“Ich weiß nicht, ob ich einmal Kinder in diese Welt setzen möchte” – Klimastreik in Bregenz

Warum es lange Zeit ruhig war und in Vorarlberg jetzt wieder öfter auf das Klima aufmerksam gemacht werden soll.
Schwarzach “Bei diesen Zukunftsaussichten und den drohenden Krisen weiß ich nicht, ob ich einmal Kinder in diese Welt setzen möchte”, sagt Gloria Trotter (24). “Auch ich habe Zukunftsängste, wegen der wissenschaftlichen Lage und der gleichzeitigen Untätigkeit der Politik”, fügt Teresa Halbeisen (23) hinzu. Die beiden zählen zu den Hauptorganisatorinnen der Vorarlberger Regionalgruppe von “Fridays For Future”. Der Aktivismus hilft ihnen dabei, mit der Situation umzugehen. Deshalb beteiligen sie sich an der Planung des ersten Klimastreiks in Vorarlberg seit 2024, der am Freitag, dem 16. Oktober, in Bregenz stattfindet.

Wieder mehr Aktionen
Die längere Inaktivität von “Fridays For Future Vorarlberg” hing damit zusammen, dass die ehemaligen Hauptorganisatorinnen zum Studieren nach Wien zogen. Die neue Regionalgruppe im Land wurde vor rund einem Monat gebildet.
“Da alles noch frisch ist, waren wir zunächst gar nicht sicher, ob wir es schaffen, beim österreichweiten Klimastreik am Freitag etwas auf die Beine zu stellen”, erzählt Halbeisen aus Satteins. Doch die neue Regionalgruppe erhielt unter anderem von Parents For Future Vorarlberg Unterstützung.

Beim Klimastreik am Freitag sind am Kornmarktplatz in Bregenz von 16 bis 18 Uhr Redebeiträge, etwa von der Naturschutzanwältin Katharina Lins, geplant. Außerdem sollen Postkarten und Plakate mit Forderungen an die Politik gestaltet werden. Mit dem Streik soll es in Vorarlberg wieder häufiger Aktionen geben. “Vermutlich nicht jeden Freitag, aber jedenfalls öfter”, meint Trotter.

Wofür die Aktivistinnen kämpfen
Die Forderungen der Aktivistengruppe betreffen einerseits die Klimagerechtigkeit im Allgemeinen, aber speziell auch landesspezifische Themen wie den aktuellen Entwurf zur Naturschutznovelle in Vorarlberg. “Das Gesetz droht zum Beispiel, den Moorschutz zu schwächen. Moore speichern jedoch große Mengen an Kohlenstoff und sind deshalb wesentlich für den Klimaschutz”, schildert Trotter.
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Landeshauptmann Markus Wallner verspricht sich von der Novelle weniger Bürokratie und schnellere Verfahren. Zudem soll sie ein Signal an die Wirtschaft sein. “Es ist also eine Politik für die Wirtschaft, nicht für die Menschen”, kritisiert Halbeisen. Sie und Trotter sind beide auch bei der Initiative V-Natur aktiv, die im Rahmen der Novelle gegründet wurde und sich für mehr Naturschutz im Gesetz einsetzt.

Ein entscheidendes Thema für den Klimastreik sei auch der Hitzesommer dieses Jahres. Laut dem Klimawandeldienst des EU-Programms Copernicus war der August 2026 weltweit der wärmste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen. “Das hat man auch gesehen. Viele Felder waren braun, und die Bäume verloren sehr früh ihre Blätter”, verdeutlicht Halbeisen.
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Neben lokalen Anliegen, etwa Änderungen am Entwurf der Naturschutznovelle, richtet “Fridays For Future Vorarlberg” auch nationale Forderungen an die Politik: Zum Beispiel sollen wirkungsvolle Maßnahmen gesetzt werden, damit die Ziele des Europäischen Klimagesetzes erreicht werden können. Es sieht vor, die Treibhausgasemissionen bis 2040 um 90 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Bis 2050 soll die EU klimaneutral sein.

“Für mich ist es beängstigend, dass nicht stärker an der Erreichung der EU-Klimaziele gearbeitet und in Österreich über diesen vergangenen Hitzesommer jetzt schon geschwiegen wird”, sagt Trotter. Um die Dringlichkeit der Aktivistengruppe zu transportieren, steht der Klimastreik am Freitag unter dem Motto “Ohne Klimaschutz ist alles nichts”.