„Schönster Ort“ Österreichs: Naturwacht warnt vor Besucheransturm im Tilisuna-Gebiet

„9 Plätze – 9 Schätze“ rückt das Naturjuwel ins Rampenlicht – die Naturwacht Vorarlberg blickt jedoch mit Sorge auf den Sieg.
Tschagguns Das Tilisuna-Gebiet im Montafon wurde in der ORF-Show „9 Plätze – 9 Schätze“ zum schönsten Ort Österreichs gekürt. Doch nicht jeder zeigt sich begeistert darüber. „Oft entsteht durch solche Formate kurzfristig ein geballter Besucherandrang, dem die Region nicht gewachsen ist“, sagt Marion Eckert-Krause, Landesleiterin der Naturwacht Vorarlberg.

Naturjuwele
Das Tilisuna-Gebiet in der Gemeinde Tschagguns liegt wenig erschlossen auf über 2000 Meter Seehöhe. Hier befinden sich unter anderem ein Hochgebirgssee, ein Lebensraum für Murmeltiere, Moore und ein tiefes Höhlensystem. Vorarlberg gewann damit zum fünften Mal in 13 Jahren.

Als weitere Gewinner gelten der Lünersee (2019) und der Wiegensee (2021). Eckert-Krause ist der Meinung, dass das ORF-Format einerseits zum Naturgenießen und Krafttanken beitragen kann, andererseits könne es zu Problemen führen. Dabei komme es darauf an, welche Gebiete nominiert werden.

Unterschiedliche Ausgangslagen
Der Lünersee ist durch die Bergbahn gut erreichbar. Außerdem gibt es eine gute Infrastruktur vor Ort. „Es ist ein touristischer Hotspot, der sich gut lenken lässt“, erklärt Eckert-Krause. Anders ist die Situation am Wiegensee.

Der natürliche Stausee in Gaschurn ist zwar ebenfalls gut erreichbar, liegt allerdings in einem sehr sensiblen Lebensraum – dem Moor – und bietet wenig Infrastruktur. „Hier war ein enormer Aufwand seitens der Gebietsbetreuung und der ehrenamtlich tätigen Naturwacht nötig“, gibt die 66-jährige Feldkircherin Auskunft. Im Sommer sei dort die Naturwacht jedes Wochenende im Dienst und im Jahr nach dem Sieg musste eine zusätzliche Person angestellt werden. „Noch heute ist der Besucherstrom zum Wiegensee beachtlich.“

Das Tilisuna-Gebiet ist zwar nicht wie der Wiegensee ein Europaschutzgebiet, jedoch sind laut Eckert-Krause das alpine Gelände und die Moore per Gesetz geschützt. Da es im Vergleich zum Wiegensee schwerer erreichbar ist und weniger sensible Lebensräume beherbergt, geht sie davon aus, dass die Belastung für Flora und Fauna eventuell geringer ausfallen werde: „Zu Fuß ist man mehrere Stunden unterwegs und es gibt außer der Hütte keine Gastronomie. Allerdings gibt es eine Mountainbike-Strecke.“ Manche Mountainbike-Fahrer würden die Wege verlassen und über Wiesen sowie durch Moore oder außerhalb der erlaubten Zeiten fahren.
Wie sich der Sieg tatsächlich auswirke, müsse man noch abwarten. Laut Eckert-Krause seien in Zeiten der sozialen Medien und des Wunsches, das Besondere in Szene zu setzen, Entwicklungen schwer vorhersehbar. Jedenfalls wäre es nötig, den Besucherandrang genau zu beobachten. Vonseiten der Naturwacht wäre es generell ratsam, Schutzgebiete nicht in die Auswahl von „9 Plätze – 9 Schätze“ aufzunehmen.
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Gemeinsames Handeln
„Montafon Tourismus“ wolle zusätzlich zu den bereits bestehenden Lenkungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen weitere Schritte für das Frühjahr und den Sommer 2027 setzen. Wie schon beim Wiegensee hat man vor, dafür im Rahmen der Initiative „Naturverträglicher Bergsport im Montafon“ alle relevanten Beteiligten an einen Tisch zu holen. Durch eine Kooperation mit Bergbahnen, Naturschutz und Gemeinden hätten dadurch auch am Wiegensee tragfähige Lösungen entwickelt werden können.
Die ORF-Landesstudios sind in den jeweiligen Bundesländern für die Auswahl der vorgestellten Plätze verantwortlich. Der ORF teilt mit, dass die Gemeinden und Tourismusverbände vorab involviert werden. Diese könnten somit auf die potenziell höheren Besuchszahlen rechtzeitig reagieren – und gegebenenfalls auch auf eine Nominierung verzichten.