Spuren eines Sägewerks

Hans Rümmele und Wilfried Klocker machten die Geschichte der Gebrüder Klocker sichtbar.
Dornbirn Im Foyer “Bira” im Kulturhaus war am Mittwochabend kaum noch ein Platz frei. Hans Rümmele staunte über den großen Andrang beim Werkstatt-Treff der Dornbirner Geschichtswerkstatt. Er sprach über das Säge- und Hobelwerk der Gebrüder Klocker in der Vorderen Achmühle. Das Publikum begrüßte zum Auftakt Wilfried Klocker mit Applaus. Der 97-Jährige ist Enkel eines Firmengründers und half, die Familien- und Firmengeschichte aufzuarbeiten.

Rümmele hatte Klocker kennengelernt, als er ihm ein Fotobuch über Kehlegg zustellen wollte. Dabei entdeckte er alte, sorgfältig beschriftete Aufnahmen. Woche für Woche ordneten sie Bilder und Dokumente. “Er hat einen großen Anteil, wenn nicht den ganzen, an diesem Buch und er ist ein unglaublicher Geschichtenerzähler und Historiker”, sagte Rümmele über seinen Mitstreiter. Entstanden ist eine umfangreiche Fotodokumentation, die inzwischen im Stadtarchiv Dornbirn und in der Landesbibliothek zugänglich ist.

Vom Holzhandel zur Säge
Die Geschichte beginnt um 1900. Die Brüder Josef und Johann Klocker betrieben zunächst einen Holzhandel. Der Bauboom und die große Nachfrage nach Bauholz brachten sie auf die Idee, eine eigene Säge zu errichten. 1899 entstanden Wohnhäuser mit Stall in der Vorderen Achmühle, 1900 gründeten die Brüder das Säge- und Hobelwerk in der Vorderen Achmühle 22.

Fotos und Inserate zeigten Gründerfamilie, Belegschaft, Maschinen und Holzlager. 1920 gab es in Dornbirn 14 Sägebetriebe. Bei den Gebrüdern Klocker liefen neun Vollgatter- und zehn Einfachgattermaschinen. Im selben Jahr wurden 18.450 Festmeter Rundholz verarbeitet. Das Holz kam zum Teil aus dem Valorsertal. Der rund sieben Kilometer lange Güterweg von Gaißbrücken bis zur Vorderen Achmühle diente dem Holztransport. Pferde zogen die Stämme auf Schlitten und Fuhrwerken ins Tal, im Winter mussten Arbeiter Wege durch den Schnee schaffen.

Ein Betrieb im Wandel
Bilder zeigten die Arbeit in der Hobelhalle und den Alltag der Beschäftigten. Während der Besatzungszeit 1945 waren französische Truppen auf dem Sägeplatz zu sehen. Eine weitere Bildfolge erinnerte an die ungarische Familie Józsa, die 1945 auf der Flucht nach Dornbirn kam und im Umfeld des Sägewerks Unterkunft fand. 1947 kehrte sie nach Ungarn zurück.
Später lösten Lastwagen Pferdefuhrwerke und Schlitten ab, Maschinen wurden erneuert und das Sortiment erweitert. 1977 endete der Betrieb des Säge- und Hobelwerks. Die letzten Aufnahmen zeigen den Abbruch. Wo einst Holz gestapelt, gesägt und gehobelt wurde, stehen heute Wohnbauten.
Nächster Werkstatt-Treff
Der Abend zeigte den Wert privater Fotos und persönlicher Erinnerungen. Ohne die beschrifteten Aufnahmen und das Wissen Wilfried Klockers wären viele Details wohl verloren gegangen.
Der nächste Werkstatt-Treff der Dornbirner Geschichtswerkstatt findet am Mittwoch, 2. Dezember, um 19 Uhr statt. Lothar Kurzemann spricht im Kulturhaus über die Geschichte des Sportflugs in Vorarlberg. CTH









