Schule aus, Arbeitsleben an – mit 15 plötzlich im Berufsleben. “Das war eine Umstellung”

VN / 06.10.2026 • 17:22 Uhr
Schule aus, Arbeitsleben an – mit 15 plötzlich im Berufsleben. "Das war eine Umstellung"
Das ist die “next generation”. Samuel Keck (15) und Tizian Schwarzbauer (15), Lehrlinge bei Blum. Alexandra Serra

Die neuen Lehrlinge tauschen die Schulbank gegen einen Arbeitsplatz. Der Übergang von der Schule zum Berufsleben ist dabei nicht immer ganz einfach.

Dornbirn Mit 15 Jahren vom Klassenzimmer direkt an die Maschine oder an den Schaltschrank: Für Tizian Schwarzbauer und Samuel Keck hat sich seit September einiges verändert. Die beiden haben bei Blum ihre Lehre begonnen – Tizian als Mechatroniker, Samuel als Elektrotechniker. Statt Stundenplan bestimmen nun Werkzeug, Arbeitstag und erste eigene Aufträge ihren Alltag.

Schule aus, Arbeitsleben an – mit 15 plötzlich im Berufsleben. "Das war eine Umstellung"
Tizian Schwarzbauer (15) liebt die Arbeit an der Fräsmaschine. Alexandra Serra

“Mir gefällt es gut und mir macht es Spaß, mit der Maschine zu arbeiten”, sagt Tizian. Besonders das Fräsen hat es ihm angetan. Dabei merkt der 15-Jährige, wie viel Wissen dahintersteckt. Unterschiedliche Drehzahlen müssen eingestellt und Werkzeuge gewechselt werden. Genau diese Mischung reizt ihn: Elektronik und Programmieren interessieren ihn ebenso wie Metallarbeit.

Übung macht den Meister

Nach Einführung und Kennenlerntagen ging es zunächst mit Übungsstücken los. Inzwischen bearbeiten die Lehrlinge kleinere Aufträge und arbeiten zunehmend selbstständig.

Schule aus, Arbeitsleben an – mit 15 plötzlich im Berufsleben. "Das war eine Umstellung"
Samuel Keck (15) ist Elektrotechnik-Lehrling. Alexandra Serra

Auch Samuel hat seine ersten Projekte hinter sich. In der Lehrlingswerkstatt beschäftigt er sich mit Schaltungen, Plänen und Verdrahtungen. Ein Verlängerungskabel hat er aus Einzelteilen selbst zusammengebaut. Danach folgen Messungen und ein Prüfprotokoll. Für Elektrotechnik entschied er sich nach dem Schnuppern. “Der Beruf gefällt mir sehr, auch Freunde haben mir nur Positives berichtet”, so der Lehrling.

Neuer Tagesrhythmus und Sport

Die größte Umstellung ist für ihn der neue Tagesrhythmus. “Am Anfang war es eine Umstellung”, sagt Samuel. Früher aufzustehen und den ganzen Tag zu arbeiten, sei zunächst ungewohnt gewesen. Inzwischen gehe es immer besser. Nach Feierabend bleibt Zeit für Tennis, Fußball oder Basketball.

Schule aus, Arbeitsleben an – mit 15 plötzlich im Berufsleben. "Das war eine Umstellung"
Samuel Keck, Lehrlingsausbildner Christian Scheiderbauer, Tizian Schwarzbauer. Alexandra Serra

Es hat sich einiges geändert

Dass der Wechsel von der Schule ins Berufsleben Jugendlichen einiges abverlangt, beobachtet auch Christian Scheiderbauer. Seit 20 Jahren bildet er bei Blum Lehrlinge in der Elektrotechnik aus. “Der Übergang von Schule zum Schaffen” sei oft die größte Herausforderung. Die langen Arbeitstage seien gewöhnungsbedürftig.

Zu Beginn geht es deshalb um Grundlagen. Die Lehrlinge lernen digitale Systeme kennen, checken E-Mails, führen Kalendereinträge durch und erfassen ihre Arbeitszeit. Danach wird das Werkzeug erklärt. Beim selbst gebauten Verlängerungskabel ist mit dem Zusammenbauen nicht Schluss: Es muss gemessen und geprüft werden, bevor es verwendet werden darf. Eigenverantwortung gehört dazu. Bei Strom gelten klare Grenzen: Sobald mit 230 Volt Wechselspannung oder mehr gearbeitet wird, muss beim Einschalten der Spannung jemand dabei sein.

Schule aus, Arbeitsleben an – mit 15 plötzlich im Berufsleben. "Das war eine Umstellung"
Die beiden Lehrlinge stehen mit beiden Beinen im Berufsleben. Alexandra Serra

Der Beruf selbst hat sich stark verändert. Ab dem zweiten Lehrjahr spielt Programmieren eine immer größere Rolle. “Unser Werkzeug sind eigentlich Messgerät und Laptop”, sagt Scheiderbauer. Das Handwerkliche bilde die Grundlage, später rücken Software und Programmierung in den Vordergrund.

Schule aus, Arbeitsleben an – mit 15 plötzlich im Berufsleben. "Das war eine Umstellung"
Lehrlingsausbildner Christian Scheiderbauer. Alexandra Serra

Auch die Jugendlichen hätten sich in seinen 20 Jahren als Ausbilder verändert. Das Interesse sei nach wie vor vorhanden. Was heute öfter fehle, sei praktische Erfahrung mit einfachen handwerklichen Tätigkeiten. “Der Schabernack, der ist leider auch verloren”, sagt Scheiderbauer. Trotzdem seien die Lehrlinge interessiert und motiviert.

Schule aus, Arbeitsleben an – mit 15 plötzlich im Berufsleben. "Das war eine Umstellung"
Tizian Schwarzbauer an seinem Arbeitsplatz. Alexandra Serra

Für Tizian und Samuel bringt die Lehre noch eine weitere Premiere: das eigene Geld. Beide wollen einen Teil ihres Lehrlingsgehalts sparen. Tizian hat Führerschein oder Auto im Blick, Samuel legt ebenfalls etwas zurück, kauft sich davon aber auch Kleidung und Dinge fürs Tennis.

Die Lehre kann erst der Anfang sein. Scheiderbauer verweist auf Mitarbeiter, die selbst als Lehrlinge begonnen und sich bis zum Team-, Gruppen-, Ausbildungs- oder Abteilungsleiter entwickelt haben.