Streiflicht: Von wegen dumme Kuh

Er stieß die Tür ins Schloss und stieg laut die Treppe hinab. Nichts wie raus ins Freie! Gierig saugte er die kalte Luft ein und schritt weit aus, einer weidenden Kuh entgegen, bis das Tagungszentrum außer Sicht war. Wo waren seine guten Vorsätze geblieben? Auch andere Meinungen ertragen, und so … Doch ein Vortragender und seine jubelnden Jünger gingen ihm zu weit. Da nahm er Reißaus.
Sie hatten über den Krieg im Osten gesprochen und die Angst der Menschen westwärts, auch darin verwickelt zu werden. Das Völkerrecht und die Not der Opfer in den Kriegsgebieten wichen jener Angst, die Schneisen in den Mut frisst: Alles ist entschuldbar, solange es nicht bei uns geschieht. “Heiliger Sankt Florian, schütz unser Haus, zünd’ andere an!” Was als Lüftlmalerei Bauernhäuser im Allgäu ziert, wird Lebensmaxime.
Er kickte einen Stein weg. Die Kuh hob den Kopf. Dann riss sie seelenruhig wieder Klee vom Boden. So viel war sicher: Sie plagten keine moralischen Bedenken. Können Kühe lügen? Hassen? Feige sein, intolerant? Streiten sie abends im Stall über Tagespolitik? Nein. Von wegen dumme Kuh.