Silvretta-Sperre: Keine Durchfahrt und weniger Gäste – Partenen sucht seine touristische Zukunft

Während manche Gastgeber um Nächtigungsverluste kämpfen, sehen andere eine Chance in der Region. Der Tourismus ist im Wandel.
PARTENEN Wo früher Motorräder, Ausflügler und Urlauber über die Silvretta-Hochalpenstraße Richtung Tirol unterwegs waren, ist es still geworden. Nach Murenabgängen und Felsstürzen in den Sommern 2024 und 2025 bleibt die beliebte Alpenverbindung gesperrt. Die Folgen für den Tourismus sind spürbar: In Partenen sind die Nächtigungen um rund ein Drittel (Zahlen Montafon Tourismus bis Juli 2026) zurückgegangen. Doch während manche Gastgeber um ihre Gäste kämpfen, entdecken andere eine überraschende Chance.

Wanderer weichen nach Tirol aus
Manuela Kogoj vom Haus Berta in Partenen spürt die Auswirkungen deutlich. “Es sind bei uns bis zu 20 Prozent Rückgänge zu verzeichnen”, berichtet sie. Besonders ambitionierte Wanderer würden zunehmend ins benachbarte Galtür ausweichen. Zwar bringt die Vermuntbahn Urlauber weiterhin ins hochalpine Gebiet, doch ihre Betriebszeiten schränken längere Touren ein. “Die Vermuntbahn öffnet erst um 8 Uhr und schließt um 16:30 Uhr. Das geht halt nicht, wenn du acht Stunden unterwegs bist”, erklärt Kogoj.

Auch die Gastronomie leidet unter dem fehlenden Durchgangsverkehr. Heinz Kogoj, ehemaliger Mitarbeiter der illwerke vkw und seit 46 Jahren bei der Bergrettung engagiert, kennt die Situation. Motorradfahrer und Ausflügler, die früher regelmäßig im Tal einkehrten, fehlen. Selbst für die Bergrettung bedeutet die Sperre zusätzliche Herausforderungen. Einsätze im Gebiet der Wiesbadener Hütte erfordern teilweise Umwege über Kops und Galtür.
Weniger Gäste, mehr Ruhe
Ganz anders erlebt Ruth Tschofen die Situation. Auch sie betreibt eine Pension in Partenen und beobachtet, dass ihre Gäste die neue Ruhe durchaus genießen. “Man ist jetzt kein Durchzugsort mehr, man kommt ganz bewusst nach Partenen”, erzählt sie. Besonders auffällig sei der fehlende Motorradverkehr. “Die Motorradfahrer sind übrigens ganz weg.”

Dank der Vermuntbahn können Gäste wandern
Ihre Urlauber bleiben nach eigenen Angaben sogar länger. Vor allem Erholungssuchende und Naturliebhaber schätzen die veränderte Atmosphäre. Auch die Vermuntbahn habe sich im Sommer als Besuchermagnet erwiesen. Für Tschofen steht deshalb fest: Partenen sollte nicht nur darüber sprechen, was fehlt, sondern seine Stärken gezielt vermarkten.

Hoffnung auf schnelle Sanierung
Bürgermeister Daniel Sandrell kann diesem Ansatz viel abgewinnen. “Man muss nicht das Negative hervorheben, man sollte unbedingt das Positive hervorheben”, betont er. Die Bergbahnen seien in Betrieb, Wanderwege geöffnet und zahlreiche Freizeitmöglichkeiten weiterhin vorhanden.

Den Nächtigungsrückgang sieht Sandrell dennoch differenziert. Neben der Straßensperre spielten auch Ferienzeiten, Wetterbedingungen und wirtschaftliche Unsicherheiten in wichtigen Herkunftsmärkten eine Rolle.
Sandrell wünscht sich eine rasche Wiedereröffnung. “Am liebsten würde ich gleich mit dem Bagger hochfahren und loslegen”, sagt er. Doch umfangreiche geologische Gutachten und behördliche Verfahren seien notwendig. Immerhin bestehe die Aussicht, dass die Straße früher als ursprünglich geplant (2030) wieder geöffnet werden könnte.

Direkte Ausfallzahlungen für betroffene Betriebe sind nicht vorgesehen. Stattdessen unterstützt der Tourismus touristische Initiativen, Veranstaltungen und Marketingmaßnahmen. Eine neu eingeführte Stammgästewoche soll Urlauber gezielt zurückholen.

Für die Gastgeber bleibt die Zukunft ungewiss. Während einige um ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage kämpfen, sehen andere in der neuen Ruhe eine Chance. Vielleicht liegt darin eine neue Perspektive für Partenen: Urlaub dort, wo die Straße vorerst endet.