Das ist Vorarlbergs kulinarisches Erbe

Schützenswerte Lebensmittel landen in der Arche. Vorarlberg ist dreimal vertreten.
Schwarzach. Die Slow-Food- Bewegung, gegründet um der sich ausbreitenden Fast-Food-Kultur einen Gegenpart zu bieten, hat sich in den vergangenen 27 Jahren zu einer Initiative entwickelt, in der sich rund 100.000 Menschen weltweit dem Erhalt regionaler Lebensmittel und lokaler Gastlichkeit widmen. In Vorarlberg ist der Verein seit 1996 aktiv und sorgt für ein gesteigertes Bewusstsein bei Konsumenten, Produzenten und Gastwirten. Für Obmann Edgar Eller ist klar: „Immer mehr Menschen machen sich Gedanken über die Produkte, die sie konsumieren. Sie wollen wissen, woher das Essen auf ihrem Teller kommt.“
Gegebene Dinge hinterfragen
Slow Food hat es sich auch zur Aufgabe gemacht, Lokale, die durch ihre ursprüngliche Küche bzw. durch den innovativen Einsatz traditioneller Lebensmittel bestechen, zu empfehlen. Allerdings: „Das Ziel liegt nicht in einem externen Slow-Food-Bewertungssystem für die Gastronomie. Vielmehr wollen wir Menschen ermutigen, gegebene Dinge zu hinterfragen, sich damit auseinanderzusetzen, wo und was sie essen. Nichtsdestotrotz gibt es in Vorarlberg zahlreiche Betriebe, denen Regionalität, Qualität und Nachhaltigkeit sehr wichtig sind, und die daher natürlich als Slow-Food-affin bezeichnet werden können.“
Die zweite große Aufgabe, der sich Slow Food widmet, ist die Arche des Geschmacks: Lokale und regionale Lebensmittel, Nutztier- und Nutzpflanzenarten, die unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen am Markt nicht bestehen oder „aus der Mode gekommen sind“, sollen durch die Arche-Kampagne vor dem Vergessen gerettet werden. „Passagiere der Arche“ müssen diese Kriterien erfüllen:
» Sind in ihrer Existenz bedroht
» Einzigartige geschmackliche Qualität
» Historische Bedeutung
» Identitätsstiftender Charakter für eine Region
» Unterstützen nachhaltige Entwicklung einer Region
» Tiere stammen aus artgerechter Haltung
» Frei von gentechnischer Veränderung
» Produkte sind käuflich erwerbbar
Kulinarisches Erbe
Die Arche des Geschmacks bewahrt das kulinarische Erbe der Regionen und umfasst insgesamt rund 1000 Lebensmittel. Aus Vorarlberg sind drei Passagiere mit dabei. Den Vorarlberger Bergkäse, den Riebel und den Suure Kees gibt es nur in unserer Region.
Einzigartige Vorarlberger Lebensmittel

Vorarlberger Riebelmais
Seit 350 Jahren traditionell angebauter und weitergezüchteter weißer Hartmais in Vorarlberg, speziell in den Talschaften. Diese Landsorte diente fast ausschließlich der Eigenversorgung, Zubereitung von Riebel-Maismus. Es existieren noch etwa 25 traditionelle kleine Anbauer in Vorarlberg. Das Saatgut wurde in einem Projekt gesichtet und genetisch auf Verwandschaft untersucht. Der Anbau soll wieder ausgeweitet und Riebelmais als ein regionales Produkt im Handel platziert werden. Historisch belegte Region der Produktion: Walgau und angrenzende Hanggemeinden, Rheintal und angrenzende Hanggemeinden, Vorder- und Mittel-Bregenzerwald, Leiblachtal
Bregenzerwälder Bergkäse
Bregenzerwälder Bergkäse wird nur in Sennereien des Waldes gekäst, aus silofreier Rohmilch, ausschließlich mit natürlichen Molkefermenten. Die Herstellungsweise hat sich dabei über Jahrhunderte kaum geändert, auch heute noch verwenden die Senner große Kupferkessel und pflegen den Käse während der Reifezeit nach überlieferter Weise mit dem Salztuch. Bergwiesengräser und -kräuter verleihen der Milch die besonders aromatische Note und dem Bergkäse seinen herzhaften Geschmack und intensiven Geruch. Dieses traditionelle Lebensmittel wird durch eine europäische Ursprungsbezeichnung geschützt.

Montafoner Sura Kees
Sura Kees ist ein Sauermilchkäse aus dem Montafon. In der traditionellen Herstellung wird er aus entrahmter Rohmilch hergestellt und ohne Zugabe von Säuerungskulturen durch Spontanreifung in Holzgefäßen gesäuert. Sauermilchkäse wird im Montafon seit Beginn der Nutzung der Bergweiden hergestellt und wurde 1240 erstmals urkundlich erwähnt. Traditionell wurde und wird teilweise noch heute in der kleinstrukturierten Montafoner Landwirtschaft die Dreistufenwirtschaft (Talbetrieb-Maisäß-Alpe) betrieben. Sechs Montafoner Sennalpen produzieren noch heute nach der traditionellen Methode.