Des Norden Freud, des Süden Leid

Vorarlberg / 27.03.2013 • 21:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stau auf der A 14 Richtung Arlberg und Richtung Montafon: Die Öffnung der zweiten Pfändertunnelröhre könnte dieses Problem noch verschärfen.
Stau auf der A 14 Richtung Arlberg und Richtung Montafon: Die Öffnung der zweiten Pfändertunnelröhre könnte dieses Problem noch verschärfen.

Vierspurigkeit im Pfändertunnel wird massive Auswirkungen auf den Verkehrsfluss haben.

Bregenz. Noch knapp hundert Mal schlafen, dann sollte es so weit sein: der Beginn der Vierspurigkeit im Pfändertunnel für den motorisierten Verkehr. Noch vor Beginn der Sommerferienzeit ist laut Auskunft der Verantwortlichen mit der Freigabe der alten Pfändertunnelröhre, die derzeit für gut 27 Millionen Euro saniert wird, zu rechnen. Dies wird eine neue Ära in der Geschichte des vorrangigen Verkehrs in Vorarlberg einläuten.

30.000 durch den Pfänder

Derweil noch schafft es der zweispurige Pfändertunnel täglich ins Radio. „Man muss sagen, dass es jeden Tag zu Stoßzeiten einen Stau gibt – vor allem Richtung Deutschland“, stellt Jörg Zimmermann (41), Verkehrsexperte im Land, emotionslos fest. Kein Wunder: Fast 30.000 Kraftfahrzeuge durchschnittlich passieren täglich die asphaltierte Fahrbahn durch den Berg. Davon sind über 5000 Lastwagen. Die Staus sind besonders im Winter durch die Bewegungen Richtung Skigebiete und zurück massiv, längere Verzögerungen daher Alltag.

Die gute Nachricht zur baldigen Freigabe der Oströhre durch den Pfänder: Für motorisierte Verkehrsteilnehmer, die nur im Norden des Rheintals unterwegs sind bzw. von dort Richtung Deutschland fahren, brechen staulose Zeiten an. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es beim Pfänder danach noch zu Staus kommt“, meint Jörg Zimmermann. Der Verkehrsexperte glaubt zudem, dass auch der Ausweichverkehr durch die Dörfer stark reduziert wird. „Natürlich wage ich nicht zu prophezeien, wie sehr sich das Ende der Korridorvignette auswirken wird.“

Stärkere Staus

Sehr wohl traut sich Zimmermann zu prophezeien, dass die Verkehrsprobleme und Staus im Süden des Landes zunehmen werden. Bereits jetzt kann sich der Urlauberverkehr Richtung Tirol über die S 16 an Spitzentagen bis nach Frastanz rückstauen. „Die Öffnung der zweiten Pfändertunnelröhre wird zu einem verstärkten Aufkommen von Kraftfahrzeugen in der Region führen. Wir rechnen künftig mit zehn statt bisher sechs Stautagen in der verkehrsintensiven Wintersaison“, erläutert Zimmermann.

Derzeit beraten Vertreter der Region Walgau, des Klostertals, des Montafons, von Land und Exekutive über ein Maßnahmenpaket, um den zu erwartenden Mehrverkehr in den Griff zu bekommen. Angedacht sind Maßnahmen wie die Verlängerung des Rechtsabbiegestreifens bei der Anschlussstelle Montafon sowie eine Vorrangänderung bei der Einmündung von der A 14 in die L 188 Richtung Montafon. Mögliche andere Überlegungen: die Einrichtung von „Barrieren“ im unterrangigen Straßennetz, um dem befürchteten Ausweichverkehr vorzubeugen. Doch all diese Überlegungen stehen auf Basis der aktuellen Verkehrsdaten noch auf dem Prüfstand.

Im unteren Rheintal wird sich die Verkehrssituation ganz sicher verbessern.

Jörg Zimmermann