Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Streiflicht: Zum Mars mit Manieren

VN / 03.11.2026 • 09:00 Uhr

Nicht die fachlichen Fähigkeiten entscheiden, ob jemand fürs Weltall taugt. “Das Fachliche kann man lernen”, winkt Alexandra de Carvalho ab. Die Weltraumpsychologin trainiert angehende Astronautinnen und Astronauten. In einer Wüste oder im ewigen Eis müssen sie wochenlang durchhalten: zusammengepfercht, mit kaum zwei Quadratmetern Privatsphäre pro Nase und ständig unter Stress. Wer das “Habitat” verlassen will, muss sich zunächst zwei Stunden lang in den Raumanzug zwängen. “Sie sollten vorher Pipi machen”, sagt die Weltraumpsychologin schmunzelnd.

Von Innsbruck oder Wien aus begleitet sie ihre Teams online. Auch die Verzögerung ist realistisch: “Spielt” die Mission am Mars, dauert es 20 Minuten, bis ein Satz übertragen ist. Alexandra de Carvalho trägt die Verantwortung für die psychische Gesundheit der Teams. Ein Spaziergang ist das nicht.

In Lindau gab sie der Gesellschaft für Tiefenpsychologie Einblicke in ihre Arbeit. Ob jemand hervorragend in Mathe ist oder die Biologie im kleinen Finger hat, entscheidet nicht über die Teilnahme am Programm. Entscheidend ist vielmehr, ob jemand sozial verträglich ist, sich um andere kümmert, auch einmal fünfe gerade sein lässt und sich an veränderte Bedingungen anpassen kann. Die soziale Ader muss pulsieren. Empathie ist entscheidend.

Auf dem Rückweg dann an der Tür eines Bregenzer Kindergartens diesen Aushang entdeckt: “Liebe Eltern! Wir bitten Sie, beim Bringen und Abholen Ihres Kindes nicht zu telefonieren! Als Zeichen der Wertschätzung Ihrem Kind gegenüber.” Es ist ein weiter Weg bis zu den Sternen.