Wo Gedichte Wurzeln schlagen

Maria Erika Lyrikweg in Andelsbuch: ein rezeptfreies Mittel zum “Herunterkommen”.
Andelsbuch Ein Spaziergang durch den Wald, ein Gedicht am Wegesrand – und plötzlich ist da ein Gedanke, der bleibt. Der Maria Erika Lyrikweg in Andelsbuch lädt dazu ein, Literatur abseits von Büchern zu entdecken. Die dauerhaft installierten Gedichte verschiedener Autorinnen und Autoren sind in glasierte Tontafeln geprägt. Diese schmiegen sich scheinbar an die mächtigen, vom Wasser geformten Steine der Bregenzer Ache. Ein Zusammenspiel, das neugierig macht und zum Verweilen einlädt.
Idee mit persönlicher Geschichte
Hinter dem Lyrikweg steht Doris Franz. Ihre Eltern schenkten ihr das Waldgrundstück – einen Ort, der für sie weit mehr bedeutet als ein Stück Natur. Er erinnert sie an die Werte, die ihre Eltern ihr und ihren Brüdern vermittelt haben. Aus dieser Verbundenheit entstand die Idee, den Wald mit Literatur zu beleben und Poesie für alle zugänglich zu machen.
Gemeinsam mit dem Bildhauer Udo Rabensteiner entwickelte Franz 2020 das Konzept und arbeitete an der Umsetzung. Die keramische Gestaltung übernahm der Keramikkünstler Mario Meusburger. Die hängenden Filztafeln wurden im Druckwerk in Lustenau bedruckt. Am 26. September 2021 wurde der Lyrikweg feierlich eröffnet. Gewidmet hat Doris Franz den Weg ihrer Mutter, die ihr schon als kleines Mädchen Lieder und Gedichte nahebrachte und damit ihre Liebe zum dichterischen Wort weckte.
Ein Ort zum Innehalten
Wie wohltuend die Atmosphäre ist, beschreibt Anina, Lehrerin am BG Egg: “Auf dem schön gestalteten Weg kann ich sehr gut zu einer inneren Ruhe finden.” Zwischen Bäumen, Flusssteinen und Gedichttafeln entsteht Raum für Gedanken und neue Perspektiven.
Doris Franz geht den Weg jede Woche selbst ab, um nach dem Rechten zu sehen und ihn in Schuss zu halten. Dabei entdeckt auch sie die Texte immer wieder neu. “Auch nach vielen Jahren bringen mich die Gedichte immer wieder auf neue Gedanken und Sichtweisen”, erzählt sie.

Michael Krüger bis Mai 2027, danach Raoul Schrott
Neben den dauerhaft installierten Gedichten sorgen wechselnde Texte für neue Impulse. Derzeit sind Gedichte von Michael Krüger auf hängenden Filztafeln zu lesen. Ab dem Muttertag werden sie von Texten des österreichischen Schriftstellers und Lyrikers Raoul Schrott abgelöst.
Einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des Weges leisteten die Schülerinnen und Schüler der Polytechnischen Schule Bezau. Sie besserten den Weg aus und errichteten eine Stiege aus imprägniertem Holz samt Geländer. Mit ihrem handwerklichen Einsatz trugen sie dazu bei, dass der Lyrikweg weiterhin gut begehbar bleibt.

Der Maria Erika Lyrikweg zeigt, wie aus einer persönlichen Idee ein Ort für viele werden kann. Er verbindet Kunst und Natur, schafft Raum für Begegnungen und lädt dazu ein, den Alltag für einen Moment hinter sich zu lassen. Vielleicht ist es genau das, was diesen Weg so besonders macht: Man geht ihn entlang und kehrt mit neuen Sichtweisen zurück.







