TikTok ist keine steile Vorlage für Schönheit – “Ich wollte schon als Kind Friseurin werden”

Mit 15 und 17 Jahren stehen Leonie und Sarah noch ganz am Anfang ihrer Ausbildung in Schönheitsberufen. Warum soziale Medien für sie weniger wichtig sind, haben sie uns verraten.
Dornbirn Ansatz färben, Augenbrauen und Wimpern verschönern, Kundinnen betreuen, Hände und Nacken massieren und bald schon schneiden und föhnen: Wer glaubt, dass Lehrlinge im Friseur- und Kosmetikbereich am Anfang vor allem den Besen schwingen, bekommt von Sarah Meusburger eine klare Antwort. “Das stimmt gar nicht.” Die 17-Jährige ist im ersten Lehrjahr als Friseurin und längst mitten im Salonalltag. Die VN haben Lehrlinge bei Maischön in Dornbirn besucht.

Übung macht den Meister
Der Berufswunsch entstand früh. “Mein Opa und meine Gota sind Friseure, und ich habe mich als Kind schon dafür interessiert”, erzählt Sarah. Ihrer Schwester und ihrer Cousine machte sie regelmäßig Frisuren. Heute darf sie im Salon unter anderem Ansatzfärbungen übernehmen, Haare waschen und spülen sowie Nacken- und Handmassagen durchführen. Augenbrauen und Wimpern färben gehört ebenfalls bereits dazu. Besonders freut sie sich auf das, was noch kommt: “Auf das Schneiden und auf die Techniken, die ich lerne.” Als Nächstes steht Föhnen auf dem Programm bei Kollege Yari. “Der kann das richtig gut.”

Auch Leonie Fink ist erst seit September dabei. Die 15-Jährige absolviert ihre Lehre als Kosmetikerin. An ihren ersten Arbeitstag erinnert sie sich gut: “Ich war ziemlich nervös wegen der ganzen Personen, die ich neu kennenlerne.” Die Nervosität verflog schnell. Heute färbt sie bei Kundinnen Augenbrauen und Wimpern, übernimmt Hand- und Nackenmassagen, empfängt Kundinnen und telefoniert mit Unterstützung. Auch erste Maniküren hat sie bereits gemacht.
Natürlich statt perfekt
Aussehen und Schönheit spielen eine große Rolle im Beruf. In den sozialen Medien informieren sich die Lehrlinge über Trends, doch ein Schönheitsideal hat Sarah nicht: “Man muss einfach gepflegt sein. Das ist wichtig.”
Ähnlich sieht es Leonie. Sie schaut sich zwar gelegentlich Styling- und Schminktipps in sozialen Medien an und probiert aus, was funktioniert. Sich deshalb einem Ideal anzupassen, kommt für sie aber nicht infrage. “Mir ist es wichtig, natürlich auszusehen und mich nicht irgendwie in eine andere Person zu verwandeln.”

Ausbildungsleiterin Cäcilia Rhomberg beobachtet dennoch, dass Social Media die jungen Lehrlinge verändert hat. Bei Trends seien sie häufig auf dem neuesten Stand, manche präsentieren selbst Frisuren auf Instagram. Entscheidend für eine erfolgreiche Ausbildung seien aber andere Fähigkeiten.

“Anstand” nennt Rhomberg als Erstes. Dazu komme der Mut, auf Menschen zuzugehen. Im Berufsalltag lernen die Jugendlichen, mit Kundinnen und Kunden zu sprechen, sich selbst und Produkte zu präsentieren und aus ihrer Komfortzone herauszukommen. Viele seien in der Gruppe stark, allein aber zunächst schüchtern. Genau hier könne eine Lehre enorm zur persönlichen Entwicklung beitragen.
Angepasste Arbeitszeiten für Langschläfer
Der Ausbildungsbetrieb versucht zudem, den jungen Beschäftigten bei den Arbeitszeiten entgegenzukommen. Weil länger als 40 Wochenstunden geöffnet ist, können Dienstzeiten flexibel gestaltet werden. Wer morgens schwer aus dem Bett kommt, kann später anfangen und dafür länger arbeiten. Auch die Samstage werden flexibel organisiert.

Mit der Lehre kommt für Sarah und Leonie erstmals auch eigenes Geld. Sarah spart den Großteil ihres ersten Lohns. Ein bisschen davon ist allerdings bereits verplant: für die Eröffnung des Skiweltcups. Leonie hatte sich ein Moped gekauft und zahlte dafür ihrem Vater Geld zurück. Auch bei ihr wandert ein Teil auf die Seite.
Karrierepläne braucht es mit 15 und 17 noch nicht. Leonie möchte zunächst ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Dahinter stecken Handwerk, Übung und der Umgang mit Menschen.