“Mein Mann ist gestorben, ich bin vom Bus abhängig” – Feldkircherin trifft der neue Busplan

Personen wie Harjaswant Walia und Firmenmitarbeiter in Rankweil müssen sich auf Änderungen einstellen.
Feldkirch/Rankweil “Mein Mann hatte einen Führerschein, aber er ist vor Kurzem gestorben. Ich bin ganz vom Bus abhängig”, sagt Harjaswant Walia (71) aus Feldkirch. An der Haltestelle in der Nähe ihres Hauses wird das Busangebot aufgrund der Fahrplanumstellung am 13. Dezember 2026 reduziert. Ähnliche Einschnitte gibt es auch andernorts, besonders beim Stadtbus Feldkirch und beim Landbus Oberes Rheintal. Auf manchen Linien gibt es jedoch auch Verbesserungen.

Früheres Betriebsende
Walia lebt in Tisis, unweit der Haltestelle Fangsweg, die zur Linie 409 gehört. Es ist der einzige Bus, der diese Haltestelle einmal pro Stunde anfährt. Mit der Fahrplanumstellung fährt er unter der Woche nur noch bis 19 Uhr – zwei Stunden früher als bisher. Auch am Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen fallen weitere Kurse weg. “Das ist ein großer Nachteil für mich”, meint Walia.

Manche Nachbarn nutzen zusätzlich zwei andere Linien (407 und 408), deren Haltestellen rund zehn Minuten zu Fuß entfernt liegen. Doch bei diesen wird es ebenfalls zu Kürzungen kommen. “Im Dunkeln möchte ich außerdem nicht so weit allein nach Hause gehen”, betont Walia.

Der Feldkircher Bürgermeister Manfred Rädler wisse, dass Änderungen beim öffentlichen Verkehr für viele Menschen unmittelbar spürbar seien. “Gleichzeitig stehen wir als Stadt vor der Herausforderung, mit den vorhandenen finanziellen Mitteln verantwortungsvoll umzugehen”, schildert er. Speziell wenig genutzte Verbindungen seien von den Kürzungen betroffen.
Geringere Attraktivität
In Rankweil wird es unter anderem bei der Linie 440 eine Taktausdünnung geben, vor allem zwischen Klaus und Brederis Krönele. In diesem Teilabschnitt liegt die Haltestelle “Rankweil L190/Betriebsgebiet Nord”, bei der sich die Firma Tschabrun befindet. “Ich fahre jeden Tag mit dem Bus”, sagt der dortige Lagermitarbeiter Mohamed Aden Abdil aus Levis.

Die Linie 440 bietet ihm derzeit alle 30 Minuten eine Verbindung. In Zukunft soll der Bus nur mehr einmal pro Stunde fahren. “Das wäre mühsam”, meint der 21-Jährige. Es ist eine weitere Motivation für ihn, die bald anstehende Führerscheinprüfung zu bestehen. “Aber auch für Lehrlinge wird unser Standort dadurch weniger attraktiv”, fügt die Innendienstmitarbeiterin Ramona Flatz (26) hinzu.


Laut Martin Schreiber, Geschäftsleitung des Landbusses Oberes Rheintal, hat eine Auswertung an den vier Haltestellen des Teilabschnitts ergeben, dass dort bisher rund acht Fahrgäste pro Tag unterwegs waren. Dieser Abschnitt soll nun an die Nachfrage angepasst werden.

Vor- und Nachteile
Fünf Linien fallen im Oberen Rheintal komplett weg (431, 441, 456, 457 und 481). Diese sollen kompensiert werden. Eine Anfrage der VN beim Landbus Oberes Rheintal ergab – zumindest an drei beispielhaften Haltestellen –, dass die Verschlechterung der Kursfrequenz dabei überschaubar bleibt. Beim Römergrund in Rankweil werden etwa unter der Woche künftig zwei Kurse weniger angeboten. Am Samstag wird das Angebot von 36 auf 31 Kurse ausgedünnt. An Sonn- und Feiertagen kommt hingegen ein zusätzlicher Kurs hinzu.

Die Linie 445, die von Götzis über Rankweil nach Tisis fährt, wird im Gegensatz dazu stark ausgebaut: Statt vier Kursen unter der Woche gibt es bald 35. Am Samstag steigt die Frequenz auf fast das Doppelte. Denn in diese Linie werden manche der gestrichenen Verbindungen integriert.
Einerseits wollte man im Oberen Rheintal die Komplexität des Liniennetzes reduzieren und Kosten an wenig frequentierten Punkten sparen. Andererseits sollen die Anschlusssituation sowie die Taktung stellenweise verbessert werden.