Kleidertausch bringt d’Weidacher zusammen

VN / 12.10.2026 • 10:22 Uhr
d’weidacher haben beim Hotel Schwärzler nicht nur ein originelles „Bänkle zum Reda“, Dir. Sebastian Steurer (r.) und Arthur Schwärzler stellen Christine Oberforcher und Susanne Gaudl (li.) auch die Hotelgarage für den Kleidertausch zur Verfügung. PETER STRAUSS
D’Weidacher haben beim Hotel Schwärzler nicht nur ein originelles “Bänkle zum Reda”, Dir. Sebastian Steurer (r.) und Arthur Schwärzler stellen Christine Oberforcher und Susanne Gaudl (li.) auch die Hotelgarage für den Kleidertausch zur Verfügung. Peter Strauss

Am kommenden Samstag wird die Garage des Hotels Schwärzler von 8 bis 13 Uhr wieder zum ungewöhnlichen Treffpunkt.

Bregenz Am Freitag tut sich beim Bregenzer Hotel Schwärzler wieder Seltsames – da werden die Autos herausgefahren, und ab 16 Uhr kommen Weidacher Bürgerinnen und Bürger und geben ihre Kleidersäcke ab. Christine Oberforcher, Obfrau des Vereins d’Weidacher, und Susanne Gaudl, die für die Aktion federführend ist, sortieren mit ihrem Team die angelieferten Kleidungsstücke und bereiten sie für Samstag vor, denn dann ist Kleidertausch angesagt. Von 8 bis 13 Uhr hat die Weidacher Bevölkerung Gelegenheit, sich günstig mit gebrauchter Kleidung einzudecken.

Beim traditionellen Flohmarkt im September gab es schon einen kleinen Vorgeschmack auf den Kleidertausch.
Beim traditionellen Flohmarkt im September gab es schon einen kleinen Vorgeschmack auf den Kleidertausch. Peter Strauss

Keine Ramschboutique

Es sei keine Altkleiderentsorgung, keine Ramschboutique, betont Obfrau Oberforcher und verweist auf frühere Veranstaltungen, bei denen viele Kleidungsstücke von hoher Qualität neue Besitzer gefunden hätten. “2014 haben wir den Verein d’Weidacher gegründet, heute zählt dieser etwa 300 Mitglieder, die sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt haben: die hohe Lebensqualität im Stadtteil Weidach für die Wohnbevölkerung zu erhalten und noch weiter auszubauen. Vieles können und wollen wir im eigenen Wirkungskreis organisieren, damit das Weidach weiterhin lebenswert bleibt.”

Rund 4.500 Menschen leben laut KI im Weidach – dörfliche Infrastruktur ist dünn gesät – die Volksschule oder die 1966 geweihte Kolumbankirche (Bild) sind diesbezüglich die wichtigsten Einrichtungen.
Rund 4500 Menschen leben laut KI im Weidach – die Volksschule oder die 1966 geweihte Kolumbankirche (Bild) sind diesbezüglich die wichtigsten Einrichtungen. Peter Strauss

Seit zehn Jahren Kleidertausch

Aktivitäten und Aktionen werden jeden dritten Montag beim Monatsgespräch im Sozialzentrum besprochen und geplant – im Herbst 2016 wurde der erste Kleidertausch organisiert. Die Obfrau ist stolz auf diese Aktion: “Die Leute sind dankbar, dass sie auf diese Weise Kleidungsstücke – aus denen sie ‚herausgewachsen‘ sind – gegen passende eintauschen können. Viele wollen auch ganz einfach ‚etwas Neues‘ – ohne Geld ausgeben zu müssen. Und dann kommt bei dieser Aktion noch dazu, dass man einander kennenlernen kann”, führt Oberforcher einen wichtigen Aspekt ins Treffen.

Im geplanten Wohnbauprojekt gegenüber dem Hotel Schwärzler soll auch Platz für ein neues Dorfcafé vorgesehen werden. D’Weidacher setzen große Hoffnungen auf dieses wichtige Infrastruktur-Projekt.
Im geplanten Wohnbauprojekt gegenüber dem Hotel Schwärzler soll Platz für ein neues Dorfcafé vorgesehen sein. D’Weidacher setzen große Hoffnungen auf dieses wichtige Infrastrukturprojekt. Peter Strauss

Ganz spezielles Umfeld

“Einander kennenlernen” ist im Weidach noch wichtiger als in Dorfgemeinschaften ähnlicher Größenordnungen, denn Weidach ist ein stark wachsender Stadtteil – aktuell leben hier rund 4500 Menschen. Im Vergleich zum Weidach haben Orte wie Egg (3700), Fußach (4000), Mäder (4300), Schwarzach (3900) oder Schruns (4000) weniger Einwohner, aber – und das ist der entscheidende Unterschied – vielfältige Infrastruktur, die es im Weidach nicht gibt. Außer der Schule und der 1966 geweihten Kolumbankirche fehlt hier “alles, was eine Dorfgemeinschaft fördert”.

Am Fuße des Gebhardbergs ist der Stadtteil Weidach in jüngster Zeit überdurchschnittlich stark gewachsen. Infrastruktur fehlt indes weitgehend und deshalb sind Aktionen wie der Kleidertausch extrem wichtig für die Stärkung der Dorfgemeinschaft.
Am Fuße des Gebhardsbergs ist der Stadtteil Weidach in jüngster Zeit überdurchschnittlich stark gewachsen. Infrastruktur fehlt indes weitgehend. Peter Strauss

“Politisch”, so Oberforcher, “sind wir nur ein Teil von Rieden, aber durch die Arlbergstraße davon getrennt.” Klare Trennlinien gibt es auch im Norden durch Josef-Huter-Straße/Kennelbacher Straße, im Osten durch Autobahn und Weidachknoten und im Süden durch die Bregenzerach. Verkehr ist zudem eine große Herausforderung – noch größer ist die der fehlenden Infrastruktur, denn im Weidach fehlt fast alles: Hinsichtlich Nahversorgung schloss der Kloser an der Arlbergstraße vor längerer Zeit und der “Dorfladen” im Vorjahr. Der Markt an der Langener Straße liegt an der Peripherie und ist keine echte Alternative. Gleiches gilt für die Gastronomie, das beliebte Café Weidach ist längst Geschichte, im Schwärzler sind zwar auch Tagesgäste willkommen, ein klassisches Dorfgasthaus kann das Hotel aber nicht ersetzen. Es gibt keinen Musikverein, keinen Fußballklub oder andere Sport- oder Kulturvereine, und demzufolge fehlen auch Treffpunkte in Vereinsheimen. Es fehlen auch Dorfsaal oder Stadtteilplatz.

Autobahn und Weidachknoten bescheren dem Stadtteil auch Verkehrsprobleme. Flächendeckend Tempo 20 ist deshalb zur echten Verkehrsberuhigung ein großes Anliegen für den Verein d’Weidacher.
Autobahn und Weidachknoten bescheren dem Stadtteil auch Verkehrsprobleme. Flächendeckend Tempo 20 ist deshalb ein großes Anliegen für den Verein d’Weidacher. Peter Strauss

Fazit: “Umso wichtiger sind Aktionen wie der Kleidertausch, denn er wird uns im Bemühen um die Stärkung der Dorfgemeinschaft wieder ein Stück weiterbringen”, sind d’Weidacher optimistisch. STP

 
“Der Kleidertausch erfreut sich von Jahr zu Jahr größerer Beliebtheit”, sagt Susanne Gaudl. Peter Strauss