Natur- und Kulturerlebnis am Bodensee

“Pforte-Spaziergang” führte ans Harder Bodenseeufer und in die Kammgarn Kulturwerkstatt.
Hard Beim jüngsten und letzten “Pforte-Spaziergang” dieses Jahres trafen sich Kulturschaffende und -interessierte vor der “Kammgarn Kulturwerkstatt”, die Ausgangs- und Endpunkt war. Nach der Begrüßung durch “Pforte”-Gründer Klaus Christa spazierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem von Bäumen und Sträuchern vor dem Wind geschützten Platz nahe Wasserpolizeistation und “Hohentwiel”-Liegeplatz. Dort spielten Klaus Christa (Bratsche) und seine Frau Claudia (Flöte) erste Stücke, abwechselnd dazu trugen Gotthard und Wilma Bilgeri Gedichte von Joachim Ringelnatz vor. Weitere Stationen waren das Seeufer hinter dem Landesfischereizentrum und eine hölzerne Aussichtsplattform.

Nach der Rückkehr zur “Kammgarn” gab es zuerst Getränke und Snacks, dann spielte auf der Bühne das Ehepaar Christa, verstärkt durch Gitarrist Takeo Sato. Auf dem Programm standen das Duo für Flöte und Viola von Robert Fuchs op. 60, Ludwig van Beethovens Serenade op. 8, Maria Theresia von Paradies’”Sicilienne”, “Duniye Ay – Oh This World” von Aleksey Igudesman und das jüdische Traditional “Ir Shalom”.

Zwischen den Musikstücken trug das Ehepaar Bilgeri Gedichte von Joachim Ringelnatz vor und berichtete über das abwechslungs- und erlebnisreiche Leben des als Hans Bötticher in Sachsen geborenen und aufgewachsenen Menschenfreundes. Der aus einem liberalen und kunstinteressierten Elternhaus stammende Dichter entwendete in jungen Jahren nach und nach den gesamten Weihnachtsschmuck der Familie, um ihn an samoanische Tänzerinnen zu verschenken. Die lernte er bei seinen Besuchen der “Völkerschau” im Leipziger Zoo kennen, wo Menschen aus verschiedenen Völkern und Kulturen als Attraktionen ausgestellt waren.

Weil der von seinen Mitschülern wegen seines Aussehens gemobbte und auch bei den Lehrern unbeliebte Vierzehnjährige im königlichen Gymnasium die im Gegenzug zu den Geschenken erhaltenen Tätowierungen am Unterarm stolz herzeigte, wurde der “Schulrüpel ersten Ranges” der Schule verwiesen und beendete seine Ausbildung an einer Privatschule. Danach bereiste er als Schiffsjunge und Matrose die sieben Weltmeere, war in der Folge als Lehrling bei einem Kaufmann und in einer Dachpappenfabrik, als Schaufensterdekorateur, Hausmeister in einer englischen Pension und in der Buchhaltung eines Münchner Reisebüros tätig.
Ringelnatz lernte als 25-Jähriger das Künstlerlokal “Simplicissimus” in München kennen, wo seine literarische Laufbahn schnell Fahrt aufnahm. Weil er zwar unpolitisch, aber ein Freigeist war, verfolgten ihn die Nazis, er starb früh und verarmt an Tuberkulose. Bei der Beisetzung wurde sein Lieblingslied “La Paloma” gespielt. Genau dieses brachten die Christas und Takeo Sato als berührende Zugabe.










