Ein Familientisch mitten in Egg, Kunst an der Kanisfluh: Dieses Festival geht neue Wege

Aus den Festspielen Bregenzerwald wird das BeClose-Festival. Was hinter der Idee steckt.
Egg Was 2021 als “Festspiele Bregenzerwald” begann, heißt ab diesem Jahr BeClose. Hinter dem neuen Namen steckt eine inhaltliche Weiterentwicklung, die auch mit den aktuellen weltpolitischen Entwicklungen zu tun hat. “Wir haben uns gefragt: Was ist eigentlich das, was wir vermitteln wollen, und warum machen wir das Ganze überhaupt?”, erzählt die künstlerische Leiterin Elena Bechter, die das Festival gemeinsam mit dem Choreografen Slava Kushkov leitet. Dabei sei man immer wieder auf die Begriffe Frieden und Freiheit gestoßen. “Für uns beginnt das nicht erst bei politischen Verhandlungen, sondern mit der Fähigkeit, sich eine andere Wirklichkeit überhaupt vorstellen zu können”, erklärt die gebürtige Krumbacherin.

Genau diesen Gedanken möchte das Festival aufgreifen. “Wir spielen mit der Möglichkeit, mit dem Raum der Möglichkeiten”, sagt Bechter und verweist auf Friedrich Schillers Satz: “Kunst ist eine Tochter der Freiheit”. Künstlerisch beschäftigt sich das Festival mit scheinbaren Gegensätzen, etwa zwischen Heimat und Fremde oder zwischen Leben und Tod. Was liegt dazwischen? Wo entsteht ein dritter Raum? “Wir nähern uns dieser Thematik spielerisch an und gestalten davon ausgehend unsere Stücke”, erklärt Bechter. Der neue Name bringt den Grundgedanken auf den Punkt: “Wir rücken näher zusammen.”

Am ursprünglichen Ansatz des Festivals hält das Team fest. Künstlerinnen und Künstler aus unterschiedlichen Ländern und Sparten entwickeln gemeinsam neue Formate, die klassische Musik, Live-Elektronik, Tanz und Performancetheater miteinander verbinden. Das Festival möchte sowohl das klassische Konzert- und Theaterpublikum als auch jüngere Menschen ansprechen und Kunst an Orte bringen, an denen man sie nicht unbedingt erwartet.
Schon zum Auftakt sucht BeClose den direkten Kontakt mit der Bevölkerung. Am 23. Oktober wird der Dorfplatz in Egg zum Schauplatz der Pop-up-Performance “Zemmad Rucka”. Ein langer, gedeckter Familientisch wird dabei zur Bühne für eine interaktive Aufführung, die von Mitwirkenden aus dem Bregenzerwald unter der künstlerischen Leitung von Bechter gestaltet wird. “Es entsteht eine gemeinschaftliche Performance, die sich von einer Zumutung in eine Anmutung entwickelt”, verrät Bechter. Dabei fließen auch Volksmusik, Live-Elektronik und Tanz in die Aufführung ein.

Am 22. Oktober und am 24. Oktober stehen zudem ungewöhnliche Begegnungen auf dem Programm. Am Aussichtspunkt in Doren und auf einer Felszunge an der Kanisfluh finden sogenannte Eins-zu-eins-Performances statt, bei denen jeweils ein Besucher unmittelbar einer Künstlerin oder einem Künstler begegnet.

Höhepunkt des Festivals ist die Uraufführung der Musik- und Tanzperformance “Raum.Drei: Ein Traum?”, die am 29. Oktober im Alten Bahnhof Doren und am 31. Oktober im Impulszentrum Egg zu sehen ist. Im Mittelpunkt steht die Frage, was Wirklichkeit ist und wo die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung verlaufen. Ausgangspunkt ist die Tanzperformance “SWAP”, die mit Live-Elektronik, Gesang und Akkordeon verbunden wird. Werke von Rachmaninow, Piazzolla, Kurt Weill, Purcell und Schubert treffen dabei auf zeitgenössische Klänge und lyrische Texte von Elena Bechter. Für die Produktion arbeitet die Sängerin und Performerin mit einem internationalen Ensemble zusammen. Mit dabei sind die Tänzerin und Choreografin Maria Colusi, der Komponist und Sounddesigner Edgardo Rudnitzky sowie der Akkordeonist Goran Kovacevic. Gemeinsam erkunden sie auch die Gegensätze zwischen Leben und Tod sowie Vertrautem und Fremdem.
Das Festival wird künftig zweimal jährlich stattfinden. Die nächste Ausgabe ist bereits vom 4. bis 14. März 2027 geplant.
BeClose – Festival next Generation: 22. bis 31. Oktober 2026, Bregenzerwald. Alle Infos zum Programm unter: beclose-festival.com