Hühnermist-Stopp im „Öko-Ländle“

Vorarlberg / 20.11.2012 • 20:53 Uhr
Aus für Hühnerdung-Pellets. Sie dürfen in Vorarlberg ab sofort nicht mehr ausgebracht werden. Foto: vn/paulitsch
Aus für Hühnerdung-Pellets. Sie dürfen in Vorarlberg ab sofort nicht mehr ausgebracht werden. Foto: vn/paulitsch

Die Politik reagierte schnell. Ab sofort soll Hühnerdung aus Vorarlberg verschwinden.

Schwarzach. Plötzlich ging alles ganz schnell. Am 22. Oktober hat Agrarlandesrat Erich Schwärzler erstmals vom massiven Einsatz von Hühnerdung-Pellets und von möglichen Zusammenhängen mit Qualitätsmängeln in Bregenzerwälder Sennereien gehört. „Am 23. habe ich die ersten Kontrollen angeordnet.“ Beim Lokalaugenschein in Andelsbuch wurden die fehlenden Papiere urgiert. In Hohenems wird der liefernde Händler ausfindig gemacht, der rund 200 Tonnen Hühnerdung in Baden-Württemberg eingekauft hat. Woher der Rohstoff für die Pellets kam, werde dieser Tage bei einem Besuch in diesem Betrieb eruiert, versichert der Landesrat im Gespräch mit den VN. Geliefert wurde Hühnerdung auch noch von anderen Betrieben, die überprüft werden sollen.

Der VN-Bericht über den platzenden Käse und den möglichen Zusammenhang mit den Hühnerkot-gedüngten Bregenzerwälder Wiesen hat aber gestern noch weitere Konsequenzen gehabt. In einem eilig einberufenen Gespräch mit den Agrarsprechern der Landtagsparteien wurde ein sofortiges Quasi-Verbot der Hühnerdung-Pellets beschlossen. „Es gibt zwar Bundes- und EU-Gesetze, die die Ausbringung erlauben“, so Schwärzler, „aber in Vorarlberg wird es in Zukunft keine solche Düngung mehr geben.“ Untermauert soll dieses Verbot durch neue Verträge der Sennereien mit ihren Milchlieferanten werden, haben die Politiker beschlossen. Des Weiteren werde es scharfe Kontrollen geben. Und schließlich soll nun ein externer Experte die Zusammenhänge zwischen Dung und kaputtem Käse untersuchen.

Externe Kontrolle

Denn so ganz trauen Schwärzler und die anderen Agrarpolitiker den heimischen Kontrolleuren nicht: Einer von ihnen hat just heute, nach wochenlangen erfolglosen Untersuchungen, ein Ergebnis präsentiert. Es gebe keinen Zusammenhang, ließ der Milchreferent der Landwirtschaftskammer verlauten. Die Ergebnisse des nun zugezogenen Experten werden Klarheit bringen. Die Erklärung für den schadhaften Käse ist aber auch so nicht unbedingt beruhigend: Hygieneprobleme seien daran schuld. „Solange die Ursache nicht geklärt ist, bleibt das ein riesiger Skandal“, sagt der grüne Agrarsprecher Klubobmann Johannes Rauch. „Wir verlangen von Landesrat Schwärzler vollständige Aufklärung über die Vorgänge und haben eine umfassende Landtagsanfrage eingebracht. Wir stehen am Beginn einer Grundsatzdiskussion über Intensivlandwirtschaft und Intensivviehzucht in Vorarlberg. So wie bisher kann es jedenfalls nicht weitergehen, auch wenn einzelne Kammerfunktionäre das nicht wahrhaben wollen“, donnert der Grüne. Dieser neue Skandal offenbare, dass das „Öko-Ländle“ insgesamt Fehler im System habe. Es sei nicht damit getan, dass man punktuell reagiere, man müsse das gesamte Agrarsystem infrage stellen. Und in Richtung Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger: „Wer auch bei diesem Skandal wieder beschwichtigt und relativiert, muss zurücktreten.“ Rauch spricht in diesem Zusammenhang auch von Unregelmäßigkeiten bei Förderungen und anderen offenen Fragen in der Landwirtschaft, die geklärt werden müssten. Und noch etwas spricht er an: „Der Vorarlberger Bergkäse ist eine international bekannte Marke, die durch solche Dinge schweren Schaden nimmt. Was muss noch passieren, dass man reagiert?“

Eine Reaktion erwartet sich auch Vorarlbergs größter Käseeinkäufer, Josef Rupp. Er kauft und vermarktet rund die Hälfte des im Ländle erzeugten Käses. Er gehe davon aus, dass die Bauern die Qualitätsprobleme, die in einigen Alpen aufgetreten sind, selbst und rasch lösen. Dasselbe gelte auch für die Hühnerdung-Problematik. Er weist aber auch darauf hin, dass die meisten Landwirte in den letzten Jahren kontinuierlich in die Verbesserung ihrer Produkte investiert haben. „Wir hatten noch nie so viel gute Käse wie derzeit“, sagt Rupp. Die vielen ordentlich arbeitenden Bauern würden durch wenige schwarze Schafe in Misskredit gebracht, stellt auch Rauch fest. Und auch LWK-Präsident Moosbrugger fordert streng: „Es geht um das Gesamtinteresse der Bauern. Und ich bin der Ansicht, dass Hühnerdung auf unseren Wiesen nichts verloren hat.“

Ich gehe davon aus, dass die Bauern dieses Pro­blem schnell lösen.

Josef Rupp