Eine Portion Süden im alten Fass

Das “Tutto Bene” in Bregenz ist ein Ristorante mit viel Geschichte.
Bregenz Alfredo lässt den Pizzateig fliegen. Der Mann aus der Nähe von Rom versteht sein Handwerk, während Kellner Milo einer Schülerinnengruppe ihre Bestellung serviert, die Schülerpizza für die Jugend aus der Umgebung.


Seit März führen Franc Dumitraskovic als Gesellschafter und Geschäftsführer Attila Bogdan das “Tutto Bene” in der Kirchstraße. Das frühere “Heidelberger Fass”, längst ein italienisches Restaurant, erhält neuen Schwung. Auf den Tisch kommt deutlich mehr als Pizza: Vitello tonnato mit Salbei, Parmesan und Rucola etwa oder Artischocken mit gegrillten Garnelen, Cherrytomaten und Knoblauch. Die Mittagskarte wich wechselnden Tagesempfehlungen.
Mediterrane Küche in einem Haus mit Bregenzer Wurzeln, beides hat hier seinen Platz. Stammgast Walter “Schnipsi” Schneider erinnert sich noch an Gautschfeiern im Heidelberger Fass. Die “Taufe” der Buchdrucker im nahe gelegenen Brunnen unweit der Russ-Druckerei wurde einst hier weitergeführt. Das heutige Tutto Bene nennt er sein “zweites Wohnzimmer”.

Ein Fisch mit Gewicht
Fisch spielt eine wichtige Rolle, gelegentlich eine ausgesprochen gewichtige: Im Juli wurde ein rund 40 Kilogramm schwerer Gelbflossen-Thunfisch zum Mittelpunkt eines Menüabends. Franc selbst heißt seither mit Spitznamen “der große Thunfisch”. Seit über 30 Jahren arbeitet Franc in der Gastronomie. Auf die Lehrzeit bei Mandy Strasser folgten fünf Jahre in Wien, vom Kaffeehaus bis zur Jazzbar, dann Stationen in Vorarlberg und der Schweiz. Seine Frau, zwei Kinder und zwei Enkel nennt er “meine größte Kraft”.

Die war beim Neustart gefragt. Nach dem Konkurs des Vorgängerbetriebs wurde intensiv entrümpelt und renoviert. Zum Start ging der Pizzaofen kaputt, eine neue Lüftung war ebenfalls nötig. Zeitgleich mit der Übernahme begannen die Leitungsarbeiten in der Kirchstraße, die sich bis Ende Juli zogen. Mitunter standen Mittagsgäste wegen des Lärms auf und gingen. Das tat weh. Franc bleibt dabei: “Ich bin Vollblutgastronom und liebe das Dienen und Bedienen.” Attila kam 2013 aus Ungarn, begann in der Küche der Pfänderdohle und wechselte in die Schank. Später arbeitete er im Wirtshaus am See und im Vorgängerbetrieb des Tutto Bene. Küche und Service sind ihm gleichermaßen vertraut.


Folgenreicher Polterabend
Im Lokal verbinden die beiden Neues mit Vertrautem. Cremefarbene Stuhlhussen hellen die Räume auf, im Gastgarten grüßt ein Olivenbaum. Im Zimmer “Brigantium” zeigen Bilder das alte Bregenz, im Olivenzimmer erinnert ein Fass an den früheren Namen des Hauses. Eine gerahmte Rechnung erzählt von einem etwas temperamentvollen Polterabend von Erich und Christine Vögel im Jänner 1967. Neben 22 Speisen wurden 13 Biergläser, drei Aschenbecher, ein Fenster und ein Stuhl verrechnet. Franc hat die Geschichte fasziniert, er steht mit Christine Vögel deswegen in Kontakt. “Der Originalstuhl kommt zurück”, verspricht er.


Ein gutes Miteinander mit den Nachbarn ist Franc besonders wichtig. Für 2027 möchte der Wirt eine Idee für die Kirchstraße wieder aufgreifen: Musik, italienische Winzer und eine kulinarische Spezialität sollen Menschen zusammenbringen. Auch die Nachbarschaft soll sich hier zu Hause fühlen. Rettungskräfte bekommen Sonderkonditionen, Vereine sind willkommen. Für Weihnachtsfeiern stehen die Türen ebenfalls offen. Polterabende dürfen ebenfalls wieder stattfinden. Der historische Stuhl hätte dazu vermutlich einiges zu erzählen. AFP


