„Jedes Restrisiko vermeiden“

Heute treffen sich die Sennerei-Obleute in Hohenems und fixieren das Hühnerkot-Verbot.
Schwarzach. Es gibt Hühnerkot und Hühnerkot. Die ausländischen Pellets sind ab sofort tabu, Vorarlberger Hühnermist soll aber nach wie vor kontrolliert ausgebracht werden, sagt Landesrat Erich Schwärzler im Gespräch mit den VN. „Wir reden mit den Vorarlberger Geflügelbauern. Ich kann mir vorstellen, dass der Vorarlberger Hühnermist nach scharfen regelmäßigen Kontrollen weiterhin ausgebracht werden kann. Wir werden das auch mit dem externen Fachmann besprechen.“ Es könne ja auch nicht sein, dass „wir in Vorarlberg die Pellets verbieten und dann unseren Mist exportieren“, wägt der oberste Agrarpolitiker des Landes ab.
Nicht nur mit den Geflügelbauern muss Schwärzler derzeit intensive Gespräche führen. Heute Vormittag werden sich in der Landwirtschaftsschule in Hohenems die Obleute der Vorarlberger Senngenossenschaften mit den zuständigen Beamten des Landes und Angestellten der Bauernkammer treffen. Erklärtes Ziel: Der mehr oder weniger freiwillige Verzicht der Milchlieferanten auf Hühnerkot-Pellets. Da EU- und Bundesrecht die Düngung mit den umstrittenen Pellets auch weiterhin erlauben, soll durch die Unterschrift der Bauern ein rechtlich relevanter Hebel geschaffen werden, der für die Durchsetzung des Verbots wichtig ist. Für Schwärzler ein durchaus schwieriger Termin: Denn die Sennerei-Obleute sind nicht alle von der Maßnahme überzeugt. Einige wollen eine Grundsatzdebatte über den Weg der Landwirtschaft in den nächsten Jahren, da im Zuge der Aufarbeitung von Gärkäse und Hühnerdung eine ganze Reihe weiterer Fragen rund um Ökologie, Alpwirtschaft, Gentechnik und Regionalität aufgetaucht ist, die geklärt werden müssen. Und natürlich wird auch die Preisdiskussion wieder angeheizt. Ein Vorarlberger Handelsinsider macht dazu eine Rechnung auf: Wenn Bergkäse zum Normalpreis von 12 bis 15 Euro im Laden erhältlich ist, dann ist der Wert bezogen auf einen Liter Milch bei ca. 1 Euro bis 1,50 Euro. Das ist derselbe Preis wie für einen Liter Frischmilch. „Auch einem Nichtfachmann muss klarwerden, dass bei dem aufwendigen Prozess der Käseproduktion und Lagerzeiten zwischen sechs und acht Monaten nichts mehr zu verdienen ist.“
Auch Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich hat nun Stellung genommen und bezieht sich bei den Antworten auf eine Stelle in Vorarlberg, die ganz offenbar nicht einmal den Vorarlberger Politikern ganz geheuer ist: „Laut Aussage der zuständigen Stelle in Vorarlberg wird dieser Hühnermist über 90 Grad Celsius erhitzt. Daher bestehen grundsätzlich keine Bedenken zur Ausbringung der Hühnerdung-Pellets“, vermutet er. Und weiter: „Die ARGE Milch Vorarlberg wird aber trotzdem in Zukunft die Ausbringung von Hühnermist verbieten, um jegliches Restrisiko zu vermeiden.“

46, Wolfurt
Ich werde weiterhin Bergkäse aus Vorarlberg kaufen. Es sollte aber stärkere Kontrollen geben. Ich habe schon ein bisschen Angst, das dieser Hühnerdung den Käse bislang beeinträchtigt hat.

85, Bezau
Ich hole meinen Käse frisch vom Bauern. Was ich weiß, sind noch keine Auswirkunge des Hühnerdungs auf den Käse bewiesen. Ich finde es aber nicht gut, dass man Dünger von überall herkarrt.

27, Dornbirn
Da ich eine Laktose-Intoleranz habe, esse ich keinen Käse. Ich finde es aber generell nicht gut, dass Käselaibe aufgrund von Hühnerdung aufplatzen. Mehr Kontrolle wäre sicher besser.

51, Alberschwende
Natürlich kaufe ich noch Vorarlberger Käse. Für uns Wälder geht nichts über Käse. Man sollte aber mit diesen Hühnerdung-Pellets aufhören. Das Image des Wälder Käses geht sonst kaputt.

29, Krumbach
Ja, sicher kaufe ich noch Käse aus Vorarlberg. Allerdings darf so etwas in Zukunft auf keinen Fall mehr passieren. Das hat auch etwas mit der Einhaltung von Qualitätsstandards zu tun.