“Anders hätte es keinen Sinn mehr gehabt”: Bregenzer Getränkehändler stellt sich neu auf   

VN / 22.10.2026 • 14:04 Uhr
"Anders hätte es keinen Sinn mehr gehabt": Bregenzer Getränkehändler stellt sich neu auf   
Nächstes Jahr wird in der Brandgasse in Bregenz vieles anders.VN/Paulitsch

Im Dezember werden Getränke und Equipment abverkauft. Der Wein spielt weiterhin eine Rolle.

Bregenz Angefangen hat alles 1882 mit Milch. Die Firma Andres Getränke selbst gibt es laut Familienchronik seit 1927. Damals kam die Produktion von Sodawasser hinzu. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die ersten Limonaden in Flaschen abgefüllt.

"Anders hätte es keinen Sinn mehr gehabt": Bregenzer Getränkehändler stellt sich neu auf   
Michael Andres verabschiedet sich Ende des Jahres vom klassischen Getränkehandel.

Die traditionellen Soda-Siphonflaschen aus Glas werden nach wie vor befüllt – aber nicht mehr lange. Michael Andres (48) stellt den Betrieb in der Brandgasse in Bregenz neu auf. Ende des Jahres schließt er den klassischen Getränkehandel für Groß- und Privatkunden. Auch den Shop und den Festservice wird es dann nicht mehr geben. „Ich sperre aber nicht ganz zu“, merkt er an. Der 48-Jährige möchte sich künftig auf den Weinverkauf und die Weinberatung konzentrieren. Ideen für weitere Projekte, bei denen der historische Weinkeller eine Rolle spielen könnte, hat er bereits. Parallel dazu ist er auf der Suche nach einem neuen Job im Sozialbereich.

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Auch Soda wird bei Andres Getränke ab 2027 nicht mehr abgefüllt.
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Ravilla- und Andres-Limonade: Die Abfüllung von Limonade in Flaschen wurde vor rund 30 Jahren eingestellt. Limonade im Container füllte Andres bis vor zwei Jahren noch ab.

Die Entscheidung zur Umstrukturierung sei im August gefallen, nach einem Termin mit dem Steuerberater, erzählt er. „Die Spannen werden aufgrund der großen Konkurrenz immer geringer, die Auflagen und Vorschriften haben zugenommen, und die Nebenkosten sind in den letzten zwei, drei Jahren massiv gestiegen. Das hat die kleine Spanne, die es noch gab, aufgefressen“, schildert Michael Andres. Zu den 25-Prozent-Aktionen im Einzelhandel, die ihm vor allem im Privatkundengeschäft zu schaffen gemacht hätten, kamen mehrere Konkurse in der Gastronomie und für Andres nicht nachvollziehbare Kosten hinzu. „Einmal im Jahr müssen wir eine große Wasserprüfung machen. Die kostet mehr, als ich mit dem Wasser im Jahr verdiene. Dabei ist es Bregenzer Stadtwasser, das ohnehin permanent geprüft wird“, nennt er ein Beispiel.

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Der Wein bleibt im Sortiment. Der Shop wird geschlossen.
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Der Natursteinkeller wurde während des Zweiten Weltkriegs als Schutzraum genutzt. Zuvor kühlte das Gasthaus Bavaria dort sein Bier. Michael Andres hat bereits Ideen, wie der historische Keller künftig genutzt werden könnte.

Michael Andres (48) führt das Familienunternehmen seit 2009 in fünfter Generation. Sein Einstieg war eher spontan. Der gebürtige Bregenzer hat eigentlich Erziehungswissenschaften studiert. „Als ich gerade die Diplomarbeit fertiggeschrieben hatte, hat mein Vater gesagt: ,Ich sperre in einem halben Jahr zu. Du kannst übernehmen oder nicht‘“, erinnert er sich. Andres wollte es probieren. Aus dem Versuch wurden fast 20 Jahre. Seit der Corona-Pandemie habe sich der Markt aber nicht mehr so erholt, dass der Betrieb dauerhaft schwarze Zahlen schreiben konnte.

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Nach Jahrzehnten im Getränkehandel zieht Michael Andres einen Schlussstrich und stellt den Betrieb neu auf.
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Ein Bild aus den Anfängen von Andres Getränke.

Derzeit sind noch drei Mitarbeiter in Teilzeit beschäftigt, einer von ihnen geht mit Jahresende in Pension. Im Dezember ist ein Abverkauf des Equipments und der Getränkebestände geplant. Der Wein bleibt im Sortiment. Die Umstrukturierung sei notwendig gewesen, sagt der 48-Jährige. „Wenn man mit etwas aufhört, ist es immer schwierig. Seit die Entscheidung gefallen ist, bin ich aber eigentlich froh, weil es anders einfach keinen Sinn mehr gehabt hätte.”

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Im Dezember werden der Lagerbestand und das Equipment abverkauft.