Es wird ein Wein sein, und er wird aus Vorarlberg sein

Wein aus dem Ländle ist rar – und gut. Ein Test aller erhältlichen Vorarlberger Weine.
Schwarzach. Vorarlberg gehört, weinbautechnisch gesehen, zur Region „Bergland“, in dieser sind die fünf Bundesländer Oberösterreich, Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg zusammengefasst. Insgesamt bewerten die Winzer in diesen Gebieten 82 Hektar oder 0,2 Prozent der gesamten Weinbauflächen Österreichs. Logisch, dass die Vorarlberger Weine deshalb oft zu wenig Beachtung finden, wenn von österreichischem Wein die Rede ist.
Und doch sind die Rebensäfte aus dem Land so gut, dass auch Sommeliers sie mit Freude den Gästen empfehlen. Derzeit bauen 55 Weinbauern mehr oder weniger professionell Wein an – eher weniger. Denn nur die Weine dreier Winzer sind in größeren Mengen verfügbar. Die VN baten zwei angesehene Sommeliers und Weinkenner, die im Handel erhältlichen Vorarlberger Weine zu verkosten.
Sieghard Baier, ehemaliger Direktor des Vorarlberger Tourismusverbandes, hat sich zum Weinakademiker ausbilden lassen. Eine Ausbildung, die es in sich hat und die Jahre dauert. Wer sich in dieser Schule sein Wissen angeeignet hat, wird von Winzern und Gastronomen gleichermaßen hochgeschätzt. Sein Partner bei der Verkostung war der Bregenzer Robert Stark. Er arbeitet(e) im Weinhandel, ist aktuell Sommelier im Wiener Haubenrestaurant Sinohouse beschäftigt, betreibt einen Heurigen im Weingut „Kloster am Spitz“ und produziert selbst zwei Weine namens „Einfach Stark“.
Nach der Verkostung der Weine zogen sie ein positives Resümee: „Vorarlbergs Winzer haben in den letzten Jahren einen großen Sprung nach vorne gemacht. Alle getesteten Weine können sich auch gegenüber der Konkurrenz aus bekannten Gebieten behaupten. Zum Start gab´s übrigens einen Apfelwein aus dem Ländle. Kommentar: „Der Zider von Richard Dietrich aus Lauterach ist gut und hat Entwicklungspotenzial.“

Vorarlberger Weine für zu Hause
Weingut Franz Nachbaur, Röthis, Chardonnay Jg. 2011: Schmeckt nicht ganz sortentypisch, eher nach Sauvignon Blanc, nach Kräutern und Paprika. Gut zu einer Winzerjause.
Weingut Sepp Möth, Bregenz, Chardonnay, Jg. 2011: Absolut sortentypischer Chardonnay, hat Extraktsüße, Töne von Banane, Ananas, passt zu vielen Speisen, von der Vorspeise bis zum Dessert.
Weingut Fam. Fulterer, Feldkirch, Rivaner Jg. 2011: Saubere reife Apfeltöne, Holunder, leichte Zitrusanklänge. Die Säure ist gut eingebunden. Zum Jungtrinken. Passt zu Vorspeisen mit Frischkäse.
Weingut Sepp Möth, Bregenz, Grüner Veltliner Jg. 2011: Sehr reifer, cremiger Veltliner mit schon burgundischer Anmutung. Töne von Kernobst, Banane. Passt auch zu kräftigen Gerichten wie Kässpätzle und zum Wiener Schnitzel.
Weingut Franz Nachbaur, Röthis, Blauburgunder Jg. 2011: Dieser Wein hat großes Potenzial. Schon jetzt sehr gut, kann noch gelagert werden. Typische Burgundernase, passt zu Schmorgerichten.
Weingut Sepp Möth, Bregenz, Cuvee Brigantium: Marmeladiger Cuvee aus Shiraz und Zweigelt. Waldbeeren im Vordergrund. Wild, aber auch Schokomousse passen dazu.
Weingut Sepp Möth, Bregenz, Müller-Thurgau Jg. 2011: Beim Öffnen strenge Azeton-Note, öffnet sich und erinnert an Trockenfrüchte, Mango, Maracuya. Hennele, Fisch, Kalb sind gute Partner.
Die Weine von Nachbaur sind im Weingut und im Sutterlüty Bregenz erhältlich, Fulterer-Wein im Gasthaus Schäfle, Altenstadt und Möth-Weine im Weingut, bei Eurospar und verschiedenen Weinhandlungen.