Austrittswelle ebbt weiter ab

Krisenerprobte Diözese ist auferstanden: Austritte schwinden, Budgetrahmen wächst.
Feldkirch. Wer auch immer heuer im Feldkircher Dom St. Nikolaus zum neuen Bischof der 247.436 Vorarlberger Katholiken geweiht wird, er übernimmt ein wohl bestelltes Haus. Die Kirchenaustritte sind weiter rückläufig, den Finanzrahmen konnte Direktor Andreas Weber für 2013 so weit spannen, dass die Diözese nicht eine einzige Kirchensanierung zurückstellen muss. „Wir sind ganz zufrieden“ – solche Sätze kommen Finanzverantwortlichen dieser Tage höchst selten über die Lippen.
Dennoch: 2901 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger kehrten im vergangenen Jahr ihrer Religionsgemeinschaft den Rücken, darunter zählten 2749 zur römisch-katholischen Kirche. 23 Katholiken widerriefen ihren Austritt innerhalb von drei Monaten. 220 traten später wieder in die Kirche ein.
Die katholische Kirche hat damit zumindest in Vorarlberg das Jammertal durchschritten. Zur Erinnerung: Unter dem Eindruck von Missbrauchsfällen und heftiger Kommunikationspatzer des damaligen Bischofs waren der katholischen Kirche 2010 noch 4709 Vorarlberger abhanden gekommen.
Bis zu 400 Euro abschreiben
Auch der Voranschlag für 2013 sieht mit Gesamteinnahmen von 23,79 Millionen Euro entsprechend optimistisch aus. Finanzkammerdirektor Andreas Weber rechnet allein aus Kirchenbeiträgen mit Einnahmen in Höhe von 20,5 Millionen Euro. 2012 ergab diese Einnahmenquelle noch 19,7 Millionen. Erstmals dürfen die Kirchenmitglieder heuer bis zu 400 Euro Kirchenbeitrag im Jahr von der Steuer abschreiben. „Dieser Vorteil kommt rund 90 Prozent unserer Beitragszahler zugute.“
Zudem erweitert die Diözese Feldkirch die Möglichkeit, bis zu 50 Prozent des Kirchenbeitrags zweckgebunden zu entrichten. Ab Anfang Februar finden Interessierte auf der Internetseite der Diözese ein Formular zum Download, das sie ausgefüllt an die Kirchenbeitragsstelle schicken können. Kirchenmitglieder können ab heuer aus acht Möglichkeiten wählen und die Hälfte ihres Beitrags einer dieser Institutionen zukommen lassen:
» der Telefonseelsorge,
» den Bildungshäusern St. Arbogast oder Batschuns,
» der Hospizbewegung,
» der Weltkirche (Unterstützung für ärmere Diözesen),
» der Caritas Inlands- oder Auslandshilfe oder
» der Jungen Kirche.
Die Katholische Kirche in Vorarlberg will die Zweckwidmung forcieren und künftig auf den Gehaltsnachweis verzichten, „solange der zweckgewidmete Beitrag glaubwürdig ist“. Bislang wird die so oft geforderte Möglichkeit, sein Geld einer bestimmten Organisation zukommen zu lassen, kaum wahrgenommen. Im vergangenen Jahr wurden in Vorarlberg nur 9000 Euro Kirchenbeitrag zweckgewidmet.
Mehr Männer und Junge gehen
Doch zurück zur Mitgliederentwicklung. Sich zufrieden zurücklehnen ist beileibe nicht drin. Im Diözesanhaus werden im Jänner die Zahlen genau analysiert. Schon jetzt lässt sich sagen, dass unter den 2012 Ausgetretenen 46 Prozent Frauen und 54 Prozent Männer waren. Die Gruppe der 21- bis 30-Jährigen war mit 30 Prozent am stärksten vertreten.
Die Diözese hat das „Rückholmanagement“ inzwischen auf breitere Beine gestellt. Neben Monika Eberharter in der Dialogstelle greifen sechs weitere Mitarbeiter regelmäßig zum Telefon, um Ausgetretene zu kontaktieren. Darunter sind Jugendseelsorger Dominik Toplek, der Leiter des Ethikcenters, Michael Willam und Pressechefin Veronika Fehle. Diözesanadministrator Benno Elbs schreibt alle aus der Kirche Ausgetretenen persönlich an. Im Monat sind das immerhin 200 Briefe. Die Diözese kämpft um jedes einzelne Schäfchen. Auch mit finanziellen Zuwendungen: An Kirchenrenovierungen in Sibratsgfäll, Klaus, Bildstein, Eichenberg, Reuthe und Langenegg beteiligt man sich ebenso wie den Pfarrzentren von Bludenz, Altenstadt und Muntlix. 56 Prozent des Gesamtbudgets kommt direkt den Pfarreien zugute, davon fließen sechs Prozent in die Sanierung kirchlicher Bauten.
Wir wollen die Zweckwidmung des Kirchenbeitrags forcieren und schaffen neue Möglichkeiten.
Dir. Andreas Weber
Kirchenaustritte 2012
Bezirk alle römisch-katholisch evangelisch andere
Bludenz 483 464 19 –
Feldkirch 971 920 46 5
Dornbirn 698 660 38 –
Bregenz 749 705 42 2
Gesamt 2901 2749 145 7