Der „freiwillige“ Verzicht

Die 30 Obleute der ARGE Milch Vorarlberg verzichten nun offiziell auf Hühnerdung.
Hohenems. Alles andere als eine „gemähte Wiese“ war der gestrige Termin von Landesrat Erich Schwärzler und Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger in der Landwirtschaftsschule Hohenems mit den Obleuten der ARGE Milch Vorarlberg. Obwohl schlussendlich alle eine Verzichtserklärung für die Hühnerkot-Pellets unterschrieben haben, wollten etliche der Sennereiobleute die Maßnahme nicht wirklich einsehen. Schließlich darf in anderen Bundesländern und in anderen Staaten auch weiterhin mit Hühnerkot-Pellets gedüngt werden, so das Argument in der hitzigen Diskussion. Am Rande der Sitzung sprachen sie von einer „Kampagne gegen den Bregenzerwald und den Wälder Käse“.
Hühnerdung geächtet
Nach der Debatte aber, so Landesrat Schwärzler gegenüber den VN, „zeigten alle Verantwortung nicht nur für ihre eigene Sennerei, sondern für das große Ganze, für die Region und den Bauernstand“ und „unterschrieben ohne Zwang die Vereinbarung“ zur Ächtung von Hühnerdung.
Die Ächtung ist komplett. LWK-Präsident Moosbrugger stellt schriftlich klar: „Meine Position zum Thema ausländisches Hühnermistgranulat auf Vorarlberger Wiesen ist entgegen allen anderweitigen Behauptungen: Die Vorarlberger Landwirtschaftskammer gibt eine klare Empfehlung: Auf ausländischen Hühnermist als Düngemittel in der Vorarlberger Landwirtschaft zu verzichten. Es sind damit zu viele Unsicherheiten verbunden. Image und Qualität unserer hochwertigen Lebensmittel stehen auf dem Spiel. Ich kann auch versichern, dass die aktiven Berater der Landwirtschaftskammer den Einsatz von ausländischem Hühnermist nicht empfohlen haben. Das wird von diesen bestätigt.“ (Siehe Leserbriefe, Seite C11). Damit tritt er Behauptungen des Grünen-Agrarsprechers Johannes Rauch entgegen, der allerdings nicht von dieser Behauptung lassen will.
Hühnerdung-Pellets wurden nicht nur im Bregenzerwald ausgebracht, auch in anderen Regionen des Landes wurde so der Boden gedüngt. Am Montag wird nun ein Tiroler Fachmann in Vorarlberg eintreffen, sich über den Stand der Dinge informieren und dann seine Arbeit aufnehmen, berichtet Schwärzler. Er hoffe dann auf ein möglichst zeitnahes Ergebnis, das die Zusammenhänge klären soll.
Etliche Bauern (vor allem aus dem Bregenzerwald) wollen den Anlass aber auf jeden Fall dazu nutzen, um über die „Intensivlandwirtschaft“ in Vorarlberg Tacheles zu reden – etwa darüber, dass jährlich höhere Milchleistungen erzielt werden sollen, oder über die Politik der Viehzuchtverbände, die Vorarlberger Braunvieh in den letzten Jahren immer weiter verdrängt hat. Oder über den Gebrauch von Kraftfutter …
VN-Stammtisch
Am Beispiel Bergkäse:
Die Vorarlberger Agrar-
Strategie am Prüfstand
Donnerstag, 29. November, 19 Uhr, Mittelschule Wolfurt
Seit Wochen sorgen die Ausbringung von Hühnerdung-Pellets und Probleme bei der Käsebereitung im Bregenzerwald für Gespräche. Gibt es einen Zusammenhang? Das Land will das prüfen lassen. Ein Bericht in den VN brachte die Probleme an den Tag. Und dazu eine ganze Reihe weiterer Probleme. Am Donnerstag werden Agrar-Fachleute und Agrar-Politiker beim VN-Stammtisch dazu Stellung nehmen und in der Publikumsdiskussion Rede und Antwort stehen.