Darum ist das diesjährige Jagdjahr besonders anspruchsvoll

Vorarlberger Waidmänner müssen bei den Abschüssen liefern. Doch im Sommer versteckte sich das Rotwild.
Bludenz Der Herbst ist Jagdzeit. In keiner Jahreszeit verfolgen die Jäger ihr Waidwerk intensiver als dieser Tage und Wochen. In Zeiten von TBC sind die behördlich geforderten Quoten hoch. Ebenso der Druck, diese zu erfüllen. “Stand jetzt liegen wir beim Rotwild vorarlbergweit zehn Prozent hinter den Zahlen des Vorjahres”, sagt Gernot Heigl (36), Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft. Bei 49 Prozent liegt die Abschussquote zum jetzigen Zeitpunkt. Das reguläre Jagdjahr geht bis Ende März, in den TBC-Kerngebieten gelten Ausnahmeregelungen.
TBC-Kerngebiete
Zu den TBC-Kerngebieten zählt vor allem die Region Bartholomäberg/Silbertal, die Hegegemeinschaft 2.1. Dort konnten bis zum jetzigen Zeitpunkt erst 30 Prozent der geforderten Quote erfüllt werden, die Hälfte dessen, was zum selben Zeitpunkt des Vorjahres geschossen wurde. Das hat nach Aussagen der heimischen Jäger und Behörden einen nachvollziehbaren Grund. “Aufgrund der Hitze war das Wild schwer aufzuspüren. Die Tiere haben sich an Orte zurückgezogen, wo es kühler war”, betont Bezirkshauptmann Harald Dreher (52). Es habe auch die besondere Belastung für die Jäger aufgrund der hohen Temperaturen eine Rolle gespielt.

“Die geforderte Quote von 520 Stück wird sehr schwer zu erreichen sein”, räumt Dreher ein. “Das hat aber vor allem damit zu tun, dass wir bei dieser Zahl die letzten Jahre als Maßstab hernahmen. Nur gab es vor einigen Jahren noch viel mehr Rotwild dort. Der Bestand wurde zwischenzeitlich jedoch reduziert.”
Bilanz zum Schluss
Über die derzeit vorherrschende TBC-Prävalenz möchte sich der Bezirkshauptmann nicht äußern. “Da gibt es ein bestimmtes Revier, das derzeit heraussticht, doch eine glaubwürdige Bewertung lässt sich erst am Ende des Jagdjahres machen”, sagt Dreher.
Die Strategie der Jagd hat sich im letzten Jahr verändert. “Wir haben viel stärker in den Altbestand eingegriffen. Dort kommen aufgrund der Lebensdauer des Tieres Infektionen natürlich häufiger vor”, erklärt Heigl. Was Jäger und Behörden zuversichtlich stimmt: Bei den Jungtieren ist der Erreger kaum noch festzustellen. “Ich erwarte mir deswegen nach dem heurigen Jagdjahr einen Knick nach unten”, formuliert Dreher seine Hoffnung. Nachsatz: “Wenn das allerdings nicht passiert, haben wir ein Problem.”

Hoffnung auf viel Schnee
Hoffnungen hat auch Gernot Heigl. “Den Jägern würde ein schneereicher Winter bei der Jagd sehr helfen.” Das hat einen Grund: Liegt auch weiter unten viel Schnee, sucht sich das Wild trockene Unterstände und ist folglich in Gruppen für die Waidmänner leichter aufzuspüren.
Genau das trat in den letzten Jahren nicht ein. Die Tiere waren weit verstreut und deswegen auch schwerer zu jagen.