Drohender Mangel: In Feldkirch bald nur die Hälfte der Augenarzt-Kassenstellen besetzt

Während die Versorgung in Bludenz sehr gut ist, könnte Feldkirch bald massiv unterversorgt sein.
Schwarzach Bald sollen vier Augenarzt-Kassenstellen in Vorarlberg unbesetzt sein. Besonders betroffen ist der Bezirk Feldkirch. Ein Selbstversuch der Redaktion zeigt, dass auch viele Ordinationen im Unterland stark ausgelastet sind.
Unbesetzte Kassenstellen
Die Kassenstelle von Thurnher in Rankweil ist aufgrund fehlender Nachfolge seit sechs Jahren unbesetzt. Vor einem halben Jahr legte auch Markus Thaler in Feldkirch seinen Kassenvertrag zurück: “Ich möchte keine Massenabfertigung machen.” Er berichtet von überfüllten Wartezimmern und hohem Druck. Der Bezirk sei “massiv unterversorgt”. Die Verantwortung dafür lasse sich jedoch nicht einfach der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) zuschieben. Auch andere Punkte wie die demografische Entwicklung und die Fortschritte in der Diagnostik würden sich auswirken.
Von der ÖGK heißt es, dass die Versorgung durch zwei erweiterte Job-Sharing-Modelle in den Bezirken Dornbirn und Bludenz sichergestellt werde. Bei einem Job-Sharing-Modell kann eine besetzte Kassenstelle auf bis zu 190 Prozent erweitert werden, wenn in der Umgebung eine Kassenstelle offen ist. Das heißt, in Dornbirn und Bludenz sind die Planstellen aktuell überbesetzt. Landesweit bleiben aber dennoch 0,75 Stellen offen. Insgesamt besteht damit weiterhin eine Unterversorgung.
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Zukunftsaussichten
Im Jänner soll im Bezirk Feldkirch eine dritte Kassenstelle frei werden. “Vanessa Guggenberger wird dann ebenfalls als Wahlärztin tätig sein”, schildert Martin Tschann, Augenarzt in einer Bludenzer Ordinationsgemeinschaft sowie Fachgruppenobmann für Augenheilkunde und Optometrie in Vorarlberg. Insgesamt gibt es im Bezirk Feldkirch sechs Kassenstellen für Augenmedizin. Die Hälfte wäre damit offen.

“Darüber hinaus wird Korel Oral in Dornbirn seinen Kassenvertrag krankheitsbedingt am Ende des Jahres zurücklegen, sodass die Versorgungssituation dort ebenfalls schwierig wird.” Sollte bis dahin niemand eine offene Kassenstelle übernehmen, wären in Vorarlberg vier von insgesamt 22,5 Stellen unbesetzt.
Ungleichgewicht
Bei einem Selbstversuch der Redaktion wurde bei zehn Kassen-Augenärzten in Bregenz, Dornbirn und Lustenau wegen wiederkehrender Beschwerden nach einem Termin gefragt. Nur eine Ordination nahm Neupatienten auf. Bei den übrigen galt ein Aufnahmestopp auf unbestimmte Zeit. Einige wenige hätten nur akute Fälle mit einer Überweisung vom Hausarzt aufgenommen.
In Bludenz zeigte der Selbstversuch das Gegenteil: Als Neupatient hätte man in der Ordinationsgemeinschaft von Stefan Mestel, Johanna Weifner, Veronika Sinner und Martin Tschann innerhalb von drei Tagen einen Termin erhalten. “Für eine Kontrolle müsste man länger warten, aber mit Beschwerden bekommt man für gewöhnlich schnell einen Termin”, meint Tschann.

Einerseits ist Bludenz durch das erweiterte Job-Sharing-Modell aktuell überbesetzt. Andererseits verfügt der Bezirk mit rund 66.000 Einwohnern über vier Kassenstellen, während es in Bregenz mit fast 140.000 Einwohnern lediglich sechs Stellen sind. Damit ist in Bludenz die Dichte an Kassen-Augenärzten pro Einwohner deutlich höher.
Die ÖGK und das Land unterteilen Vorarlberg bei der Versorgungsplanung allerdings in zwei Regionen: Rheintal-Bregenzerwald und Vorarlberg Süd. Gemessen an der Einwohnerzahl liegt die Versorgungsdichte in Vorarlberg Süd um 0,5 Planstellen höher. Aufgrund der unbesetzten Stellen ist jedoch die Region Rheintal-Bregenzerwald aktuell dichter versorgt.
Grundsätzlich gibt es keinen Gebietsschutz. “Bei Notfällen würden wir auch Patienten aus anderen Bezirken aufnehmen”, sagt Tschann.
