Kunsthistorisches Kleinod in Gaschurn

Heimat / 06.10.2026 • 17:08 Uhr
Kapelle Maria Schnee im Ortsteil Bühel in Gaschurn
Kapelle Maria Schnee im Ortsteil Bühel in Gaschurn. OS

Die Kapelle Maria Schnee zählt zu den bedeutendsten kleinen Gotteshäusern des Montafons.

gaschurn Unweit des Ortszentrums von Gaschurn steht auf einer kleinen Anhöhe eine außergewöhnliche Kapelle. Ihre Geschichte ist eng mit dem legendären Lukas Tschofen verbunden, jener schillernden Figur aus den Zeiten des 30-jährigen Krieges, die in Gaschurn noch heute große Popularität genießt.

Der Legende nach sollen er und seine Frau Anna im Zuge einer schweren Krankheit versprochen haben, nach erfolgter Genesung eine Kapelle zu errichten. Sie sollte dort gebaut werden, wo auch im Sommer Schnee hinfalle, was bei einem sommerlichen Unwetter auf der Anhöhe neben der Ill tatsächlich der Fall war. An die Stifter des kleinen Gotteshauses erinnern auch die beiden Figuren über dem Chorbogen, die den hl. Lukas und die hl. Anna darstellen. Eine andere mögliche Begründung für den Kapellenbau steht in Zusammenhang mit der um 1630 in Gaschurn wütenden Pest. Schließlich dürfte wohl das Zusammenwirken beider Legenden den Anstoß zum Bau dieser kleinen Kapelle gegeben haben.

Der frühbarocke Altar mit der gekrönten Madonna
Der frühbarocke Altar mit der gekrönten Madonna. OS

Der ursprüngliche Bau, den der Churer Bischof Johann VI. Flugi am 31. Dezember 1639 einweihte, umfasste den schmalen, taleinwärts liegenden Teil mit einem eingezogenen Chor im Südosten. Schon in den 1660er-Jahren erfolgte jedoch die Erweiterung um ein breiteres und auch höheres Kirchenschiff. Das mehrgliedrige Satteldach ist mit Holzschindeln gedeckt. Es wird überragt von einem kleinen Türmchen mit Zwiebeldach, in dem sich eine Glocke aus dem Jahr der Errichtung (1637) befindet.

Der heutige Betraum wird nach oben von einer einem Tonnengewölbe nachempfundenen Holzdecke abgeschlossen; sie ist mit großen Bildern bemalt. Im hinteren Teil hängen an den Wänden 14 Bildtafeln mit den Kreuzwegstationen. An der rechten Wand ist ein Mariahilf-Bild, das den Ruf von Maria Schnee als Wallfahrtskapelle begründete.

Der rundbogige Durchgang zum Altarraum führt in den ältesten Teil der Kapelle, den ersten Betraum. Sein Kreuzgratgewölbe ist mit Ornamenten und Gitterwerk ausgestattet, weist aber auch figürliche Darstellungen auf; neben musizierenden Engelchen befindet sich in der Mitte des Gewölbes eine Darstellung von Gottvater mit einer Weltkugel. Stilistisch erinnert dieser Teil an den Spätbarock, er weist aber auch bäuerlich-volkstümliche Formen auf.

Innenraum der Kapelle mit Blick in den Altarraum
Innenraum der Kapelle mit Blick in den Altarraum. OS

Hinter dem Chorbogen, an dessen Spitze in einer Kartusche die Stifterinschrift mit der Jahreszahl 1637 angebracht wurde, steht auf einem gemauerten Altarstein der in Rot und Gold gehaltene frühbarocke Altar. Zwischen zwei kannelierten Säulen befindet sich zentral ein Hochrelief, das die Muttergottes mit Krone und Kind zeigt. Sie steht auf einer Mondsichel und ist umgeben von 15 Rosenkranzmedaillons.

Äußerst bemerkenswert ist auch der Stipes, der Unterbau des Altars; er zeigt nämlich eine kunsthistorische Besonderheit. Eine Holztafel zeigt drei Frauen, die vor dem Betrachter das Leichentuch Christi – in Vorder- und Rückansicht – ausbreiten. Auf dem schleierhaft durchsichtigen Tuch sind die Wundmale zu erkennen. Eine solche Darstellung des Turiner Leichentuchs ist in Vorarlberg und auch im weiteren Umkreis einzigartig. OS