Bubentraum bald unter Dampf

Drei Mann in einem Boot: 130 Jahre alte Dampfyacht sticht bald wieder in See.
Hard. Die britische Times bescheinigte ihr „makellose Alabasterhaut“ und „verwunschene, grüne Augen“. Wenn Margaret Duchess of Argyll zu Tisch bat, nahmen Gäste wie Anthony Eden und Paul Getty Platz. Die jahrzehntelang unumstrittene Society-Queen Londons hätte gewiss ihre Freude daran, dass ihr Name heute noch einmal zu Ehren kommt: in Hard, am Bodensee, ausgerechnet.
Dies ist ein heiliger Moment: Mit großer Ehrfurcht hebt Reinhard Kloser (65)die rechte Befestigung der Kaminabspannung aus der Schachtel. Er legt das Stück aus hochpoliertem Messing in die vorgesehene Aussparung am Bootsrumpf. Passt. Hubert Hartmann (68) und Erich Hoop (55) haben Aufstellung genommen. Zu dritt strahlen sie nun um die Wette wie Buben, die ihre erste Spielzeugeisenbahn aufs Geleise gesetzt haben. Wobei diese Buben allesamt pensionsreif sind, und das Spielzeug . . . das Spielzeug misst 13,5 m über alles und ist stolze 130 Jahre alt. Die Dampfyacht „Duchess of Argyll“ hat die Themse und den Lake Windermere in der Grafschaft Cumbria befahren. Sie lag auch schon auf Grund, jahrelang. „Aber wenn da keine Luft dazu kommt, passiert nicht viel.“ Natürlich hat der damalige Besitzer das Dampfboot heben und neu aufrichten müssen. Aber alles kein Vergleich mit den Arbeiten, die seit Dezember 2011 in der Harder Zimmerei Hartmann anfielen.
Arbeiten ohne Ende
Während bei Seibt Textil in Fußach gut 24 Quadratmeter Sonnensegel genäht werden, haben Hubert Hartmann und seine Mitstreiter das 130 Jahre alte Teak- und Mahagoniholz restauriert. Die alte Kraweelbeplankung mit Kupfernägeln schützt heute eine fünf Millimeter dicke Außenhaut aus sibirischer Lärche. Die Dampfmaschine aus 1906 hat Reinhard Kloser wieder instand gesetzt; für den Retter und langjährigen Kapitän der „Hohentwiel“ eine Fingerübung, gewissermaßen.
Mit ungetrübter Begeisterung besieht er sein Werk: die Pumpen für die Kesselspeisung, den Dynamo, die Hauptlenzpumpe – alles neu. „Und wird alles über eine einzige Welle in Gang gehalten.“ 27 PS wird die Dreifach-Expansions-Dampfmaschine leisten bei 250 Umdrehungen. „Und völlig lautlos.“ Nur das Feuer der Buchenscheiter wird zu hören sein und das Plätschern des gekräuselten Sees, der den schlanken Bootsrumpf gewähren lässt.
„In England war sie für 24 Personen zugelassen.“ In Vorarlberg wird die Duchess nur privat in See stechen. Der pensionierte Liechtensteiner Kaufmann Erich Hoop hat Ankauf und Restaurierung finanziert. Kloser, Hartmann und der pensionierte Bootsbauer Sigi Garnitschnig haben so viele Stunden reingesteckt, dass man in der Zeit gut und gerne ein Haus hätte bauen können.
Aber Häuser haben die alle schon. Und Hoop auch einen Oldtimer Marke Brasier Racer, Baujahr 1908. Und einen Doppeldecker, eine Boeing Stearman, die manchmal die Luft über Hohenems erzittern lässt. Eine dampfbetriebene Yacht von altem schottischem Adel, die hat da gerade noch gefehlt.
Wann wird sie fertig sein? Da legen Hoop und Hartmann ihre Gesichter in Falten, aber Kloser verkündet es so bestimmt wie eine der beiden Dampfpfeifen, die später einmal parallel zum Schornstein in die Höhe wachsen: „Am 30. Mai müssen wir nach Bodman.“ 170 Mitglieder feiern den 30. Geburtstag ihres Deutschen Dampfboot Vereins e.V. Da muss die Duchess gratulieren fahren.
Bis dann ist bestimmt auch das Zehn-Liter-Fässle da, das Erich Hoop in Kapstadt aufgetrieben hat. Während der zwei Meter lange Dampfkessel 280 Liter Wasser unter Druck setzt, wird das Eichenfass ausreichend Single Malt bereit halten. Falls es einmal kalt wird an Bord . . . ##Thomas Matt##

