglichkeit auf alle Fälle prüfen, wie man solche Wasserreserven alpwirtschaftlich nützen könne. STP 

Alpsommer war "nicht so schlimm, wie befürchtet"
“Dass trotz großer witterungsbedingter Herausforderung heuer kaum weniger Alpkäse als in anderen Jahren erzeugt wurde, spricht für die gute Arbeit unserer Sennerinnen und Senner”, so Erich Schwärzler. Peter Strauss