Gaslicht – Ein Spiel mit der Wahrheit

Der Spielkreis Götzis bringt Patrick Hamiltons psychologischen Theaterthriller auf die Bühne.
Götzis Nicht jedes Licht bringt Klarheit, manches wirft erst die Schatten. Mit Patrick Hamiltons „Gaslicht“ bringt der Spielkreis Götzis im Jahr nach seinem 60-jährigen Bestehen einen Theater-Thriller auf die Kulturbühne Ambach, der einem heute weltweit geläufigen Begriff den Namen gab. Der Klassiker über Macht, Täuschung und Manipulation hat nichts von seiner Aktualität verloren.

London, 1880. In einem düsteren Haus in Pimlico lebt Bella Manningham mit ihrem Mann Jack, und mit jedem Tag wird ihr unheimlicher zumute. Ein Bild verschwindet von der Wand, Dinge liegen an falschen Orten, und abends, wenn Jack fort ist, sinkt die Flamme der Gaslampen, als atme jemand im Gemäuer. Jack hat eine Erklärung parat: Bella werde krank, wie einst ihre Mutter, die in der Anstalt endete. Was Hamilton 1938 als Kriminalstück auf die Bühne brachte, ist weit mehr als ein viktorianischer Schauerreißer. „Gaslicht“ seziert mit klinischer Genauigkeit, wie ein Mensch einem anderen die Wirklichkeit entzieht. Dafür braucht es nur ein Wohnzimmer, eine Handvoll Figuren und eine Lampe. Jack beschuldigt, beschwichtigt, demütigt, ist zärtlich und droht im nächsten Atemzug. Bellas Zweifel an sich selbst ist sein eigentliches Werkzeug. Erst als ein pensionierter Inspektor namens Rough auftaucht, der einem alten Mordfall in diesem Haus nachspürt, bekommt die Wahrheit einen Verbündeten und das flackernde Licht eine irdische Ursache.

Hamilton (1904–1962), ein brillanter, vom Alkohol gezeichneter Chronist der Londoner Kneipen und Pensionen, hatte schon mit „Rope“ Erfolg gehabt, den Hitchcock als „Cocktail für eine Leiche“ verfilmte. „Gaslicht“ übertraf ihn: Am Broadway lief das Stück als „Angel Street“ ab 1941 über drei Jahre. 1944 folgte George Cukors Hollywood-Fassung mit Ingrid Bergman, Charles Boyer und der jungen Angela Lansbury, hierzulande bekannt als „Das Haus der Lady Alquist“. Bergman erhielt dafür den Oscar. Unsterblich aber machte das Stück die Sprache. Aus dem Titel wurde „Gaslighting“, die gezielte Manipulation eines Menschen, bis er an der eigenen Wahrnehmung zweifelt – ein Begriff, der längst auch zum politischen Schlagwort geworden ist. 2022 kürte ihn Merriam-Webster zum Wort des Jahres. Dass ein Krimi der Zwischenkriegszeit einem Phänomen den Namen gab, über das heute in Therapiepraxen und Talkshows gesprochen wird, spricht für Hamiltons Gespür. Auf der Bühne bleibt „Gaslicht“ ein Lehrstück in Spannung und in Misstrauen gegenüber jenen, die uns erklären, wir sähen nicht, was wir sehen.
Ein Kreis schließt sich
Für den Spielkreis Götzis ist die Produktion auch eine Rückkehr: „Gaslicht“ war vor genau 30 Jahren die erste Regiearbeit von Hartmut Hofer. Schon damals gehörte Gerhard Zuggal zum Ensemble, heute steht er erneut in einer der Hauptrollen auf der Bühne. Neben ihm spielen Heide Heimböck, Anna Hölzl, Clemens Joschika, Sigrid Marte, Alexander Rapaic und Manfred König, die Regieassistenz liegt bei Lisa Schöpf.
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Premiere ist am Freitag, 30. Oktober 2026, um 20 Uhr im Vereinshaus-Saal der Kulturbühne Ambach. Weitere Vorstellungen folgen am 7., 11. und 13. November um 20 Uhr sowie an den Sonntagen, 8. und 15. November, jeweils um 18 Uhr.