Gleich zwei “Bürgermeisterbäume” in Hohenweiler

Hohenweilers neuer Gemeindechef Herbert Sohm bekam auch noch einen Firstbaum.
Hohenweiler In vielen Kommunen ist es Brauch, einem wieder- oder neugewählten Bürgermeister einen Baum aufzustellen und seine Kür rund um dieses Symbol entsprechend zu feiern. Darauf durfte sich auch Hohenweilers bisheriger Vize Herbert Sohm freuen, der jetzt auf den Chefsessel gewählt wurde. Der Wechsel war geplant, sein Vorgänger Wolfgang Langes hatte schon bei der Wahl 2025 seinen Amtsverzicht “während der Amtsperiode” angekündigt. Bei diesem Baum blieb es aber nicht: Drei Tage später wurde er zur ersten Amtshandlung zur Firstfeier beim großen Wohnprojekt in der Riedstraße eingeladen – “eine Art zweiter Bürgermeisterbaum”, schmunzelte er beim Fotoshooting.

Sparkurs und Neuausrichtung
So erfreulich dieses Projekt, das 30 Wohnungssuchenden ein Heim bietet, ist, so groß sind die Herausforderungen, denen sich Herbert Sohm nun als Bürgermeister federführend gegenübersieht. Im Gespräch mit den VN macht er deutlich, dass “sich die Gemeindevertretung schon vor Monaten auf einen konsequenten Sparkurs verständigt hat und langfristige Planungen für die Gemeindeentwicklung neu ausgerichtet hat”.

Will heißen: “Das Projekt Neubau der Schule – von Fachleuten auf rund acht Millionen Euro geschätzt – können wir nicht finanzieren und müssen uns darauf konzentrieren, das bestehende Gebäude zu sanieren und umzubauen, mit wesentlich geringerem Investitionsaufwand”, so Sohm. Auch das Vorhaben “neues Gemeindeamt” geht zurück an den Start. “Auch hier suchen wir eine günstigere Lösung.”

Geänderte Rahmenbedingungen
Wie kam es zu diesen rigorosen Planänderungen? 2016 stellte die Gemeinde einen ehrgeizigen Plan vor: Mehr als 50 neue Wohnungen im Zentrum, neues Feuerwehrhaus, neue Volksschule, neues Rathaus. Spätestens mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs wurden derartige Planungen nicht nur in Hohenweiler Makulatur. “Das neue Feuerwehrhaus ist fertiggestellt, die neuen Wohnungen ebenfalls – und 30 weitere sind im Werden –, aber die weiteren Vorhaben sind in der geplanten Form einfach nicht finanzierbar. Das haben wir schon vor zwei, drei Jahren zur Kenntnis nehmen müssen.” Mit dem Bürgermeisterwechsel habe das nichts zu tun.

“Wir haben in der Gemeinde eine Rekordverschuldung, große Investitionen stehen für die Sanierung der Riedstraße – rund eine Million Euro –, die Sanierung der Pumpstation, eine Wärmepumpenheizanlage für Schule, Gemeindeamt und Hokus an, dazu wurde auch der Kindergarten erweitert”, listet Sohm Gründe auf, weshalb die “große Lösung” nicht machbar ist.

Was ihn motiviert
Stellt sich die Frage, warum man sich das Bürgermeisteramt – noch dazu in seinem Alter, Herbert Sohm feierte vor zwei Monaten seinen runden 60er – angesichts dieser Situation überhaupt antut? “Weil ich das Gefühl habe, etwas Positives für die Gemeinde und die Allgemeinheit tun zu können. Ich bin in Bregenz aufgewachsen, als ich zehn Jahre alt war, zog meine Familie nach Lauterach, und irgendwann haben wir uns – meine Frau und unsere zwei Kinder – dann gesagt, wir möchten uns verändern. Viele Jahre suchten wir etwas im Raum Bregenz, 2003 bot sich dann die Gelegenheit, ein Haus in Hohenweiler zu kaufen. Wir wurden hier bestens aufgenommen, ich bin im Kirchenchor und im Pfarrgemeinderat und seit 2010 in der Gemeindevertretung aktiv.”

Als selbstständiger Unternehmer eines Betriebes in der Schweiz sieht Herbert Sohm auch keine Probleme, Amt und Beruf unter einen Hut zu bringen: “Ich werde versuchen, täglich im Amt zu sein – wenn auch natürlich nicht acht Stunden.” STP

