Illwerke-Millionenprojekt gerät ins Stocken

Nach kritischem Naturschutzgutachten wird Verhandlung zum Großprojekt Herbertinger Leitung verschoben.
Schwarzach Das Projekt kam bislang voran wie der Strom, den die Leitung transportiert: weitgehend ungehindert. Nun gerät eines der größten Vorhaben der illwerke vkw ins Stocken. Nach einem kritischen Naturschutzgutachten wird die Verhandlung zum Umbau der Herbertinger Leitung verschoben. Sie hätte kommende Woche stattfinden sollen.
Schon lange planen die illwerke vkw, eine der beiden großen Stromleitungen durchs Land zu sanieren. Für 400 Millionen Euro sollen 259 Masten erneuert werden, die eine 71 Kilometer lange Leitung durch 21 Gemeinden von Bürs bis Hohenweiler tragen. Die Masten sind teilweise 100 Jahre alt. Sie sollen abgetragen und samt Fundament an exakt derselben Stelle neu errichtet werden. Das ist wichtig: Denn deshalb ist nach Einschätzung der Behörde keine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich. Projektgegner bekämpfen diese Feststellung beim Verwaltungsgerichtshof.
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Obwohl der Verwaltungsgerichtshof darüber noch nicht entschieden hat, läuft das Genehmigungsverfahren bei der Bezirkshauptmannschaft Bregenz weiter. Aus der geplanten Verhandlung am 3. und 4. November wird aber nichts. Anlass ist ein Gutachten der Naturschutzabteilung der BH. Die Sachverständige hat sich das Vorhaben an jedem der 259 Maststandorte angesehen – und auf 200 Seiten zahlreiche Eingriffe kritisch beurteilt.
Als Risiken nennt das Gutachten etwa Bodenverdichtungen, Schäden an Vegetation und Gewässern sowie Veränderungen des Wasserhaushalts. Manche Lebensräume könnten sich nur langsam oder gar nicht wieder regenerieren.
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Besonders schwer wiegen die Bedenken im Naturschutzgebiet “Gsieg-Obere Mähder” im Lustenauer Ried. Konkret geht es um die Maststandorte 153 bis 158. Das Gebiet ist zugleich Teil des Natura-2000-Netzwerks. Betroffen wären Pfeifengras-Streuwiesen und basenreiche Kleinseggenriede – beide europaweit geschützte Lebensraumtypen. Allein bei Mast 157 soll ein schweres Bohrgerät mitten in einem Kleinseggenried eingesetzt werden; bei Mast 158 wären unter anderem eine Pfeifengraswiese und eine Grabenstruktur betroffen.
Das Gutachten stuft die Eingriffe in beide Lebensraumtypen als erheblich ein: Bei den Pfeifengras-Streuwiesen sind an den Masten 154 bis 157 zusammengerechnet rund 3060 Quadratmeter betroffen. Im Bereich von Mast 157 werden zudem rund 1120 Quadratmeter Kleinseggenried als erheblich beeinträchtigt bewertet. Bodenverdichtung, Aufschüttungen und Veränderungen des Wasserhaushalts könnten die Erhaltungsziele des Natura-2000-Gebiets gefährden.
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Für keinen der sechs Maststandorte im “Gsieg-Obere Mähder” stimmt die Sachverständige einer Ausnahme nach der Naturschutzgebietsverordnung zu. Auch bei einigen Masten im Streuewiesenbiotopverbund Rheintal-Walgau empfiehlt sie, die beantragten Ausnahmen nicht zu bewilligen. Am Ende entscheidet aber die Behörde.
Bei anderen Standorten hält sie die Eingriffe mit Ausgleichsmaßnahmen für kompensierbar. Das Gutachten sieht zudem zahlreiche Vorkehrungen vor, um Schäden zu vermeiden, zu verringern oder auszugleichen.
Die Anwältin der Projektgegner, Fiona List-Faymann, sieht sich bestätigt: “Es hat sich genau das bestätigt, was unsere Sachverständigen sagen: Das Projekt ist naturschutzfachlich nicht genehmigungsfähig.”

Zunächst wollte die BH den Verhandlungstermin beibehalten und die Naturschutzfragen später behandeln. Auf Antrag der Projektgegner wird nun die gesamte Verhandlung verschoben. “Es ergibt Sinn, alles gemeinsam zu verhandeln”, sagt Bezirkshauptmann Gernot Längle auf VN-Anfrage. Zunächst müssten weitere Gutachten und Stellungnahmen eingeholt werden. “Heuer geht sich das nicht mehr aus.”
