Vom Ferienjobber zum Chef: Wie Tobias Gmeiner Foto Hebenstreit übernahm

Der 27-Jährige führt das Fachgeschäft in Feldkirch und ist täglich für seine Kunden da.
Feldkirch Zwischen Kameras, Objektiven, Stativen und Filtern steht Tobias Gmeiner im Fotofachgeschäft Foto Hebenstreit in Feldkirch und berät einen Kunden. Der 27-Jährige hört aufmerksam zu, erklärt und nimmt sich Zeit. “Mir ist wichtig, dass jeder das findet, das ihn freut und zu ihm passt”, erzählt er. Der direkte Kontakt mit den Kunden gehört für ihn zu den schönsten Seiten seines Berufs.

Früh begeistert
Bereits mit 13 Jahren kaufte sich Gmeiner seine erste Kamera und trat dem Fotoclub Wolfurt bei. Besonders faszinierte ihn schon damals die Technik hinter Kameras und Objektiven. “Ich wusste schon früh, dass ich später irgendetwas in diesem Bereich machen möchte”, sagt er. In der Tourismusschule Bezau lernte er allerdings etwas ganz anderes. Fotografieunterricht gab es dort nicht, das Fotografieren blieb zunächst sein Hobby.
Nach der Matura änderte sich das schnell. “Ich bin damals am Samstag von meiner Maturareise nach Hause gekommen und habe am Montag darauf bei Foto Hebenstreit angefangen”, erinnert er sich. Ursprünglich war es nur ein Ferialjob, doch Gmeiner fühlte sich im Geschäft wohl, und auch der damalige Chef Kurt Hebenstreit war froh über seine Unterstützung. Aus dem Sommerjob wurde eine feste Stelle.

Jung Verantwortung übernehmen
Hebenstreit war mit Gmeiner schon länger darüber im Gespräch, ob er das Geschäft eines Tages übernehmen könnte. Als der ehemalige Chef im März 2024 in Pension ging, wurde aus der Idee eine konkrete Möglichkeit. Einfach war der Schritt für Gmeiner nicht. Mit 24 Jahren hatte er keine großen Eigenmittel, gleichzeitig braucht ein Fotofachgeschäft ein teures Warenlager. Vor allem die Finanzierung war deshalb eine Hürde.
Nach vielen Gesprächen fand sich eine Lösung: Eine neue GmbH wurde gegründet, Gmeiner übernahm die Geschäftsführung. Vier Gesellschafter stehen hinter dem Unternehmen, darunter auch Kurt Hebenstreit. Für Gmeiner ist es ein großer Vorteil, dass die langjährigen Kontakte zu den Herstellern bestehen geblieben sind. Heute ist Foto Hebenstreit laut ihm das letzte Kamerafachgeschäft in Vorarlberg und im Dreiländereck, das alle Hersteller anbietet. Viele Kunden kommen deshalb auch aus der Schweiz, aus Liechtenstein, Süddeutschland und Tirol.
Der junge Unternehmer steht weiterhin selbst jeden Tag im Geschäft. Mit seinem Team berät er Kunden und verkauft für jedes Budget Kameras, Objektive und Zubehör – von gebraucht bis Edelmarken. Dazu kommen Sensorreinigungen und der Verleih von Ausrüstung. Ein besonderer Termin sind für ihn die “Vorarlberger Fototage”, die größte Veranstaltung des Jahres im Geschäft. Am 16. und 17. Oktober 2026 gibt es von 9 bis 17 Uhr kostenlose Workshops, Vorträge und Fotowalks. Hersteller und Produktspezialisten präsentieren Neuheiten, Besucher können Kameras und Zubehör ausprobieren und Fragen stellen.
Mit der Kamera abschalten
Auch privat fotografiert Gmeiner nach wie vor gerne. “Am Wochenende habe ich eigentlich immer irgendwie eine Kamera umgehängt.” Dann zieht es ihn oft in die Berge oder in die Natur. Manchmal geht er einfach eine Runde spazieren und nimmt die Kamera mit. Für ihn ist das wie Meditation. “Man kann den Kopf abschalten und sieht die Welt ganz anders an. Es fallen einem kleine Details auf, an denen man sonst vorbeilaufen würde.” Gerade heute, wo sich unzählige Bilder auf dem Handy sammeln und täglich neue auf Social Media dazukommen, schätzt Gmeiner ein Foto, das bleibt. Eines, das man ausdruckt, später wieder anschaut und mit einem bestimmten Moment verbindet. LEM