Kleidertausch bringt d’Weidacher zusammen

Am kommenden Samstag wird die Garage des Hotels Schwärzler von 8 bis 13 Uhr wieder zum ungewöhnlichen Treffpunkt.
Bregenz Am Freitag tut sich beim Bregenzer Hotel Schwärzler wieder Seltsames – da werden die Autos herausgefahren, und ab 16 Uhr kommen Weidacher Bürgerinnen und Bürger und geben ihre Kleidersäcke ab. Christine Oberforcher, Obfrau des Vereins d’Weidacher, und Susanne Gaudl, die für die Aktion federführend ist, sortieren mit ihrem Team die angelieferten Kleidungsstücke und bereiten sie für Samstag vor, denn dann ist Kleidertausch angesagt. Von 8 bis 13 Uhr hat die Weidacher Bevölkerung Gelegenheit, sich günstig mit gebrauchter Kleidung einzudecken.

Keine Ramschboutique
Es sei keine Altkleiderentsorgung, keine Ramschboutique, betont Obfrau Oberforcher und verweist auf frühere Veranstaltungen, bei denen viele Kleidungsstücke von hoher Qualität neue Besitzer gefunden hätten. “2014 haben wir den Verein d’Weidacher gegründet, heute zählt dieser etwa 300 Mitglieder, die sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt haben: die hohe Lebensqualität im Stadtteil Weidach für die Wohnbevölkerung zu erhalten und noch weiter auszubauen. Vieles können und wollen wir im eigenen Wirkungskreis organisieren, damit das Weidach weiterhin lebenswert bleibt.”

Seit zehn Jahren Kleidertausch
Aktivitäten und Aktionen werden jeden dritten Montag beim Monatsgespräch im Sozialzentrum besprochen und geplant – im Herbst 2016 wurde der erste Kleidertausch organisiert. Die Obfrau ist stolz auf diese Aktion: “Die Leute sind dankbar, dass sie auf diese Weise Kleidungsstücke – aus denen sie ‚herausgewachsen‘ sind – gegen passende eintauschen können. Viele wollen auch ganz einfach ‚etwas Neues‘ – ohne Geld ausgeben zu müssen. Und dann kommt bei dieser Aktion noch dazu, dass man einander kennenlernen kann”, führt Oberforcher einen wichtigen Aspekt ins Treffen.

Ganz spezielles Umfeld
“Einander kennenlernen” ist im Weidach noch wichtiger als in Dorfgemeinschaften ähnlicher Größenordnungen, denn Weidach ist ein stark wachsender Stadtteil – aktuell leben hier rund 4500 Menschen. Im Vergleich zum Weidach haben Orte wie Egg (3700), Fußach (4000), Mäder (4300), Schwarzach (3900) oder Schruns (4000) weniger Einwohner, aber – und das ist der entscheidende Unterschied – vielfältige Infrastruktur, die es im Weidach nicht gibt. Außer der Schule und der 1966 geweihten Kolumbankirche fehlt hier “alles, was eine Dorfgemeinschaft fördert”.

“Politisch”, so Oberforcher, “sind wir nur ein Teil von Rieden, aber durch die Arlbergstraße davon getrennt.” Klare Trennlinien gibt es auch im Norden durch Josef-Huter-Straße/Kennelbacher Straße, im Osten durch Autobahn und Weidachknoten und im Süden durch die Bregenzerach. Verkehr ist zudem eine große Herausforderung – noch größer ist die der fehlenden Infrastruktur, denn im Weidach fehlt fast alles: Hinsichtlich Nahversorgung schloss der Kloser an der Arlbergstraße vor längerer Zeit und der “Dorfladen” im Vorjahr. Der Markt an der Langener Straße liegt an der Peripherie und ist keine echte Alternative. Gleiches gilt für die Gastronomie, das beliebte Café Weidach ist längst Geschichte, im Schwärzler sind zwar auch Tagesgäste willkommen, ein klassisches Dorfgasthaus kann das Hotel aber nicht ersetzen. Es gibt keinen Musikverein, keinen Fußballklub oder andere Sport- oder Kulturvereine, und demzufolge fehlen auch Treffpunkte in Vereinsheimen. Es fehlen auch Dorfsaal oder Stadtteilplatz.

Fazit: “Umso wichtiger sind Aktionen wie der Kleidertausch, denn er wird uns im Bemühen um die Stärkung der Dorfgemeinschaft wieder ein Stück weiterbringen”, sind d’Weidacher optimistisch. STP
