Fair Trade – Menschen vor Profit

Indro Dasgupta berichtete im BGD über Chancen und Herausforderungen des Fairen Handels.
Dornbirn Woher kommen die Produkte im Weltladen? Und was verändert Fairer Handel im Leben der Menschen, die sie herstellen? Einen Blick hinter die Kulissen gab Indro Dasgupta im BG Dornbirn. Der Leiter des Craft Resource Center (CRC) in Kolkata war im Rahmen der EZA-Produzententour zu Gast.

Seinen Vortrag begann Dasgupta mit einem Einblick in seine eigene Geschichte. Er bezeichnete sich als “Fair-Trader in zweiter Generation”. Seine Mutter Irani Sen gründete 1991 das Craft Resource Center. Dasgupta selbst studierte Wirtschaft in den USA und arbeitete zunächst einige Jahre in der Wirtschaft. Für seine Doktorarbeit beschäftigte er sich mit den Auswirkungen der Globalisierung auf den Arbeitsmarkt. 2017 kehrte er nach Indien zurück und schlug beruflich einen neuen Weg ein. “Bis dahin habe ich vor allem für meine eigene Geldtasche gearbeitet. Dann wollte ich auch etwas für andere tun”, erzählte er.
Brücke nach Europa
Heute arbeitet das CRC mit 36 Handwerksgruppen und rund 3500 Handwerkerfamilien zusammen. Die Organisation versteht sich als Brücke zwischen den Handwerkern in Indien und den Konsumenten in Europa. Das CRC unterstützt bei der Entwicklung neuer Produkte, der Beschaffung von Materialien, der Finanzierung und Produktion bis hin zu Verschiffung und Vermarktung. “Vom Konzept bis zum Konsumenten – die ganze Reise”, beschrieb Dasgupta den Ansatz. Das CRC ist keine NGO, sondern eine Handelsorganisation mit sozialem Anspruch und Mitglied der World Fair Trade Organization (WFTO). “Menschen vor Profit ist unser Motto”, so Dasgupta.

Viele der lokalen Handwerksbetriebe verkaufen ihre Produkte zwar auf dem indischen Markt, sind aber zu klein, um selbstständig international zu handeln. Oft fehlt es an Wissen über europäische Märkte. Genau hier setzt das CRC an. Das langfristige Ziel sei allerdings nicht, die Produzenten dauerhaft abhängig zu machen. Im Gegenteil: “Unser Ziel ist, dass sie selbstständig exportieren können.” Einige Betriebe hätten diesen Schritt bereits geschafft.

Regelmäßiges Einkommen
Was Fairer Handel für die Produzenten konkret bedeutet, machte Dasgupta vor allem an einem Punkt fest: Planbarkeit. Regelmäßige Bestellungen sorgen für ein konstantes Einkommen und ermöglichen es Familien, ihre Ausgaben langfristiger zu planen – für Lebensmittel, Wohnen, Bildung oder Gesundheit. “Das Hauptargument für Fair Trade ist die Einkommensgenerierung”, sagte Dasgupta. Die Auswirkungen gingen aber weit darüber hinaus. Gerade für Frauen könne ein eigenes Einkommen viel verändern. Es stärke ihre Unabhängigkeit und könne auch die Stellung innerhalb der Familie verändern.

Seit 1994 arbeitet das CRC mit der österreichischen EZA Fairer Handel zusammen. Während Fair-Handelsorganisationen in anderen europäischen Ländern teilweise mit großen Schwierigkeiten kämpfen und weniger bestellen würden, sei EZA ein verlässlicher Partner.

Doch auch der Faire Handel steht vor Herausforderungen. Steigende Material- und Frachtkosten sowie die Folgen des Klimawandels erschweren die Produktion. Dasguptas Botschaft an die Verantwortlichen und Mitarbeitenden der Weltläden im Publikum lautete: “Die Lösung ist einfach: Ihr müsst einfach noch mehr verkaufen.”

Produkte aus Kolkata
Die Produkte des Craft Resource Center sind auch im Weltladen Dornbirn erhältlich. Angeboten werden Taschen und Geldtaschen aus chromfreiem Premium-Büffelleder, Schals und Halstücher, Schlüsselanhänger, Tragtaschen aus Bio-Baumwolle sowie bunt bedruckte Topfhandschuhe und Schürzen. LCF