Autofreier Dorfplatz, neue Busse: Was sich in Vorarlbergs Gemeinden verändert

VN / 06.11.2026 • 08:25 Uhr
Autofreier Dorfplatz, neue Busse: Was sich in Vorarlbergs Gemeinden verändert
In Lustenau wird die Bevölkerung aktiv eingebunden: Mit den “Lustenauer Sonnenscheinen” können Bürgerinnen und Bürger die Finanzierung von Photovoltaikanlagen unterstützen – etwa jener im Reichshofstadion. Lukas Hämmerle

Elf Gemeinden wurden für ihre Energieprojekte ausgezeichnet. Wir zeigen, welche Veränderungen vor Ort bereits spürbar sind – und was sie für die Menschen bedeuten.

Dornbirn Ein Dorfplatz ohne Autos, Stadtbusse mit Elektroantrieb und Sonnenstrom, der in einer Schulküche genutzt wird: In Vorarlbergs Gemeinden gibt es zahlreiche Beispiele dafür, wie die Energiewende im Alltag aussehen kann. Elf Gemeinden wurden am Donnerstagabend an der Fachhochschule Dornbirn für ihre Projekte im Energie- und Klimaschutz ausgezeichnet. “Die e5-Gemeinden zeigen, wie die Energieautonomie Schritt für Schritt Realität wird”, sagte Energielandesrat Markus Klien bei der Zertifizierungsfeier.

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Besonders gut schnitten Hittisau, Lustenau und Dornbirn ab. Einen großen Sprung machte Egg, das sich von zwei auf vier “e” verbesserte. Insgesamt erhielten zehn Gemeinden die Bewertung mit “vier e”, Sulz erhielt drei. Bewertet wird, welche Maßnahmen die Gemeinden in Bereichen wie Energieversorgung, Mobilität und Raumplanung umgesetzt haben.

Autofreier Dorfplatz, neue Busse: Was sich in Vorarlbergs Gemeinden verändert
Die Schulen Hittisau wurden nach energieeffizienten Low-Tech-Prinzipien geplant, die Wärmeversorgung erfolgt über ein Biomasse-Nahwärmenetz. Adolf Bereuter

Wie sich solche Maßnahmen konkret auf das Ortsbild auswirken, zeigt Hittisau. Dort wurde heuer der autofreie Dorfplatz fertiggestellt. Im Ortskern tragen eine Begegnungszone und Tempo 30 dazu bei, den Verkehr zu beruhigen und die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Bereits 2024 wurde im Zentrum eine Parkraumbewirtschaftung eingeführt. Ein weiteres Vorzeigeprojekt ist der Schulcampus. Die bestehenden Gebäude wurden generalsaniert und durch einen Neubau ergänzt. Geheizt wird über ein Biomasse-Nahwärmenetz. Mit der gemeinsam mit Nachbargemeinden gegründeten Energiegemeinschaft “Wälderstrom” setzt Hittisau auch auf regional erzeugten Strom.

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Hittisau hat einen autofreien Dorfplatz mit Begegnungszone. Daniel Kohler

In Dornbirn zeigt sich die Energiewende unter anderem im öffentlichen Verkehr. Die Stadt hat ihre gesamte Stadtbusflotte elektrifiziert. Gleichzeitig werden Photovoltaikanlagen ausgebaut und städtische Gebäude schrittweise auf erneuerbare Energieträger umgestellt. Mit dem Projekt Vmobil Rad wird das Fahrrad als Verkehrsmittel gestärkt. Die Stadt hat sich zudem das Ziel gesetzt, bis 2040 auf dem gesamten Gemeindegebiet klimaneutral zu werden.

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In Dornbirn fahren die Stadtbusse elektrisch. Stadt Dornbirn

In Lustenau wird auch an mehreren Stellen gedreht. So stellt die Marktgemeinde ihre Straßenbeleuchtung schrittweise auf sensorgesteuerte LED-Technik um. Gleichzeitig entsteht mit dem Biomasse-Fernwärmenetz der Kelag eine Wärmeversorgung für öffentliche Gebäude, Betriebe und Haushalte.

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Auch bei Neubauten gibt es Vorgaben: Größere Flachdächer müssen bei Neubauten sowie Zu- und Umbauten begrünt werden. Beim Campus Rotkreuz wurden bestehende Gebäude saniert und durch einen Neubau ergänzt. Mit den “Lustenauer Sonnenscheinen” wird die Bevölkerung an der Finanzierung von Photovoltaikanlagen beteiligt, etwa jener beim Reichshofstadion.

Autofreier Dorfplatz, neue Busse: Was sich in Vorarlbergs Gemeinden verändert
In Egg wurde ein Busbahnhof als regionaler Verkehrsknotenpunkt errichtet. VN/STeurer

Egg verbesserte sich im neuen Bewertungssystem von zwei auf vier “e”. Zu den umgesetzten Projekten zählt der neue Busbahnhof, der als regionaler Verkehrsknotenpunkt dient. Im Ortszentrum gilt Tempo 30, hinzu kommen ein Carsharing-Angebot und eine Fahrradstraße.

Bei der Wärmeversorgung setzt Egg schon lange auf Biomasse. Bereits 1993 entstand dort das erste Biomasse-Nahwärmenetz Vorarlbergs. Heute werden damit große Teile des Ortes und 13 kommunale Gebäude versorgt. 2020 kam ein zweites Heizwerk in Schetteregg dazu. Photovoltaikstrom von der Volksschule und dem Schulzentrum kann innerhalb der Gemeinschaft genutzt werden, etwa mittags in der Schulküche des Sozialzentrums, wenn dort besonders viel Energie benötigt wird.

Strenges Bewertungssystem

Das e5-Programm besteht seit 1998. Derzeit beteiligen sich 48 Vorarlberger Gemeinden daran. Alle vier Jahre stellen sich die Gemeinden einem Audit, bei dem ihre Projekte und Maßnahmen bewertet werden. Seit 2025 gelten strengere Bewertungskriterien, bei denen die tatsächliche Wirkung der Projekte stärker berücksichtigt wird.

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Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinde Hittisau bei der Zertifikatsübergabe. Matthias Rhomberg
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Lustenau zählte zu den Spitzenreitern. Matthias Rhomberg
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In Dornbirn zeigt sich die Energiewende unter anderem im öffentlichen Verkehr. Matthias Rhomberg