Der Krankenpflegeverein ist “meisterlich”

Mit rund 400 Gästen feierte der Krankenpflegeverein Hard sein 125-Jahr-Jubiläum.
Hard “Die lustigen Sachen gab es meist mit den Männern.” Brigitte Sutter weiß noch aus dem Pflegealltag, wie viel Überzeugungsarbeit ein Bad kosten konnte. Manchmal musste sie erst ein Gläschen oder einen Schnaps mit einem Patienten trinken, bis die Skepsis wich und er sich baden ließ. Die ehemalige Kinderkrankenschwester erzählte aber auch von schwerer körperlicher Arbeit: Menschen wurden ohne Lift aus Betten gehoben, die sich nicht in der Höhe verstellen ließen. “Man musste früher viel improvisieren.”

Solche Erinnerungen gaben dem Festabend am Samstag im Spannrahmen seinen Ton. Der zweitälteste Krankenpflegeverein Vorarlbergs setzte nicht auf eine endlose Reihe von Festreden, sondern auf Menschen, die etwas zu erzählen hatten. Musiker und Kabarettist Markus Linder holte Gäste zu Kurzinterviews auf die Bühne und machte den Pflegerinnen auch musikalisch seine Aufwartung. “A Hard Day’s Night” traf auf “und die Schwestern sind bereit”, und “Live Is Life” bekam einen eigenen Text für den Krankenpflegeverein, ebenso wie “We Are Family” für die Schwestern des Vereins, der mit 2000 Mitgliedern der größte Ortsverein ist.

Ein Fahrrad mit Geschichte
Wie viel sich seit 1901 verändert hat, zeigte ein Film mit Zeitzeuginnen und Wegbegleitern. Darin zeichnete der ehemalige Schuldirektor Ernst Köhlmeier die Anfänge nach: Der Krankenpflegeverein ging aus dem katholischen Frauenverband hervor, und zwei Kreuzschwestern kamen aus der Schweiz. In Zeiten der Inflation wurden die Schwestern auch mit Lebensmitteln bezahlt. Das Fahrrad auf der Bühne erzählte ein eigenes Kapitel. 1940 sollte ein Rad den Schwestern die Hausbesuche erleichtern. Doch das Mutterhaus in Hall fand es unschicklich, dass Ordensfrauen Fahrrad fahren, und so blieb es zunächst ungenutzt. Jahrzehnte später gehörte das Rad dann doch zum Pflegealltag der Kreuzschwestern, etwa der legendären Sr. Consilia.


Der frühere Gemeindearzt Dr. Paul Gmeiner erinnerte sich daran, schon als Kind von den Schwestern verarztet worden zu sein. Paula Schmid, langjährige Schriftführerin, steuerte ihre Erinnerungen bei. Erst vor wenigen Wochen hatte sie ihren 98. Geburtstag gefeiert. Begleitet von Sohn Manfred und Schwiegertochter Elisabeth erhielt sie von Obmann Herbert Fitz einen Blumenstrauß. Fakt am Rande: Von den insgesamt 125 Jahren standen 105 Jahre lang Frauen an der Spitze des Vereins, seit 18 Jahren ist Herbert Fitz Obmann.


125 Jahre gelebte Nächstenliebe
“Wir wollen vor allem auch jene Menschen vor den Vorhang holen, die unseren Verein über Generationen getragen und mit Leben erfüllt haben”, sagte Fitz. Gemeint waren das heutige Pflegeteam ebenso wie ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die ehrenamtlich Engagierten. Ärztin und Beirätin Dr. Karin Böhler unterstrich die Bedeutung des Vereins. Auch Landesrätin Martina Rüscher und Bürgermeister Martin Staudinger würdigten dessen Arbeit: Über 13.000 Patientenkontakten jährlich seien eine wahrhaft “meisterliche” Leistung.

Das galt auch für die Helfenden: Die Oldtimerfeuerwehr Hard buk 400 Schnitzel, die ehemalige Vizebürgermeisterin Eva-Maria Mair packte im Service mit an. Mangold3 – Gerhard und Elmar Mangold mit Thomas Kapitel – spielten auf und ließen den Abend musikalisch ausklingen. Besonderen Dank gab es für Julia Fitz, die seit 20 Jahren im Vorstand ist und das Fest hauptverantwortlich organisiert hat. Der Obmann fand dafür persönliche Worte: “Liebe Julia, ohne deinen Einsatz wäre dieser Abend in dieser Form nicht möglich gewesen.” AFP










