Die „Architektin des Jahres“ kommt aus Vorarlberg

Mit dem internationalen Preis werden herausragende Leistungen von Frauen in Architektur und Ingenieurwesen gewürdigt.
Wien, Bezau, Egg Von Vorarlberg auf die internationale Bühne: Anja Innauer (46) aus Bezau ist Architektin des Jahres. Die Mitinhaberin von NONA Architektinnen wurde vor wenigen Tagen mit dem anotHERVIEWture-Award 2026 in der Kategorie „Female Architect of the Year 2026“ ausgezeichnet. Auch die Nachwuchsarchitektin des Jahres kommt aus Vorarlberg.

Mit dem Preis, der alle zwei Jahre vergeben wird, würdigt die Bundeskammer der Ziviltechniker:innen (BKZT) herausragende Leistungen von Frauen in Architektur und Ingenieurwesen. 2026 fand die Verleihung zum dritten Mal statt. Laut Veranstalter nahmen 126 Architektinnen und Ingenieurinnen aus 24 Ländern mit mehr als 300 Projekten teil.


Anja Innauer wurde für das Badehaus des Hotels Hirschen in Schwarzenberg, die neue Bürowelt der Wolfurter Firma Haberkorn in einer bestehenden Lagerhalle und die Sanierung des Bürgerhauses in Dornbirn, das sie gemeinsam mit Chiara Friedl realisiert hat, ausgezeichnet. Anja Innauer überzeugte die Jury „mit einer Architektur, die sensibel auf Ort, Bestand und gesellschaftliche Bedürfnisse reagiert“. Die drei eingereichten Projekte zeigten eindrucksvoll, „wie durch präzises Weiterbauen, sorgfältige Transformation und einen selbstverständlichen Umgang mit dem Vorhandenen neue Qualitäten entstehen können“. In der Begründung besonders hervorgehoben wird die gestalterische Haltung der Bregenzerwälder Architektin: Sie suche nicht die große Geste, sondern entwickele „ihre Stärke aus dem genauen Blick auf den jeweiligen Kontext, aus Materialität, Atmosphäre und der Frage, wie Räume langfristig gut funktionieren können“.

Der BKZT zufolge sind derzeit nur rund 15 Prozent der rund 8000 Ziviltechniker mit aufrechter Befugnis Frauen. Im Bereich der Architektur beträgt der Anteil 22 Prozent, bei den Zivilingenieuren fünf Prozent. Mit dem anotHERVIEWture-Award möchte die Kammer die Arbeit von Frauen sichtbarer machen, Gleichstellung in der Baukultur fördern und Vorbilder für die Zukunft schaffen. „Es braucht Vorzeigeprojekte und sichtbare Ideen, um zu veranschaulichen, was mit vorhandenen Strukturen alles möglich ist“, sagt Anja Innauer.


Ausgezeichnet wurde auch die Arbeit einer weiteren Vorarlbergerin: Nina Beck aus Egg erhielt den anotHERVIEWture-Award in der Kategorie Nachwuchsarchitektin (“Emerging Female Architect of the Year”). Die Jury lobt: „Die von ihr gestaltete Architektur lebt von Sensibilität, Kollaboration und Wertschätzung. Nina Beck zeigt wie mit Mut, Neugier und aktiver Vermittlung, konventionelle Herangehensweisen infrage gestellt und Architektur als identitätsstiftender und ressourcenschonender Prozess mit Mehrwert für alle verstanden werden kann.“
