Hangrutsch in Hörbranz: Einen schmerzhaften Anblick durch Blumen lindern

Der Familienbauernhof von Veronika und Angelika Matt wurde vor drei Jahren zerstört – so geht es den beiden heute.
Hörbranz Wenn man die Hochreute in Hörbranz bis zum Hangrutschgebiet hochfährt, sieht man nicht nur viel lehmbraunen Boden: An mehreren Stellen stechen einem Meere aus bunten Blumen ins Auge. „Ich gehe jeden Tag hinauf und pflanze etwas, weil ich ansonsten den schlimmen Anblick nicht ertragen kann“, sagt Veronika Matt. Die 57-jährige Hörbranzerin ist auf dem Bauernhof aufgewachsen, der im April 2023 dem Hangrutsch zum Opfer fiel.



Lebendig gestalten
Matt verbrachte ihre ersten 22 Lebensjahre auf dem Bauernhof. Kurz vor dem Hangrutsch wohnten dort nur noch ihre Familienmitglieder. Als Floristin hatte sie allerdings noch einen Arbeitsraum in ihrem Ursprungszuhause. Seit dem Schicksalsschlag muss sie sich dafür einen Raum anmieten.


„Vor dem Hangrutsch war es so schön am Bauernhof“, sagt sie. „Jetzt heilt es meine Seele, wenn ich es dort oben wieder blumig und lebendig gestalte.“ Sie pflanzt ständig neue Blumen und ergänzt sie durch viele Dekorationsgegenstände. Der Lehmboden erschwere die Bepflanzung und würde mehr Mühe und Sorgfalt verlangen. Doch das hält Matt nicht davon ab. Sogar in der kalten Jahreszeit sei sie dort, um die Natur farbenfroh zu gestalten.



Neues Zuhause
Vor dem Hangrutsch wohnten am Bauernhof noch Veronikas Schwester Angelika Matt sowie ihr Bruder und ihre Mutter. „Ich habe das ganze Leben dort gewohnt“, erzählt Angelika Matt. Dementsprechend groß war der Verlust. Kurz vor dem Vorfall sei auch noch einiges an Geld in einen Umbau und den Garten investiert worden. „Aber es kann keiner was dafür und jetzt ist es, wie es ist“, meint die 53-Jährige.

„Vor einem Jahr kauften wir uns ein Haus in Hohenweiler und ich bin sehr zufrieden“, schildert sie weiter. Ihre Familie habe Geld von der Versicherung sowie vom Katastrophenfonds erhalten. „Wir mussten für das neue Haus schon noch was von unserem Ersparten draufzahlen, aber jetzt sind wir gut angekommen.“
Der Grund in Hochreute ist noch im Besitz der Familie. „Aktuell schaut es aber wild aus und es ist nur ein kleiner Teil zu bewirtschaften“, erklärt Matt. Die Wildbach- und Lawinenverbauung des Landes führe derzeit Einebnungsarbeiten und eine Ansaat durch. „Im Frühling wird da vermutlich noch weitergemacht. Zahlen müssen wir das nicht.“ Matt denkt, dass manche Flächen nächstes Jahr vielleicht schon gemäht werden können.


Nachbarschaft
Einige Bewohner sind jedoch auf dem Grundstück in der Hochreute geblieben: Die vier Bauernhofkatzen wollten nicht weg. Für die Vierbeiner wurde eine Unterkunft aus Holz hergerichtet und Angelika Matt fährt regelmäßig hinauf, um sie zu füttern. „Auch manche Nachbarn stellen Futter für sie vor die Tür“, erzählt sie. Die Nachbarschaft sei generell in vielen Belangen sehr hilfreich gewesen.
„Ich finde es schade, dass die Familie Matt nicht mehr hier wohnt“, sagt Elke Mader (84), die in einem der Häuser rund um das Hangrutschgebiet wohnt. „Sie waren eine Art Besuchspunkt. Durch sie ist etwas Gemeinschaft weggebrochen.“

Genauso wie mehrere andere Nachbarn hat Mader grundsätzlich keine Angst, dass ihr Haus aufgrund eines weiteren Hangrutsches zerstört werden könnte. „Mein Mann beruhigt mich und die Gemeinde beziehungsweise das Land hat gut auf die Sicherung geachtet.“
Die Gesamtkosten für alle Maßnahmen nach dem Hangrutsch betragen bis dato 5,25 Millionen Euro. Laut Bürgermeister Andreas Kresser werden regelmäßige Kontrollen durchgeführt. Der Hang bewege sich aktuell nur noch wenige Zentimeter pro Jahr und das nicht in Richtung der Häuser.
