Mentoren für junge Flüchtlinge

16 Paten für jugendliche Asylwerber in Ausbildung. Sie sollen sich für ein Jahr verpflichten.
Feldkirch. Für Zaker, Nasrat und die 14 anderen jugendlichen Asylwerber, die sich eine Wohngemeinschaft der Caritas am Feldkircher Rosamichlweg teilen, hielten die ersten Monate in Vorarlberg viel Zuwendung bereit. Die Leiterin der WG, Claudia Moser, hat richtig Mühe, alles aufzuzählen. Doch das Wichtigste am Beginn: Für die 16 Jugendlichen, die zwischen 15 und 17 Jahre alt sind, stehen 16 Mentoren in den Startlöchern.
„Zeit sinnvoll verbringen“
Alle kommen sie aus dem Großraum Feldkirch: Die 30-jährige Frau etwa, ein Ehepaar Mitte 40, der 74-jährige Jurist. „Der hat gleich alle unsere Buben zum Essen eingeladen ins afghanische Restaurant Samandar.“
Eben durchlaufen die angehenden Mentoren die Ausbildung der Caritas. Im März werden sie sich endgültig entscheiden, ob sie die jungen Flüchtlinge für vorerst ein Jahr begleiten. Auch „20 Stunden schnuppern“ steht im Februar auf dem Programm. Claudia Moser ist es wichtig, dass die Entscheidungen fundiert fallen. Die Jugendlichen haben alles zurückgelassen. Monate waren sie auf der Flucht. Was sie jetzt am ehesten nötig haben, sind tragfähige Beziehungen. Als vor Wochen in Pakistan wieder Bomben explodierten, bangte einer der jungen Feldkircher Afghanen tagelang um das Leben seiner Familie, die er im Krisengebiet wusste. Bis die erlösende Nachricht kam: alles in Ordnung, niemand verletzt.
Wenigstens das. Aber was ist im Leben dieser Jugendlichen sonst schon in Ordnung? Umso mehr freuten sie sich über Gesten und Geschenke ihrer neuen Umgebung. Über die Initiative eines Götzner Unternehmers etwa, der eines Tages auftauchte und allen einfach gute Winterschuhe kaufte. Oder die Dame mit den Handtüchern: Die Frau, Mitte 50, schenkte jedem einzelnen Flüchtling ein Handtuch, in das sie seinen Vornamen mit bunten Buchstaben eingestickt hatte. Diesen „kleinen Willkommensgruß in Österreich“ gab sie beim Zivildiener ab und verschwand wieder.
Neun in der Regelschule
Neun Jugendliche besuchen seit 7. Jänner 2013 die Regelschule: Zwei kamen in der Mittelschule Gisingen, drei in der Mittelschule Levis und vier im Sozialpädagogischen Zentrum unter. Sie gewöhnen sich ein. Vieles ist fremd: Von der Pflicht zu Hauspatschen bis zum aufmerksamen Zuhören will allerhand erlernt werden. „Aber die Schulen kommen uns wahnsinnig entgegen“, betont Claudia Moser. Und Nasrat (16) nimmt, als hätte er aufs Stichwort gewartet, ein Deutschheft zur Hand. „Nächste Woche hab ich Prüfung.“ Er ist für die Mittelschule schon zu alt und hofft auf eine Lehrausbildung.
Ein Götzner Geschäftsmann hat allen Schuhe geschenkt.
Claudia Moser
Martin Fellacher ist unter Tel. 05522/200-1780 erreichbar.