Kostenloser Schachunterricht: Ingo Lais (67) fördert Kinder und Jugendliche in Hohenems

Bei ihm sollen die Jüngsten auch lernen, mit Rückschlägen umzugehen. Eine Fähigkeit, die er nach der Amputation seines Unterschenkels selbst brauchte.
Hohenems Zweimal pro Woche gibt Ingo Lais Kindern und Jugendlichen kostenlosen Schachunterricht in Hohenems. “Es ist faszinierend, wie viel logisches Denkvermögen junge Menschen entwickeln können”, sagt der 67-Jährige. Neben seinem Ehrenamt und seiner generellen Leidenschaft für den Denksport sitzt er gerne auf dem Mountainbike – ungeachtet der Amputation eines Unterschenkels.

Kinder fördern
Schon im Alter von 15 begann Lais als Nachwuchstrainer im Schachklub Hohenems. Mit mehreren Unterbrechungen machte er diese Tätigkeit insgesamt 20 Jahre lang. Aktuell ist er Klubobmann, und auch diese Funktion übt er mit Pausen knapp 20 Jahre lang aus. Daneben hatte er noch weitere Ämter inne. “Der Schachklub Hohenems feierte im Juni sein 100-jähriges Bestehen. Ich selbst bin seit mehr als einem halben Jahrhundert Teil dieser Klubgeschichte”, sagt der gebürtige Hohenemser.

Er trainiert Kinder zwischen fünf und 14 Jahren. “Es ist ganz egal, ob sie regelmäßig kommen oder nicht. Die Tür steht ihnen immer offen”, betont der Pensionist. Seiner Meinung nach sollten die Neugier und Lernbereitschaft von Kindern unbedingt spielerisch gefördert werden. Besonders freut es ihn, wenn eines der Kinder sein Können bei Wettkämpfen zeigt oder den Sprung ins Landeskadertraining in Dornbirn schafft. “Aber am wichtigsten ist mir, den jungen Menschen die Freude am Schachspiel weiterzugeben.”


Bedeutung geben
Beim Schachspielen erlernen die Kinder nicht nur taktisches Geschick und soziale Kompetenzen im Vereinsleben, sondern auch den Umgang mit Erfolg und Misserfolg. Letzterer ist Teil von Lais’ Lebensmotto: “Die Dinge haben nur den Wert, den man ihnen verleiht.”

Dieses Motto verkörpert der leidenschaftliche Schachspieler mit Leib und Seele. Denn obwohl ihm nach einem schweren Motorradunfall mit 41 Jahren ein Unterschenkel amputiert werden musste, verlor er seine Lebensfreude nicht. “Wegen des hohen Blutverlusts erlebte ich eine Nahtoderfahrung. Ich bin bereits völlig entspannt auf ein grelles Licht zugeschwebt”, erinnert er sich. Doch getreu seinem Lebensmotto maß er diesem Schicksal keine übermäßige Bedeutung bei. “Es ist zu akzeptieren, was nicht mehr zu ändern ist. Was soll’s, das Leben geht weiter”, sagt er mit einer stoischen Gelassenheit.
Keine Sekunde dachte er daran, mit dem Motorradfahren aufzuhören. Doch noch im selben Jahr des Unfalls kaufte er sich ein Mountainbike und fand darin eine neue Leidenschaft. “Seitdem unternehme ich pro Saison an die 100 Halbtages- oder Tagestouren”, erzählt der ehemalige Prokurist eines international tätigen Konzerns mit über 3000 Mitarbeitern. Bis vor sechs Jahren fuhr er noch alles ohne elektrische Motorunterstützung.

Weit gereist
Mindestens einmal im Jahr fährt Lais zum Mountainbiken an den Gardasee. Ansonsten ist er vor allem in Österreich und direkt vor der Haustür unterwegs. Gereist ist er in seinem Leben schon genug. Seine damalige Tätigkeit bei der Ivoclar Vivadent AG führte ihn in zahlreiche Länder: von Kanada und Australien bis hin zu den Philippinen.

Auch privat reiste er viel mit seiner Familie. “Wir waren unter anderem in Mexiko und in China, wo sich meine Tochter Janine im Jahr 2014 für die Jugendolympiade im Badminton qualifizierte”, erzählt der stolze zweifache Vater. Knapp 60 Länder habe er insgesamt schon besucht. “Aber heute würde ich eine Mountainbiketour im Bregenzerwald jederzeit einer Fernreise vorziehen”, betont er.

Zur Person:
Ingo Lais, ehrenamtlicher Schachtrainer im Schachklub Hohenems
Geboren: 1. April 1959
Wohnort: Hohenems
Ausbildung: Abendkurse für Buchhaltung und Kostenrechnung
Beruf: Seit 2019 in Pension; davor Prokurist bei der Firma Ivoclar Vivadent AG
Familie: Verheiratet mit Brigitte und zwei Kinder: Sohn Marc (37), Tochter Janine (29)
Hobbys: Schach und Mountainbiken
Lebensmotto: “Die Dinge haben nur den Wert, den man ihnen verleiht” – Jean-Baptiste Molière. Mit anderen Worten: Wir geben oft den falschen Dingen einen zu hohen Stellenwert.