Revitalisierung am Neuner zeigt Wirkung

VN / 30.10.2026 • 14:38 Uhr
Fischereiverein-Obmann Alfred Mair erklärt, dass die Fische den revitalisierten Abschnitt am Neuner gut angenommen haben.
Fischereiverein-Obmann Alfred Mair erklärt, dass die Fische den revitalisierten Abschnitt am Neuner gut angenommen haben. Bernadette von Sontagh

Fischbestand hat sich innerhalb von zwei Jahren fast verfünffacht.

Lustenau Es sind Neuigkeiten, die Alfred Mair, Obmann des Fischereivereins Bregenzerwald, mit Stolz erfüllen. Bei dem vor zwei Jahren revitalisierten Abschnitt am Neuner Kanal haben sich zahlreiche Fischarten in dem Gewässer angesiedelt. “Die Fische haben diesen neuen Lebensraum gut angenommen. Die Zahl der nachgewiesenen Fischarten ist von 13 auf 21 gestiegen”, freut er sich. Vor gut zwei Wochen wurde der revitalisierte Abschnitt gemeinsam mit dem Fischereibiologen Benjamin Droop vom Land Vorarlberg untersucht. Auf einer Länge von 100 Metern wurden dabei mehr als 1600 Fische gefangen, gewogen und erfasst. Anschließend wurden sämtliche Tiere wieder ins Wasser zurückgesetzt. Die Befischung dauerte mehrere Stunden an.

Deutlich mehr Fische und Arten

Die Ergebnisse der Erfolgskontrolle sind erfreulich: Fast fünfmal so viele Fische wie vor der Sanierung wurden nachgewiesen. Auch die Artenvielfalt hat deutlich zugenommen. Insgesamt stellten die Verantwortlichen 21 Arten fest, darunter 17 heimische. Zuvor waren es lediglich zehn heimische Arten. “Das Ergebnis zeigt, dass die umgesetzten Maßnahmen wirken”, erklärt Droop. Besonders positiv sei auch der verbesserte Populationsaufbau bei vielen Arten. So sind Gründlinge wieder zahlreich vertreten und kommen mittlerweile in allen Längenklassen vor. “Der eingebrachte Laichkies dürfte ihnen zugutekommen. Ebenso den Haseln, die hier ebenfalls zum ersten Mal nachgewiesen wurden”, sagt der Fischereibiologe. Auch stark gefährdete Bitterlinge haben in den neu entstandenen Buchten einen geeigneten Lebensraum gefunden.

Fast fünfmal so viele Fische wie vor der Revitalisierung konnten bei der Befischung vor zwei Wochen nachgewiesen werden.
Fast fünfmal so viele Fische wie vor der Revitalisierung konnten bei der Befischung vor zwei Wochen nachgewiesen werden. Bernadette von Sontagh

Bedrohte Nasen wieder heimisch

Für eine besondere Überraschung sorgte der Nachweis von zwei jungen Nasen. Die einst weitverbreitete Fischart gilt in Vorarlberg mittlerweile als vom Aussterben bedroht. Besonders wichtig ist dem Obmann dabei ein Detail: Die Nasen und auch andere Fischarten wurden nicht künstlich eingebracht. “Das sind Naturaufkommen. Sie haben hier einen neuen Lebensraum gefunden”, betont Mair. Dass sich der Fischbestand trotz der schwierigen Bedingungen im vergangenen Sommer so positiv entwickelt hat, freut die Verantwortlichen zusätzlich. Zeitweise stieg die Wassertemperatur im Neuner auf 24 bis 25 Grad. Für die meisten nachgewiesenen Arten stellte dies offenbar kein unüberwindbares Hindernis dar. Forellen wurden in diesem Abschnitt hingegen nicht festgestellt. Sie bevorzugen deutlich kühlere Gewässer und benötigen Wassertemperaturen unter 20 Grad. Hier soll künftig auch die natürliche Entwicklung der Ufervegetation helfen. “Es braucht etwas Zeit, bis die Bäume größer werden und dann für den wichtigen Schatten und kühlere Temperaturen im Sommer sorgen können”, erklärt Mair.

Auch bedrohte Fischarten haben sich hier niedergelassen und fühlen sich bei diesem Gewässer sichtlich wohl.
Auch bedrohte Fischarten haben sich hier niedergelassen und fühlen sich bei diesem Gewässer sichtlich wohl. Bernadette von Sontagh

Nächster Abschnitt wird revitalisiert

Die Erfolgsgeschichte am Neuner Kanal geht schon kommende Woche weiter. Dann beginnen die Arbeiten an einem weiteren Abschnitt. “Wir starten hinter der Schnellstraße und revitalisieren gut 950 Meter bis zur Rosenkranz-Kapelle”, kündigt Mair an. Von den Maßnahmen profitieren nicht nur die Fische. Auch zahlreiche Insekten, andere Tiere und weitere Lebewesen finden in den naturnah gestalteten Gewässerabschnitten neue Lebensräume. Ein vielfältiger Fischbestand gilt zudem als wichtiger Indikator für die ökologische Qualität von Bächen und Flüssen. Lebendige und artenreiche Gewässer seien letztlich ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft, unterstreicht Fischereibiologe Benjamin Droop. BVS