Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Was für eine Verschwendung

Vorarlberg / 26.12.2012 • 18:18 Uhr

Die Liaison, die Mayonnaise und Kekse während der Festtage eingingen, rächt sich natürlich. Ein anständiger Wintertag würde sich in der Folge gnädig erweisen und den ersten verdrossenen Blick aus dem Fenster mit einer wohlgeratenen Mischung aus Schneefall und Kälte belohnen. Eine wundervolle Grundlage für die Entscheidung, den Stephanstag in Murmeltierhaltung im Bett zu verbringen.

Aber die anständigen Wintertage herrschen ja neuerdings schon im Oktober und vielleicht dann auch im Mai. Aber jedenfalls nicht zu Weihnachten. Da empfehlen frühlingshafte Temperaturen unmissverständlich, den eben angefutterten Speck beim Dauerlauf am nahen Flussufer entlang schon wieder zu verbrennen.

Welche Verschwendung!

Man hatscht also gottergeben ins Freie. Und findet eine solche Menge joggender, körperbewusster Menschen vor, dass man schon Mühe hat, einzufädeln. Die nächsten 150 Meter verbringt man damit, abwechselnd zu grüßen und sich von den Übereifrigen überholen zu lassen. Sie tragen dieses verbissene „Nie wieder“ zur Schau und haben sich vermutlich heuer an zwei Vierteln Mineralwasser mit Orangen-Geschmack vergriffen. Am selben Abend. Wahnsinn! Ihr entschlossener Schritt zermalmt jede Kalorie einzeln. So lassen sie dieses alte Jahr hinter sich und darin einen atemlos-staunenden Zeitgenossen, der das „Nie wieder“ gerade im Churchill’schen Sinne verinnerlicht hat.

thomas.matt@vn.vol.at, 05572/501-724