Prostituierte als Lockvögel: So geriet ein Nenzinger (28) in die “Honigfalle”

Neue Details zum Raubüberfall auf einen alleinstehenden Freier in seiner eigenen Wohnung – und wo so etwas schon einmal in Vorarlberg passierte.
Nenzing Das ungewöhnliche Verbrechen ereignete sich in der Nacht vom 4. auf den 5. September dieses Jahres in Nenzing. Es war Freitagnacht, als ein 28-jähriger Mann über eine Onlineplattform ein Treffen mit einer ihm unbekannten Prostituierten vereinbarte. Und zwar bei ihm zu Hause. Schon bald klingelte es an der Tür.
Opfer nicht verletzt
Doch die Frau erschien nicht allein. Sie hatte noch eine zweite Dame in Begleitung. Doch die beiden Besucherinnen blieben nicht lange allein mit ihrem Kunden in der Wohnung. Denn sogleich stürmten zwei maskierte Männer herein, bedrohten den 28-Jährigen mit Messern und raubten Bargeld und weitere Wertgegenstände. “Es kam dabei zu keinerlei Gewalt gegen das Opfer, der junge Mann blieb unverletzt, zur Tat selbst konnte er uns nicht viel mehr sagen”, hieß es seitens des Raubdezernates gegenüber den VN.
Schon bald erwischt
Das räuberische Quartett flüchtete nach der Tat aus der Wohnung des 28-Jährigen. Dieser, augenscheinlich geschockt, alarmierte sofort die Polizei. Beamte der örtlichen Polizeiinspektion Nenzing und des Landeskriminalamtes begannen sofort mit umfangreichen Ermittlungen. Und das mit Erfolg. Denn nur wenige Tage später, es war bereits am darauffolgenden Mittwoch, konnten die Tatverdächtigen ausgeforscht und festgenommen werden. Bei den beiden Prostituierten und den männlichen Tätern handelt es sich allesamt um rumänische Staatsbürger. “Zum Teil hier wohnhaft, zum Teil Reisetäter”, so das Raubdezernat weiter.
Ähnlicher Fall in Wolfurt
Ein ähnlicher Fall sorgte übrigens bereits im Jahr 2022 in Vorarlberg für Schlagzeilen. Es war im März, als eine Prostituierte Sex mit einem Untermieter in Wolfurt hatte. Unter dem Vorwand, vom Freier dabei gefilmt worden zu sein, kehrte sie mit ihrem serbischen Ehemann wenig später zur Wohnung zurück, wobei Letzterer mit einem Brecheisen die Haustür aufschlug und damit den Wolfurter und dessen Vermieter schwer verletzte. Der Täter und die Prostituierte wurden später zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Im Jargon “Honigfalle”
Ein Raub, bei dem eine Prostituierte (oder eine Frau, die sich als solche ausgibt) als Lockvogel dient, wird im Kriminaljargon oft als “Honigfalle” (Honeytrap) oder “Sexfalle” bezeichnet. Bei diesem Delikt arbeiten die Prostituierte und ein oder mehrere männliche Komplizen arbeitsteilig zusammen. Nach der Anbahnung wird ein Treffen vereinbart (in einem Hotelzimmer oder einer Wohnung), wo es dann zum Raub kommt. Dabei kommt es vor, dass die Frau K.-o.-Tropfen verabreicht, um das Opfer wehrlos zu machen. Diese Deliktart sei in Vorarlberg allerdings “nicht die Regel”, so eine Kriminalistin.

“Angetanzt”
Zurück zum Kriminalfall in Nenzing: “Die Tatverdächtigen wurden in die Justizanstalt Feldkirch eingeliefert, wir haben schon einen Bericht an die Staatsanwaltschaft übermittelt”, sagte die Sachbearbeiterin. Dabei steht nicht nur der Raub in Nenzing im Fokus der Ermittlungen. Denn so, wie es scheint, haben die beiden weiblichen Verdächtigen bereits am Nachmittag des 12. August im Bereich Bregenz Vorkloster zwei betagte Frauen ausgeraubt. Und zwar, indem sie zunächst vor den Seniorinnen “angetanzt” waren und ihnen die Halsketten vom Hals rissen. “Und zwar auf offener Straße”, so die Ermittlerin.
Bei den Ermittlungen zu den bislang bekannten Taten wurden hochwertige Schmuckgegenstände sichergestellt. Es ist davon auszugehen, dass diese ebenfalls aus Straftaten stammen, die bislang noch nicht zur Anzeige gebracht bzw. nicht zugeordnet werden konnten. Personen, die diesbezüglich Angaben machen können, werden ersucht, sich beim LKA Vorarlberg zu melden.
