“Amore Proibito” in neuer Sprache

Die italienische Ausgabe von Jürgen Piffers Familienroman wurde in Feldkirch vorgestellt.
Feldkirch Die seit vielen Jahren in Dornbirn lebende Helga Piffer ist das uneheliche Kind der Südtirolerin Maya Frasnelli und des von ihrem Vater Johann nicht als Schwiegersohn akzeptierten Naciso Claut. Sie wurde als Kleinkind in einer aus Holz und Weidengeflecht gefertigten Kraxe, eingehüllt in eine Wolldecke und verdeckt von Holzscheiten, über das Pflerschtal und das rund 2500 Meter hohe Sandjoch nach Österreich geschmuggelt. Dann wurde sie zur Familie Fulterer nach Bozen geschickt, wo Maya bald eine wichtige Mitarbeiterin in deren Modesalon war. “Ich bin jetzt nicht mehr deine Tante, sondern deine Mama, und die da ist nicht mehr deine Mama”, erklärte ihr Frau Fulterer, als sie neun Jahre alt war.

An diese Szene erinnerte sich Helga Piffer lebhaft bei der Vorstellung der italienischen Ausgabe von “Amore Proibito” im Feldkircher Ristorante/Pizzeria “Raffaelo”. Die in der Familie seit jeher lebendige Geschichte, die ihr Sohn Jürgen nach längerem Anregen seiner Frau Astrid in Form eines Romans niedergeschrieben und im Frühjahr auf Deutsch herausgebracht hat, ist mittlerweile in der Übersetzung durch Claudia De Paoli auf Spanisch erschienen. Das deshalb, weil Großvater Naciso nach einem vergeblichen zweiten Anlauf im Jahr 1947 nach Argentinien ausgewandert ist und dort eine Familie gegründet hat.

Über Angehörige in Südtirol konnte die Familie Piffer schließlich auch Naciso Claut in Argentinien ausfindig machen. Neben regelmäßigen Telefonaten kam es später zu einem Wiedersehen zwischen Maya und Naciso. Dabei lernte auch die Familie ihren Großvater kennen. Da seine Ehefrau davon nichts erfahren durfte, organisierte Helgas Mann Oskar das Treffen unter abenteuerlichen Umständen.

“Jede Sprache eröffnet einen neuen Blick auf eine Geschichte”, stellte Honorarkonsul Thomas Pichler im Verlauf seiner Ausführungen zu dem bald auch in Englisch und Portugiesisch erscheinenden Buch fest. Es zeige, wie tief die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts in das Leben von Einzelnen und Familien eingegriffen haben. Es verbinde Lebenswege zwischen Südtirol, Italien, Österreich und Argentinien, ohne negativ über die Entscheidungen früherer Generationen zu urteilen oder Schuld zuzuweisen.

In seinen Grußworten wies Siegfried Feurstein, Obmann der Bezirksstelle Feldkirch des Vereins der Südtiroler, auf dessen Beiträge zur Pflege einer lebendigen Verbindung zu Südtirol und zur Unterstützung von Landsleuten in Vorarlberg hin. Auf die zweisprachige Lesung stimmte auch Rosella Böhler, Präsidentin der Dante-Alighieri-Gesellschaft Vorarlberg, die zahlreichen Besucher:innen ein. Einen besonderen, auf die zweite Heimat von Naciso bezogenen Akzent steuerten Monika Golay und Dieter Wolf mit drei Tangodarbietungen bei.
Während Jürgen Piffer einige Passagen auf Deutsch vortrug, las Dozentin Renate Giordano die Texte auf Italienisch vor. Sie hat sich nach eigenen Angaben deswegen des Buches angenommen, weil sie “emotional involviert” ist. Durch das Lesen der Geschichte seien viele verdrängte Erinnerungen an Kindheit und Jugend im Kanaltal aufgekommen. AME








