Marc Girardelli

Kommentar

Marc Girardelli

Aufbruch am Rettenbachferner

Sport / 19.10.2026 • 12:38 Uhr

Nach einem heißen und turbulenten Sommer steht schon wieder Sölden vor der Tür. Am kommenden Wochenende startet der alpine Skiweltcup in eine neue Saison. Und selten zuvor waren die Herausforderungen abseits der Rennpisten so groß wie heute.

Ein neuer FIS-Präsident soll neue Visionen entwickeln. Doch bevor er große Zukunftspläne schmieden kann, muss er erst einmal die Altlasten bewältigen. Und davon gibt es reichlich. Der FIS fehlen Millionen, und mit Markus Waldner hat ausgerechnet einer der fähigsten Männer des alpinen Weltcups seinen Rückzug angetreten. Der internationale Skiverband steht mit dem Rücken zur Wand. Vielleicht braucht es aber genau diesen Druck, um endlich jene Reformen anzupacken, vor denen man jahrzehntelang zurückgeschreckt ist. Mit kleinen kosmetischen Korrekturen wird es diesmal nicht getan sein.

Aus sportlicher Sicht hätte ich mir vor allem eines gewünscht: eine ruhige Vorbereitung ohne Verletzungsdramen, damit die besten Athletinnen und Athleten beim Saisonauftakt am Start stehen können. Doch dieser Wunsch ist leider wieder einmal nicht in Erfüllung gegangen. Sofia Goggia kämpft mit gesundheitlichen Problemen, Federica Brignone ist nach wie vor körperlich angeschlagen, und nun hat es auch Aleksander Aamodt Kilde erwischt. Gerade ihn hätte ich nach seiner langen Leidenszeit nur allzu gerne wieder auf den Abfahrtsstrecken gesehen.

Umso erfreulicher ist die Situation im österreichischen Lager. Der Verletzungsteufel scheint diesmal einen Bogen um unsere Mannschaft gemacht zu haben. Die stärksten Kräfte stehen bereit, und das lässt für Sölden einiges erwarten.

Bei den Damen haben wir mit Julia Scheib eine echte Galionsfigur am Start. Die Vorjahressiegerin hat längst bewiesen, dass sie zur absoluten Weltspitze gehört. Ich bin überzeugt, dass ihre Leistungen auch innerhalb der Mannschaft für zusätzlichen Schwung gesorgt haben. Vielleicht gelingt es dadurch auch Stefanie Brunner und Ricarda Haaser, wieder an ihre früheren Bestleistungen anzuknüpfen. Und nicht zu vergessen, aus dem Ländle vertritt uns erfreulicherweise die junge Bregenzerwälderin Viktoria Olivier.

Noch vielversprechender präsentiert sich für mich die Ausgangslage bei den Herren. Hier darf man von einem Podestplatz träumen – vielleicht sogar von einem österreichischen Sieg.

Marco Schwarz konzentriert sich heuer auf den Riesenslalom und die Speeddisziplinen. Diese Schwerpunktsetzung könnte ihm gerade im Riesentorlauf den entscheidenden zusätzlichen Schub verleihen. Schon im Vorjahr zeigte er mit Platz zwei in Sölden, dass ihm der Rettenbachferner ausgezeichnet liegt.

Fast auf Augenhöhe sehe ich Stefan Brennsteiner. Nach seiner fabelhaften vergangenen Saison wird er mit breiter Brust und ordentlich Selbstvertrauen ins Rennen gehen. Wer Brennsteiner kennt, weiß, dass er sich mit dem Erreichten nicht zufriedengibt. Und dann wäre da noch unser Weltmeister Raphael Haaser, der dieses starke Trio komplettiert und jederzeit für eine Überraschung gut ist.

Auch aus Vorarlberger Sicht gibt es Grund zur Vorfreude. Mit Patrick und Lukas Feurstein sowie dem wiedererstarkten Noel Zwischenbrugger stehen gleich drei Athleten aus dem Ländle am Start. Eine erfreuliche Bilanz, die zeigt, dass sich auch unser Nachwuchs im internationalen Spitzenfeld behaupten kann.

Mit dieser österreichischen Phalanx sollte in Sölden jedenfalls einiges möglich sein. Die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Saisonauftakt sind vorhanden. Jetzt müssen unsere Athleten ihre PS nur noch auf den Schnee bringen.