Vorarlberger Funken ist UNESCO-Kulturerbe

Das Brauchtum wird seit 1000 Jahren von Jung und Alt gleichermaßen gepflegt.
dornbirn. (gt) Der erste Sonntag nach Aschermittwoch ist Funkensonntag. So ist es schon seit Hunderten von Jahren Brauch in den 96 Gemeinden Vorarlbergs. Und weil das feurige Ritual typisch für das Ländle ist und noch dazu volksfestartigen Charakter hat, wurde es vor drei Jahren von der UNESCO, der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, in die Liste „Immaterielles Kulturerbe in Österreich“ aufgenommen.
Neben der gemeinschaftsbildenden Funktion für die involvierten Personen ermögliche der Brauch auch Außenstehenden „den Eintritt in eine andere Lebenswelt“, heißt es in der Verlautbarung der UN-Behörde. Besagte Lebenswelt ist aber auch für die meisten Vorarlberger „anders“, denn etliche Gemeinden haben beim Funkenaufbau und am Funkensonntag oder am (Funken-)Samstag ihre eigenen Sitten und Gebräuche.
Im Montafon zum Beispiel ist bzw. war es üblich, den Funken auf acht Holzpflöcke aufzubauen. In manchen Ortschaften wird der Funken vollständig mit Tannenreisig geschmückt, in anderen reicht eine Holzverkleidung. Im Großen Walsertal spendierte der Bürgermeister den jungen Burschen einen „Dörrlig“, einen langen dürren Baum aus dem Wald, aus dem sie den Funken zimmerten.
Generell war Holz früher landesweit ein kostbares Gut, das man lieber zu Hause im Ofen verheizte. Deshalb waren die meisten Funken nur halb so groß wie heute. Und nicht überall stand obenauf eine Hexe. In Schnifis etwa wurde ein „Hexenmann“ verfeuert, in Lauterach ein „Hexenpaar“. Regional verschieden ist auch die Herstellung und das Tragen von Fackeln und Lampions.
Die Herkunft des Funkenbrauchs ist nicht eindeutig geklärt. Weitgehend unbestritten ist der Zusammenhang mit Ende der Faschingszeit. Statt „Funkensonntag“ sprach man früher von „Altfasnacht“ oder vom „Altfasnachtsonntag“. Dass der Brauch auf einen vorchristlichen Frühjahrskult zurückgeht, ist eine Legende. Ebenso die landläufige Meinung, mit dem Funkenabbrennen werde der Winter vertrieben.