Von Mitläufern, Tätern und Opfern

Buchvorstellung in der Museumswelt: Vorarlbergs Exekutive im Nationalsozialismus.
Frastanz Die unrühmliche Rolle der Vorarlberger Exekutive im Nationalsozialismus wird in einem von Michael Beyrer und Harald Walser herausgegebenen Buch mit dem Titel “Mitläufer, Täter, Opfer” beleuchtet, welches bei seiner Präsentation in der Museumswelt Frastanz großes Interesse bei den zahlreichen Besuchern aus dem ganzen Land hervorrief.

Blick auf dunkles Kapitel
Die Historikerinnen und Historiker des Sammelbands nahmen an der Buchpräsentation mit den Herausgebern, der Landespolizeidirektion und Vertretern aus Stadt und Land teil. In 14 Artikeln widmen sie sich dem dunklen Kapitel der Diktatur und zeigen dabei auf, wie Vorarlbergs Exekutive fast schon nahtlos in den nationalsozialistischen Unterdrückungsapparat eingegliedert wurde. Und wie sich Dutzende Vorarlberger Beamte an der Vernichtungs- und Eroberungspolitik des NS-Regimes in den besetzten Gebieten in Osteuropa beteiligten, somit als willige Vollstrecker des Völkermords auch in den Holocaust miteinbezogen waren.

Doch auch innerhalb der Vorarlberger Landesgrenzen wurde Unrecht zu Recht erhoben und gegen den “Feind im Innern” willkürlich und mit aller brutalen Härte vorgegangen.
Zu den unbeugsamen Regimegegnern und bekannten Opfern des NS-Terrors innerhalb der Vorarlberger Exekutive zählt Dornbirns ehemaliger Postenkommandant Hugo Lunardon. Zunächst ins Konzentrationslager Dachau gebracht, folgte nach Beginn des 2. Weltkriegs seine Verlegung ins KZ Mauthausen. Lunardons bewegendes Schicksal hält Walser in akribischer Recherche anhand neuer Quellen für die Nachwelt fest.
An der Buchpräsentation in der Museumswelt nahmen auch Enkel Lunardons teil: Heidi Vetter, Margit Wieser und Herbert Walser hielten die Erinnerung an erlittenes Unrecht und den qualvollen Tod wach.

Doch Lunardon war keineswegs der einzige Regimegegner, der zwischen 1938 und 1945 in Vorarlberg inhaftiert wurde. Allein im Bezirksgefängnis Bregenz in der Oberstadt waren bis zum Ende der NS-Diktatur 6000 Menschen eingesperrt. Die problematische Wiedererrichtung der Gendarmerie in Vorarlberg nach 1945 recherchierte Michael Beyrer. Die Buchvorstellung bewies auf eindrucksvolle Weise die Anfälligkeit ganzer Institutionen für autoritäre Versuchungen und machte mit den Worten von Bürgermeister Walter Gohm in seiner Ansprache deutlich, “wie wichtig Rechtsstaat und Menschenwürde sind”.

Über die österreichische Polizei im Nationalsozialismus informiert von November bis April während der Öffnungszeiten der Vorarlberger Museumswelt die Sonderausstellung “Hitlers Exekutive”. Die Eröffnung findet am Montag, den 9. November um 13 Uhr statt. Am Freitag, dem 15. Jänner, folgt eine Lesung mit Michael Beyrer in der Museumswelt.

Zahlreiche Ehrengäste
Zu den zahlreichen Ehrengästen der Buchpräsentation zählten Landespolizeidirektorin Uta Bachmann, Landesgerichtspräsidentin Angelika Prechtl-Marte, die Obfrau der Johann-August-Malin-Gesellschaft Victoria Kumar, Landtagsabgeordneter Bernhard Weber, Museumswelt-Präsident Manfred Morscher sowie Rainer Fitz, Gerhard Ellensohn, Dr. Angelika Ehlich-Beutter und Alfons Dür. HE






