Ein besonderer Liederabend in Altach

Drei junge Sängerinnen und eine Pianistin machten in Altach vergessene musikalische Stimmen und große Gefühle hörbar.
Altach Drei junge Sängerinnen, begleitet von Yuumi Yamagutchi, Korrepetitorin und Coach an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, sangen im Rahmen der Altacher Soireen Lieder der Jahrhundertwende, auch Kompositionen von Frauen und andere aus dem osteuropäischen Umkreis der alten Residenzstadt Wien. Das Programm von Erica Alberini, Anna-Maria Fischer und Mascha Pysmenna umfasste 21 Nummern – solistische Hochspannung jenseits des Belcanto von Schubert bis zu ukrainischer Musik der Gegenwart.

Im Zentrum der Fin-de-siècle-Soiree standen Vertonungen aus “Des Knaben Wunderhorn” von Gustav und Gesänge von Alma Mahler. Die Schülerin Alexander Zemlinskys, der ihr Mann den Verzicht auf das Komponieren abverlangt hatte, setzt sich etwa im Lied “Die stille Stadt” mit der urbanen Gegenwart auseinander. Anders Gustav Mahler, Sohn mährischer Juden; sein Leben lang griff er immer wieder zur Volksliedsammlung der deutschen Romantiker und hat der Macht des Eros, der Verheißung, dem Wunschdenken wie den Vertröstungen und dem Leid, das aus ihnen spricht, schnörkellos Ausdruck verliehen.

Den Abend eröffnete Anna-Maria Fischer mit “Wer hat dies Liedlein erdacht”, ursprünglich für Orchesterbegleitung komponiert. Nach Liedern zum Thema Nummer eins von Dora Pejačević, Schönberg und Zemlinsky beschloss sie ihn auch mit Mahlers “Rheinlegendchen” – keine einfache Aufgabe für die Mezzosopranistin im überhohen Kirchenraum. Die Soprane hatten es leichter: Die Italienerin Erica Alberini sang Liebeslieder von Hugo Wolf, Ján Bella, Johanna Müller-Hermann – einer Kollegin Alma Mahlers –, Schubert und Richard Strauss. Ebenso ausdrucksvoll und frei von Allüren Mascha Pysmenna, die für eine erkrankte Kollegin und Schülerin Tanya Aspelmeiers einsprang und zusätzlich zwei Romanzen ukrainischer Komponisten vortrug, “Zoriana nich” (Sternklare Nacht) von Kos-Anatolskyi und ein zauberhaftes Lied von Lesja Dychko (“Wenn du willst, verzaubere ich den Wald”).
Der Ruf Wiens als Weltstadt der Musik scheint ungebrochen. Zu Recht, wie die Altacher Performance vier junger Musikerinnen aus aller Welt zeigt, die ein zusätzliches Gesangsstudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst absolvieren. Ein Liederabend mit Musik des Fin de Siècle, virtuos und geschichtsbewusst zugleich. Die Zugabe für das bewegte Publikum war – nach all den Soli – ein Terzett mit Klavierbegleitung von Schubert.