“Es ist so viel Verdrängung, so viel Leugnen, was da passiert”

Daniel Wagner gab in der Bücherei in Hard Einblicke in die Innenwelt eines Alkoholikers.
Hard “Als du mich zu einem letzten Gespräch gebeten hast, war ich betrunken. (…) Ich war betrunken, als du gestorben bist, und ich war betrunken, als du beerdigt wurdest. Es tut mir unendlich leid, Mama. Dei Bua ist jetzt trocken.” Mit diesen Worten des Bedauerns an seine verstorbene Mutter eröffnet Daniel Wagner sein autobiografisches Werk “Trocken”, in dem er mit schonungsloser Offenheit über seine jahrelange Alkoholsucht und seinen Weg aus ihr erzählt. Vergangenen Freitag präsentierte der 1989 in Villach geborene Autor sein Buch in der Bücherei am Dorfbach in Hard und nahm in seiner Lesung die Zuhörer mit in die schlimmste Zeit seines Lebens.

Der Weg in die Sucht
In “Trocken” erzählt der Kärntner, wie seine Beziehung zum Alkohol bereits im Jugendalter begann. Was zunächst mit einem “vorsichtigen Kennenlernen” anfing, wurde immer mehr zu einem unverzichtbaren Mittel gegen seine ihn ständig begleitenden Ängste und drohenden Panikattacken – besonders nachdem er, um Kommunikation zu studieren und als Werbetexter zu arbeiten, nach Wien gezogen war. Als seine Mutter todkrank wurde, seine psychischen Probleme zunahmen und schließlich auch noch die Beziehung zu seiner Freundin zerbrach, schlitterte Wagner endgültig in eine schwere Sucht.

Diese Sucht, die er in seinem Buch als “Monster” bezeichnet, bestimmte fortan sein Leben und sein Denken. Doch eingestanden hatte sich Wagner seine Alkoholkrankheit noch lange nicht. “Es ist so viel Verdrängung, so viel Leugnen, was da passiert (…), es gibt immer irgendeinen Grund, den man vorschieben kann”, sagte er. Zum Beispiel habe er lange den Tod seiner Mutter als Legitimation zum Trinken hergenommen. Er erinnere sich an “krasse Bilder” aus der Zeit seiner Sucht, etwa als er sich um sechs Uhr morgens hinter einer Tür versteckte und Rotwein trank, während er ernsthaft glaubte, dass es dafür einen guten Grund gebe. “Das ist schon krass, wie realitätsfern man da ist”, empfindet er heute sein damaliges Denken.
Folgen der Sucht
“Da ist halt wirklich alles in die Brüche gegangen”: Beziehung, Arbeit, Finanzen – so beschrieb der Kärntner die Folgen seiner Alkoholkrankheit. Die massiven Mengen Alkohol, die er täglich trank, haben ihm all seine Energie geraubt. In seinem Buch schildert der Autor, wie er dann nach einem “absoluten Nullpunkt” wieder Lebenswillen verspürte, ihm schließlich seine Alkoholkrankheit bewusst wurde und er in der Zeit nach dem Entzug vom “ich darf nicht mehr trinken” zum “ich will nicht mehr trinken” fand. Was dem Kärntner am besten geholfen hat, um trocken zu werden? “Therapie”, weil “es nicht nur hilfreich war, sondern mir auch wirklich Spaß gemacht hat”, erinnerte er sich.

Heute ist Daniel Wagner seit sieben Jahren trocken, lebt in Villach und ist dankbar, sein Leben, das er als “ziemlich bunt und schön” bezeichnet, wieder genießen zu können. Auch möchte er sich weiter schriftstellerisch betätigen.
Alkoholismus enttabuisieren
Ebenfalls in der Bücherei anwesend war Christine, eine Sprecherin der Öffentlichkeitsarbeit der Anonymen Alkoholiker. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrung gab sie Einblicke in die Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker. Ihr Anliegen sei, über Alkoholsucht aufzuklären und diese zu enttabuisieren, denn “Alkoholismus hat nichts mit Willenskraft zu tun, das kann jeden treffen”, so Christine.
Mehr Informationen über die Gemeinschaft der Anonymen Alkoholiker sowie zu deren Meetings finden Betroffene und Angehörige unter https://www.anonyme-alkoholiker.at/vorarlberg. SSU