Herbert Willi im Gespräch mit Mozart

Ballot, Schütz und das Klangkollektiv Wien eröffneten am Montag Dornbirn Klassik.
Dornbirn Mit einem bemerkenswerten Abend ist die Konzertreihe Dornbirn Klassik in die neue Saison 2026/27 gestartet. Am Montagabend gastierte das Klangkollektiv Wien unter seinem Chefdirigenten Rémy Ballot im Kulturhaus und rahmte drei Werke des Vorarlberger Komponisten Herbert Willi mit Mozart ein. In dieser Gegenüberstellung lag die Stärke des Konzerts: Orchester, Dirigent und der Flötist Karl-Heinz Schütz verbanden die unterschiedlichen musikalischen Welten mit großer Sorgfalt und spürbarer Spielfreude.
Schon die Ouvertüre zur „Zauberflöte” zeigte, wie dieses Orchester denkt. Das Klangkollektiv, 2018 mit Musikerinnen und Musikern aus den großen Wiener Orchestern gegründet, spielt Wiener Klassik mit hörbarer Hingabe. Ballot, der selbst jahrelang als Geiger im Staatsopernorchester und bei den Philharmonikern saß, ließ die drei feierlichen Akkorde breit atmen und das Fugato dann federnd und durchsichtig davoneilen. Kein Pomp, kein Effekt, nur Musik, die sich selbst genügt. Wunderbar.

Dann der erste Höhepunkt: Willis „…geraume Zeit…”, das Konzert für Flöte, Oboe und Orchester aus dem Zyklus „Montafon” (2002/03). Karl-Heinz Schütz, Soloflötist der Wiener Philharmoniker und einer der bekanntesten Flötisten seiner Generation, war schlicht großartig. Er wechselte zwischen großer Flöte, Piccolo und Altflöte, als wären es drei Stimmen einer einzigen Person: mal gleißend hell, mal dunkel und gesammelt, immer mit einem Ton, der selbst im leisesten Pianissimo trägt. Im Dialog mit der Oboe und dem Orchester entstanden Momente von seltener Innigkeit, in denen die Zeit tatsächlich stillzustehen schien. Willi versteht das Komponieren als Übertragung innerer Bilder. In Schütz fand er einen Interpreten, der diese Bilder zum Leuchten bringt.
Nach der Pause gehörte die Bühne den Streichern. „Liebesfest” (2018) aus Willis Orchesterwerk „Celebrate” zeigte den Komponisten von seiner zugewandtesten Seite, ein Stück voller Wärme, das die Streicher des Klangkollektivs mit sattem, aber nie schwerem Ton auskosteten. Ballot nahm sich Zeit für die langen Linien und ließ die Musik ohne jeden Kitsch aufblühen.
Der erfüllte Augenblick
Den eigentlichen Kern des Abends bildete „Kairos im Kronos 1756/1956″, 2005 als Streichtrio entstanden und 2021 für Streichorchester neu gefasst. Die Jahreszahlen im Titel sind die Geburtsjahre Mozarts und Willis, und die Geschichte dahinter klingt wie ein Filmstoff. Vor rund zwanzig Jahren, mitten im Endspurt an seinem Klarinettenkonzert für die Salzburger Festspiele, erhielt Willi ein versiegeltes Kuvert, „richtig mit Siegel, so wie man es aus Filmen kennt”. Der Absender, ein früherer Assistent Karajans, schickte Mozart-Fragmente und bat ihn, sie zu vollenden. Mozart, so hieß es, habe sie aus gesundheitlichen Gründen liegen lassen.
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Aus dieser rätselhaften Anfrage ist eine Begegnung über zwei Jahrhunderte hinweg geworden: der Kairos, der erfüllte Augenblick, mitten im unerbittlichen Fluss des Kronos, der messbaren Zeit. Ballot und seine Musiker spielten das mit atemberaubender Konzentration und ließen die beiden Komponisten ineinander übergehen, als läge zwischen ihnen kein einziger Tag.
Mit Mozarts „Haffner”-Sinfonie, ursprünglich als Serenade für die Salzburger Familie Haffner geschrieben, kehrte der Abend in strahlendes D-Dur zurück. Ballot dirigierte mit Schwung und Witz, das Finale wirbelte, ohne je zu hetzen, und das Klangkollektiv klang herrlich geschlossen. Ein glänzender Ausklang für einen Abend, der Mozart und Willi als Zeitgenossen im Geiste zeigte. Langer, herzlicher Applaus.