Vorarlberger Bergsteigerlegende im Katastrophengebiet: „Diese Zerstörung macht mich traurig“

Nach der verheerenden Flut in Nepal stehen Tausende Menschen vor dem Nichts. Theo Fritsche ist vor Ort und will den Betroffenen langfristig helfen.
Kathmandu, Nenzing Theo Fritsche (76) verbindet viel mit Nepal. Der Nüziger hat im Himalaya die höchsten Gipfel der Welt bestiegen. Für großes Aufsehen in der Bergsteigerszene sorgte er im Mai 2001, als er den berüchtigten „Second Step“ auf der Nordseite des Mount Everest „free solo“, also im Alleingang, ohne Sicherung und ohne künstlichen Sauerstoff, bewältigte. Doch nicht nur die Berge ziehen den Vorarlberger Extrembergsteiger immer wieder nach Nepal. „Ich bin seit fast 40 Jahren in Nepal unterwegs. Zunächst in den Bergen, vor über 30 Jahren habe ich klein mit Hilfsprojekten angefangen“, erzählt Fritsche. Vor wenigen Tagen ist der 76-Jährige erneut in Nepals Hauptstadt Kathmandu gelandet. Doch dieses Mal ist vieles anders.



Am 26. August hat eine gewaltige Sturzflut aus Wasser, Schlamm und Geröll alles mitgerissen, was sich ihr in den Weg stellte. Mindestens 1500 Menschen kamen ums Leben, Tausende werden noch immer vermisst. Viele Kinder haben ihre Eltern oder enge Familienangehörige verloren. Theo Fritsche wird voraussichtlich einen Monat in dem Himalaya-Staat unterwegs sein. Am Mittwoch erreichte er gemeinsam mit seinem Team nach rund neuneinhalb Stunden Fahrt Dhunche im oberen Teil des Katastrophengebiets.


„Auf dem Weg hierher haben wir zwei fast vollständig zerstörte Dörfer besucht und mit betroffenen Menschen gesprochen. Es ist für mich fast unvorstellbar, dass überhaupt Menschen überlebt haben“, schildert er. Fritsche war in den vergangenen Jahren im Rahmen der von ihm organisierten Trekkingtouren regelmäßig in der Region unterwegs, zuletzt vor knapp einem Jahr. „Beim Anblick der totalen Zerstörung im Touristendorf Syabrubesi wurde ich einfach nur demütig und traurig. In den letzten fast vierzig Jahren in Nepal habe ich sehr viel Schönes, Wunderbares und Angenehmes erlebt, diese Flutkatastrophe macht mich besonders betroffen“, sagt der Bergsteiger.



Für das arme Land bedeutet die Flutkatastrophe wie schon das schwere Erdbeben von 2015 einen weiteren schweren Schlag. Nun sei die Lage aber eine völlig andere, erklärt Theo Fritsche. „Alle Überlebenden, deren Häuser zerstört wurden, dürfen nicht mehr am gleichen Platz bauen. Die Regierung hat es ausdrücklich verboten. Sie haben kein Grundstück mehr. Wie soll es weitergehen?“






Theo Fritsche möchte für die Menschen in der Katastrophenregion auch längerfristig Hilfe organisieren. Unter anderem sollen bei verschiedenen abgelegenen Häusern, die vor der Katastrophe mit dem Strom aus Kleinkraftwerken versorgt wurden, Photovoltaikpaneele, Batterien und Lichtquellen installiert werden. Viele ehemalige Bewohner leben derzeit bei Verwandten, in internationalen Camps oder in Kathmandu. „Teilweise versuchen die Betroffenen aus Verzweiflung noch etwas Brauchbares aus ihren zerstörten Häusern auszugraben“, schildert Theo Fritsche.
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